WIZO-Basare

»Alles, was wir tun, muss effektiv sein«

Frau Jontofsohn, der WIZO-Basar in Stuttgart steht bevor. Sind Sie fertig?
jontofsohn: Meinen Sie physisch oder psychisch? Heute war es ziemlich anstrengend. Ich habe den ganzen Tag für den Basar gearbeitet. Die VIP-Liste verfasst, gezählt, ob wir genügend Preise für die dreitägige Tombola haben. Ich habe die Einkäufe in die Wege geleitet, damit die Frauen anfangen können zu kochen und die Rede verfasst, die ich zu unserem 25-jährigen Jubiläum im Stuttgarter Rathaus bei einer Matinee halten werde.

4.000 Falafel, etwa 80 Torten, Berge von Salat – wie bewältigen die WIZO-Frauen die Herausforderungen?
jontofsohn: Früher brachten die Damen Torten, Kuchen und Süßspeisen von zu Hause mit. Unsere Mousse au Chocolat war bei den Gästen hochgelobt. Heute wird alles in der Gemeindeküche zubereitet oder von glattkoscher produzierenden Unternehmen eingekauft. Die strengen Regeln haben die Basar-vorbereitungen nicht gerade vereinfacht.

Stimmen Input und Output noch? Erzielen Sie genügend Gewinn für Ihren Einsatz?
jontofsohn: Das ist schwer zu beurteilen. Natürlich hätten wir gern einen noch höheren Gewinn und arbeiten auch darauf hin.

Sie gehören zu den Basar-Frauen der ersten Stunde. Welche Motive hatten Sie, einen Basar zu organisieren?
jontofsohn: Die WIZO-Gruppe Württemberg wurde 1961 gegründet. Dann hatte Noemi Berger, die Ehefrau des früheren Landesrabbiners, die Idee, wir Frauen sollten etwas für Frauen und Kinder in Israel tun. Meine Familie war aktiv in der Gemeinde, die Kinder besuchten den Religionsunterricht. Es war für mich selbstverständlich mitzuarbeiten.

Vor 25 Jahren war die Württembergische Gemeinde noch sehr klein. Wie konnten Sie die Arbeit bewältigen?
jontofsohn: Wir brauchten Verstärkung. Noemi Berger gründete einen Freundeskreis. Ohne unsere christlichen Freunde hätte es keinen einzigen WIZO-Basar gegeben, weder den ersten noch den aktuellen. Und ohne die anderen Damen zu übergehen – Traute Peters greift seit 25 Jahren zu, wo es nötig ist.
Haben Sie heute noch genügend Frauen, die helfen?
jontofsohn: Wir sind 50 Helferinnen. Und das sind eindeutig nicht genug, um diese Knochenarbeit so leisten zu können, dass sich jede Einzelne nicht übernimmt. Viele Damen sind älter oder gar alt geworden und können nicht mehr helfen. Es ist uns bisher nicht gelungen, eine WIZO-Aviv-Gruppe zu gründen, um die Nachfolge zu sichern.

Seit 25 Jahren heißt es alljährlich »Einkaufen wie in Israel«. Hat sich an dem Leitmotiv etwas geändert?
jontofsohn: Nein. Damals wollten wir einen Bogen zwischen Israel und Deutschland spannen, israelische Produkte wie zum Beispiel Wein und Früchte bekannt machen.
Und heute? Inzwischen sind Sharonfrüchte, Avocados und Granatäpfel in jedem Supermarkt zu kaufen. Interessieren sich die Besucher überhaupt noch dafür?
jontofsohn: Doch, sehr. Es gibt immer noch Besucher, die fragen, wie man eine Avocado isst oder was man mit Granatäpfeln macht.

Aus einem Basar mit wenigen Tischen hat sich ein Riesenevent entwickelt. Werden Sie auch von den russischen Einwandererfrauen unterstützt?
jontofsohn: Nicht sehr gut. Grund dafür sind die zum Teil erheblichen Sprachprobleme der Älteren. Sie verkaufen selbstgefertigte Handarbeiten am Integrationsstand. Die Jüngeren sind beruflich eingespannt, sie nehmen sich kaum Zeit für ein Ehrenamt.
Der WIZO-Basar ist fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt. Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und den Kirchen kamen. Ist heute der Zuspruch immer noch so groß?
jontofsohn: In den vergangenen Jahren kamen immer weniger Besucher, und die Sponsoren für die Tombola halten sich inzwischen auch eher bedeckt. Wir bekommen auf diese Weise die Auswirkungen der Finanzkrisen ebenfalls zu spüren. Wir freuen uns, dass nach wie vor Schulklassen kommen. Sie nutzen den Basar, um das Judentum kennenzulernen. Bei uns kann man Hora tanzen, sich durch die Synagoge führen lassen, jüdische Speisen genießen und merken, dass Juden ganz normale Menschen sind. Schön ist auch, wenn Diakonissen und Nonnen aus der Nachbarschaft bei uns ihren Wein einkaufen.

Nach dem Basar heißt vor dem Basar: Wie weit im Voraus planen Sie?
jontofsohn: Schon im Juni war ich im Beth Heuss, das wir seit Jahren mit rund 30.000 Euro Basareinnahmen unterstützen. Einen Teil des Schmucks, den wir auf dem Basar verkaufen, brachte ich damals mit. Die Analyse des jeweils aktuellen Basars muss bis Anfang Dezember abgeschlossen sein. Alles, was wir tun, muss effektiv sein. Die Frauen und Kinder in Israel brauchen dringend unsere Unterstützung.

Mit der WIZO-Aktivistin sprach Brigitte Jähnigen.

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