rhetorik

Alles gesagt in 7 Minuten

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Israelische Studenten bei der Debattier-EM in Berlin

von Anke Ziemer

Anat, Ori und Dinah reden gern. Und sie reden gut. Dafür sind sie international bekannt. Die Studenten aus Haifa treffen sich im Debattierklub ihrer Universität zum Schlagabtausch: Ist die Ehe eine überkommene Institution? Sollen Drogen legalisiert oder Strafgefangene bei guter Führung vorzeitig entlassen werden? »Dabei geht es nicht ums einfache Ja oder Nein«, erklärt Anat. »Es gibt immer zahlreiche Aspekte, die dafür oder dagegen sprechen. Das habe ich inzwischen gelernt.« Anat, Ori und Dinah vertreten daher in den Streitgesprächen nicht unbedingt ihre persönliche Meinung. Sie entscheiden per Los, ob sie die Pro- oder die Contra-Seite übernehmen. Ihr Ziel ist, mit vielen und guten Argumenten das zu überzeugen. »Man muß auf die Bühne gehen und klar strukturiert über ein Thema sprechen, mit dem man sich zuvor vielleicht noch nie beschäftigt hat«, sagt Ori. »Mich reizt an der Debattierkunst vor allem die intellektuelle Herausforderung.«
Ähnlich wie in einem Parlament streiten auch in den Debattierklubs je vier Redner als Regierung und Opposition über aktuelle Fragen. Nach 15 Minuten Vorbereitungszeit muß jeder Redner in sieben Minuten seine Argumente darlegen. Am Ende entscheidet eine Jury über den Gewinner. Während an den englischen Universitäten die demokratische Streitkultur seit dem 19. Jahrhundert gepflegt wird, kam sie in Israel erst vor rund zehn Jahren auf – doch in dieser kurzen Zeit hat sich eine lebendige Szene etabliert, die inzwischen international anerkannt ist. Auf der Rangliste des World Debating Council befinden sich unter den ersten 100 universitären Debattierklubs vier israelische. Die Hebräische Universität Jerusalem belegt Platz 28, Haifa Rang 55. Der beste deutsche Klub ist 107.
Bei der Europameisterschaft, der European Universities Debating Championship (EUDC 2006), die vom 23. bis 27. März in Berlin stattfand, stellte Israel mit rund 50 Teilnehmern aus sieben Universitäten die drittgrößte Delegation. »Vor denen muß man sich in acht nehmen«, warnten zwei Prager Studenten zu Beginn des Turniers. »Israelis schaffen es meist bis ins Finale.«
Gut trainiert und mental bestens vorbereitet gingen Ori und Dinah an den Start und stritten für die Abschaffung des Internationalen Gerichtshofs. Doch ihre Hoffnung schwand schon nach der ersten Runde. Auch die anderen israelischen Teams. schieden nach den Vorrunden aus, sehr zum Erstaunen von Anat, die bereits einmal zur weltbesten und dreimal zu Europas bester Rednerin im Finale gekürt wurde. »Ich hatte mir eine bessere Plazierung erhofft«, räumte die 25jährige Philosophiestudentin enttäuscht ein. »Aber wir hatten in diesem Jahr einfach kein Glück.« Die Sieger kamen aus Oxford.
Neben solchen Titeln ist es ein Ziel der isralischen Debattierklubs, möglichst vielen Mitstreitern Kontakt zu ausländischen Studenten, und so das gegenseitige Verstehen ermöglichen. »Daher bestehen unsere Delegationen nicht nur aus erfahrenen Debattierern, sondern immer auch aus Neulingen«, sagt Anat. »So können möglichst viele Studenten ihre Kommunikationsfähigkeiten entwickeln und dann in die israelische Gesellschaft tragen.«
http://debate.haifa.ac.il; www.euros2006.com

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