Avram Grant

Angekommen – angenommen

Avraham Grant ist in England vom Nobody zu einem echten Medienliebling mutiert. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem israelischen Trainer mit dem düsteren Blick ist gewichen. Denn Grant ist wortgewandter, sympathischer und witziger, als manch einer seiner Kritiker dachte.
Kurz nachdem bekannt wurde, dass José Mourinho, der portugiesische Startrainer, den FC Chelsea verließ, wurde Avraham Grant als Nachfolger vorgestellt. Et- was verklemmt und missmutig stellte er sich erstmals den hungrigen Medien in London. Bald waren die Meinungen speziell in den Boulevardblättern gemacht, und Grant hatte einen wenig schmeichelhaften Ruf weg: Er, der als israelischer Chefcoach achtbare Erfolge erreichte, aber noch nie auf allerhöchstem europäischen Niveau einen Klub trainierte, wurde zum »Anti-Mourinho« stilisiert. Man empfand ihn als trocken und langweilig. Zumal zu Beginn seiner Amtszeit der Erfolg nicht eintrat und eine kleine sportliche Krise sein Team schüttelte. Und, noch schlimmer, die landläufige Meinung schien sich zu etablieren, dass es ein Deal zwischen den jüdischen Freunden Roman Abramovich und Grant gewesen sei. Und dann machte auch noch eine gewisse Antipathie der beiden Topstars Didier Drogba und Michael Ballack gegenüber dem vormaligen Sportdirektor von Chelsea Grant das Leben schwer.
Aber schnell wandte sich das Blatt. Grant zeigte, obwohl noch immer mit dem für ihn typischen düsteren Blick, sein wahres Wesen: Witzig und eloquent gab er sich, stellte in Interviews die Medien meist zufrieden und war – ganz anders als Mourinho – nie arrogant, unfreundlich oder frech zu den Journalisten. Parallel zur Image-Aufpolierung wurden auch Erfolge eingefahren, und das Team kam wieder in Fahrt. Grant gewann an Selbstvertrauen, und die meisten Spieler mochten den israelischen Charaktermenschen und Gentleman ohnehin mehr als Mourinho. Plötzlich sprach niemand mehr von einem »Verlust« für den englischen Fußball. Und auch die Differenzen mit Drogba und Ballack kamen wieder in Ordnung.
Avraham Grant punktete also nicht nur als Trainer auf dem Rasen, sondern auch als Publikumsliebling. Zumal auch er begann, markige Sprüche zu platzieren, die jedoch nie andere angriffen, wie oft bei Mourinho, sondern eine typisch ironische Note hatten. Meist nimmt er sich selbst auf die Schippe. Das gefällt den Medienleuten in England. So sagte er bei einer Pressekonferenz mit einem Schuss Understatement: »Als Kind hätte ich mir nie träumen lassen, eines Tages für einen so berühmten Klub arbeiten zu dürfen. Ich dachte, aus mir wird nichts. Und doch ist etwas aus mir geworden. Und stellt euch mal vor: Ich habe ja gar nicht auf diesen Job als Trainer von Chelsea aspiriert und nun habe ich ihn trotzdem erhalten. Bei meinem Amtsantritt habe ich auch nicht mehr vom Eintritt in das Meisterschaftsrennen geträumt, und nun sind wir doch in der Spitzengruppe dabei. Ich sollte eigentlich den Kampf gegen den Abstieg als Saisonziel nennen – dann werden wir vielleicht Meister.«
Mit solchen Zitaten und einer Engelsgeduld bei Interviews oder wenn er spitze Bemerkungen über sich ergehen lassen muss, machte er sich bei den Medien beliebt. Ein gängiger Spruch bei Englands Fußballjournalisten ist jetzt folgender: »Take it for GRANT-ed (eins ist sicher): Diese Pressekonferenz wird vergnüglich!«

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026