Feiertage

A lichtigen Chanukka!

Die Kerzen offenbaren ein verborgenes Licht. Foto: imago

Feiertage

A lichtigen Chanukka!

Der bekannteste jüdische Feiertag ist Chanukka. Doch was bedeutet der Name eigentlich, was ist der Ursprung davon, und was kann er uns über die Bedeutung des Lichterfestes lehren?

von Rabbiner Avraham Radbil  22.12.2022 07:20 Uhr

Der wohl bekannteste jüdische Feiertag ist zweifelsohne Chanukka. Doch was bedeutet der Name eigentlich, was ist der Ursprung davon, und was kann er uns über die Bedeutung des Lichterfestes lehren?

Die wohl häufigste und bekannteste Erklärung des Namens Chanukka, die unter anderem von Kol Bo, Tur und Abu­draham angeführt wird, ist, dass der Name dem Feiertag als Gedenken an eine historische Begebenheit verliehen wurde, denn die jüdischen Kämpfer ruhten – »chanu« (die ersten drei Buchstaben des Wortes »Chanukka«) – von ihren Kämpfen gegen die syrisch-griechischen Besatzer am 25. Tag des jüdischen Monats Kislew. Die Zahl 25 wird auf Hebräisch mit den Buchstaben Chaf und Hej geschrieben — was die letzten zwei der fünf Buchstaben des Wortes »Chanukka« sind.

Eine andere Erklärung des Namens ist, dass das hebräische Wort »Chen« (also die ersten zwei Buchstaben des Wortes »Chanukka«) auf Hebräisch »Gnade« bedeutet. Somit könnte Chanukka auf die jüdischen Krieger anspielen, die die g’ttliche »Gnade« am 25. Kislew fanden. Diese Erklärung wird von Noam Elimelech angeführt.

ALTAR Der Maharscha (Rabbiner Schmuel Edels) schreibt, dass der Name im Zusammenhang mit der Einweihung (»Chanukka«) des Altars, des Herzstückes des Heiligen Tempels in Jerusalem, steht. So erfahren wir im Talmud (Avoda Zara 52b), dass die Hasmonäer die Altarsteine, welche die Griechen mit deren Götzendienst entweiht hatten, entfernten und lagerten. Die Hasmonäer bauten einen neuen Altar und weihten ihn ein. Deshalb wird das Fest »Chanukka« genannt, was aus dem Hebräischen übersetzt »Einweihung« bedeutet.

Der Name Chanukka bezieht sich auch auf die Einweihung des Zweiten Tempels, diese ereignete sich fast am selben Kalenderdatum (siehe Buch Chaggai 2,18).

Wegen dieser Weihe des Zweiten Tempels wurde das Wunder der Lichter, das sich in dieser Jahreszeit einige Generationen später ereignete, als Chanukka bezeichnet. Diese weitere Erklärung wird von Rabbiner Jacob Emden erwähnt.

STIFTSZELT Der Schibbolej Haleket schreibt, dass der Name auch an eine andere Einweihung erinnert. Diese fand ebenfalls ungefähr am 25. Kislew statt, denn an jenem Tag wurden die Arbeiten am Mischkan, dem übertragbaren Stiftszelt, während der 40-jährigen Wüstenwanderung abgeschlossen.

Obwohl die Arbeiten an dem Stiftszelt im Kislew abgeschlossen waren, wurde es nicht in diesem Monat eingeweiht. Denn wie der Midrasch wohl berichtet, wollte G’tt die Freude über die Einweihung des Stiftszeltes mit dem Monat Nissan – dem Monat, in dem unser Vorvater Jizchak geboren wurde – vereinigen. Also hat G’tt (sozusagen) dem Monat Kislew »seinen Verlust zurückgezahlt«, und zwar mit der Chanukka, der Einweihung des Tempels durch die Hasmonäer.

Darüber hinaus ist dies genau der Grund, warum an Chanukka ausgerechnet der Toraabschnitt täglich in der Synagoge gelesen wird, der von den Opfergaben handelt, die von den Stammesfürsten bei der Einweihung des Tabernakels erbracht wurden (4. Buch Mose 7).

MASCHIACH Laut Bnej Yissoschar besagt die Kabbala, dass zur Zeit des Anzündens der Chanukkakerzen ein Teil des »Ohr Haganuz«, des großen verborgenen Lichtes des Maschiach, offenbart wird. Und deshalb heißt das Fest »Chanukka« – weil es eine spirituelle Vorbereitung (»Chinuch«) auf unsere und die für uns bestimmte Erlösung ist.

Wie wir sehen, gibt es sehr viele unterschiedliche Erklärungen zur Bedeutung des Namens Chanukka. Mögen diese uns ein besseres Verständnis für das wundervolle Fest bringen und die Freude, die wir empfinden, mit noch mehr Bedeutung und Sinn füllen. Chanukka Sameach, a lichtigen Chanukka!

Der Autor ist Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Konstanz und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD).

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