sportereignis

7.000 Athleten und ein Fest

Von Weitem sehen die beiden aus wie normale Touristen. Sie haben Handtücher über die Schultern gehängt, tragen FlipFlops und sind schon knusprig braun gebrannt. Einer von ihnen trägt einen Ball durch das Kfar Maccabiah, das Dorf der Makkabiade. Es ist ein Rugbyball mit blau-weißen Streifen.

aufwärmen Es ist der Vormittag vor der offiziellen Eröffnung der 18. Makkabiade in dem Tel Aviver Vorort Ramat Gan. Dort ist alles noch sehr ruhig. Die Fahnen mit dem offiziellen Logo flattern etwas lustlos im Wind. Und Ilan und Jonathan üben mit ihrem Rugbyball Pässe.
Jonathan ist 22 Jahre alt und spielt in der südafrikanischen Rugbymannschaft. Sein Blick ist konzentriert, er schmeißt den Ball mit einiger Wucht zu Ilan, Sicherheitsbeauftragter des südafrikanischen Teams. »Nicht so kraftvoll, Mensch«, ruft Ilan, aber Jonathan ist das egal, er grinst: »Ich bin voller Energie und freue mich auf heute Abend.« Dann werden über 7.000 Athleten in das ausverkaufte Nationalstadion in Ramat Gan kommen. Die Frage, die Jonathan am meisten interessiert, ist die, an welcher Stelle er mit seiner Delegation ins Stadion geht. Er schmeißt den Ball in die Luft und zappelt mit den Beinen: »Ich bin so aufgeregt!« Schon morgen hat seine Mannschaft das erste Spiel. »Mit Feiern nach der Eröffnung wird es leider nichts, aber wir sind ja auch hier, um Sport zu treiben.«
Das sehen zwei britische Sportler etwas anders. Fünf Kilometer von Ramat Gan entfernt, im quirligen Tel Aviv, suchen sie sich gerade neue Turnschuhe aus. Würden sie nicht das weiße Makkabiade-Shirt tragen, man hielte sie für ganz normale Besucher. Die beiden sind 20 Jahre alt und spielen Fußball. Auch sie freuen sich auf die Eröffnung und vor allem auf die Party danach. Denn im olympischen Dorf lerne man am einfachsten Mädchen kennen. Überhaupt sind sie ganz begeistert von Tel Aviv. Es sei zwar unerträglich heiß, aber das mache nichts.
Im Precamp der deutschen Delegation, die mit 180 Teilnehmern nicht zu den kleinen gehört, hat sich Dieter Graumann eingefunden, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden. Er spricht zu den Sportlern und ist sichtlich ergriffen, welche Bedeutung die Makkabiade auch und gerade für Jugendliche hat.

klamotten Weit ab vom Kfar Maccabiah, in einem Geschäft auf der Tel Aviver Sheinkinstraße, langweilt sich derweil Maja. Sie ist Verkäuferin in einem Klamottenladen und kann über die ganze Makkabiade nur den Kopf schütteln. »Das interessiert doch keinen hier. Draußen in Ramat Gan vielleicht, aber siehst du denn etwas davon hier in der Stadt?« Sie hat recht, denn außer, dass am Flughafen einige Aufsteller mit dem Makkabiade-Logo stehen, ist in Tel Aviv von dem Sportereignis selbst nichts zu sehen.
Maja ist das alles egal. Sport oder nicht Sport. Makkabiade oder keine Makkabiade. »Die Stadt ist doch sowieso immer voll mit Menschen von überall her, warum also soll ich jetzt deswegen ausflippen.« Aber wenn es so viele Juden aus der Welt zusammenbringt, dann muss auch Maja zugeben, dass ihr die Idee fast gefällt.

warteschlangen Die Zuschauer, die an dem Eröffnungsabend vor dem Nationalstadion mehr oder weniger geduldig auf den Einlass warten, sind sich einig, dass diese 18. Makkabiade das wichtigste Ereignis in der Sportwelt ist. »Wir stehen hinter unserem Team«, sagt Yael, die mit ihrer ganzen Familie zur Eröffnungsfeier gekommen ist. Sie kann es kaum erwarten, die israelische Delegation, die als Gastgeber zuletzt ins Stadion kommt, anzufeuern. »Wo sonst versammeln sich Juden aus aller Welt, um sich im Wettbewerb miteinander zu messen? Nur hier!« Yael trägt eine israelische Fahne, wie fast alle hier.
Weiter hinten in der Schlange singen sich gerade Fans der spanischen Mannschaft warm. »Wir holen Gold«, sagt Adrian. »Worin, das ist mir egal.« Spanien soll gewinnen. Das wünschen sich auch Hector Bokobza und Maurice Benayoun für ihre Mannschaften. Die beiden sind zwei alte Hasen in Sachen Makkabiade. Für Benayoun, Leiter der französischen Delegation, ist es die vierte Makkabiade. Für seinen Kollegen Hector ist es die zehnte. »Viel hat sich in Sachen Sport verändert«, sagt er. »Das Niveau ist viel höher geworden.« Aber einiges sei auch völlig gleich geblieben. »Die Unterkünfte sind noch genauso schlecht wie vor ein paar Jahren«, sagt Benayoun. »Nicht für die Verantwortlichen, aber für die Sportler.« Benayoun beklagt sich, dass die Trainingsorte viel zu weit weg von den Austragungsorten seien. Und dass das keinen wirklich interessiere. »Aber die Mischung aus Strand, Sport und Kultur ist sehr gut«, sagt er auch. »Das weckt den olympischen Geist.«
Der ist am Abend dann nicht nur vor dem Stadion zu spüren, sondern vor allem drinnen. 25.000 Zuschauer hören der Rede von Premierminister Benjamin Netanjahu zu und sehen neben einem kurzen, aber schönen Feuerwerk ein Programm, für das die Organisatoren richtig in den Farbtopf gegriffen haben. Von der deutschen Delegation wird der junge Fußballer Jonathan Lehrmann im Rollstuhl hereingefahren – er hat sich im Spiel gegen Kanada den Knöchel verstaucht. Vor ihm gehen die deutsche Fahnenträger: Beate Simonsen, eine Tennisbetreuerin, hält die Deutschlandfahne, der Fußballtrainer David Blau schwenkt die Fahne von Makkabi Deutschland. Auf den Rängen fallen die deutschen Fans auf: »Die haben mächtig getobt«, sagt Isaballa Farkas von Makkabi Deutschland, »das war schon sehr beeindruckend.«
Am Tag nach der Eröffnungsfeier gibt es dann aus deutscher Sicht schon die ersten Erfolge zu vermelden: Das Damenhockeyteam gewann 2:1 gegen Argentinien.

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