Bernard Madoff

150 Jahre Einsamkeit

von Eva Schweitzer

Im Morgengrauen sammeln sich die ersten Menschen vor dem Bundesgericht in Manhattan. Stunden später sollte Bernard Madoff hier ein Geständnis ablegen. Es warten Reporter, aber auch Opfer des Milliardenbetrügers.
Endlich kommt er, mit Anwalt, ohne Ehefrau, und gesteht. Und bittet um Entschuldigung. Als er mit dem Betrug anfing, habe er gedacht, er könne damit bald wieder aufhören – das sei ihm nicht gelungen. Dann wird Madoff abgeführt, in Handschellen, er wird ins Metropolitan Correction Center gesperrt. Flugs legen seine Anwälte Einspruch ein. Der Banker solle bis zum Urteil im Juni wieder sein Penthouse an der Upper East Side beziehen dürfen.
Seine Opfer sehen das anders. Adriane Biondo aus Los Angeles weint vor Wut. Ihre Verwandten, alles ältere Leute, seien krank vor Angst, Madoff habe »120 Jahre Arbeit vernichtet«. Elie Wiesel, der Holocaust-Überlebende, der 15 Millionen Dollar mit Madoff verlor, meint, der sei »böse«, ein »Verbrecher«, und er solle sich in einer Einzelzelle Bilder seiner Opfer ansehen müssen. Senatorin Loretta Weinberg aus New York, die alle Ersparnisse loswurde, will, dass er bei Wal-Mart Türöffner wird. Hingegen meint Hadassah-Chefin Nancy Falchuk, die mit Madoff 90 Millionen Dollar Verlust machten, sie tue einfach so, als existiere er nicht mehr.
Madoff hat fast 5.000 Anleger um insgesamt 65 Milliarden Dollar betrogen – mit einem Schneeballsystem, in dem vermeintliche Gewinne mit neuen Einlagen finanziert wurden. Mit Renditen von bis zu 46 Prozent lockte der frühere Nasdaq-Chef. Und mit Exklusivität: Madoff nahm nur Klienten, die eine Viertelmillion übrig hatten und die er persönlich kannte: Aus seinem Golfclub in den Hamptons, dem Palm Beach Country Club in Florida, wo die Mitgliedschaft Zehntausende Dollar kostet oder aus der Fifth Avenue Synagoge in Manhattan. Allein die Mitglieder der Synagoge verloren mehr als zwei Milliarden Dollar, darunter Wiesel und der Daily-News-Verleger Mortimer Zuckerman.
Die Liste von Madoffs Opfern klingt wie das »Who’s Who« der amerikanisch-jüdischen Elite: Die DreamWorks-Gründer Steven Spielberg und Jeffrey Katzenberg gehören dazu, der Finanzier Mark Rich und der frühere New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer, Senator Frank Lauterberg, Larry Silverstein, der Pächter des World Trade Centers, sowie Promis wie Zsa Zsa Gabor und Larry King. Jüdische Kultur- und Wohlfahrtsorganisationen – von der Picower Foundation, die das Holocaust Museum unterstützt, bis zum American Jewish Congress – verloren insgesamt 1,5 Milliarden Dollar. Auch Europäer vertrauten Madoff ihr Geld an: etwa Liliane Bettencourt von L’Oréal, die spanische Bauerbin Alicia Koplowitz und Sonja Kohn, Chefin der österreichischen Medici Bank.
Madoff selbst ist nicht verarmt: Gerichtsdokumenten zufolge besitzt er noch Aktien und Immobilien im Wert von 826 Millionen Dollar, darunter Häuser in New York, den Hamptons, Florida und an der Côte d’Azur, einen Privatjet, Yachten und Juwelen sowie zwei Nobelautos. Auch Madoffs Frau Ruth hat 65 Millionen Dollar auf dem Konto. Die allerdings, meint sie, hätten nichts mit ihrem Mann zu tun. Aber die Ermittler haben durchaus die Familie im Visier. Denn seine beiden Söhne und sein Bruder arbeiteten ebenfalls bei Bernard L. Madoff Investment Securities. Madoff aber besteht darauf, dass die von den Betrügereien nichts mitbekommen hätten. Der 70-Jährige hat nun bis zu 150 Jahre Gefängnis zu erwarten.

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026