EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 56 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 48 Sitze.

Schoa-Überlebende

15 Euro pro Monat

Empörung herrscht unter den Schoa-Überlebenden in Israel. 2.500 Demonstranten formierten sich am vergangenen Sonntag vor der Knesset, um mit dem »Marsch der Lebenden« zum Amtssitz des Staatschefs gegen die Renten-Pläne von Regierungschef Ehud Olmert zu protestieren. Olmert hatte verkündet, den etwa 250.000 in Israel lebenden Opfern des Nationalsozialmus eine Zusatzrente von gerade mal 83 Schekel (rund 15 Euro) im Monat zahlen zu wollen. Die niedrige Summe hatte un-
ter den Betroffenen und in weiteren Kreisen der Öffentlichkeit Entrüstungsstürme ausgelöst.
»Warten die etwa, bis wir alle gestorben sind?«, fragt empört Jenny Rosenstein, während sie sich auf ihre Gehhilfe aus Aluminium stützt. »Für das lächerliche Geld im Jahr kann ich mir weder eine Brille noch Ersatzzähne beschaffen«, klagt die Frau aus der Ukraine. Sie war bei Kriegsende acht Jahre alt. »Als ich sechs war, haben die Nazis vor meinen Augen meiner dreijährigen Schwester mit einer Axt den Kopf geborsten. Ich habe Prügel und Erniedrigungen erlitten, die ich mein ganzes Leben mit mir herumtrage.« Die Frau, die heute in Jerusalem lebt, bezieht eine Rente, die weit unter der offiziellen Armutsgrenze liegt. »Der Staat hat uns vergessen und besonders die Behinderten und Kranken ihrem Schicksal überlassen.«
Insgesamt 660 Millionen Schekel (111 Millionen Euro) stellt die Olmert-Regierung den Holocaust-Überlebenden in Aussicht. Besonders die etwa 120.000 über 70-Jährigen sollen in den Genuss der Son-
derzahlung kommen.
Betroffene Organisationen schätzen die Zahl derjenigen, die in Armut leben, auf rund 60.000. Besonders schwer trifft es auch jene 150.000 Menschen, die seit Anfang der 90er-Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel eingewandert sind und denen keine Rente aus Deutschland zusteht. Viele leiden unter psychischen und körperlichen Behinderungen.
»Die Todesmärsche gegen Kriegsende sind uns heilig,« sagt Rosenstein. »Unser Leben heute ist uns aber noch heiliger.« Schmuel Reinusch, 70, hatte sich zwei gelbe Sterne an die Brust geheftet. Auf dem einem stand »Jude«, wie auf dem gelben Fleck, den die Nazis allen Juden aufzwangen, und auf dem anderen: »Verzeihung, dass ich noch lebe.« Der tägliche Marsch von Auschwitz nach Birkenau sei ihm leichter gefallen »als jetzt der Marsch zum Amt des Premiers«, sagte Reinusch.
Scharfe Kritik hatte sich Olmert bereits in der vergangenen Woche anhören müssen, als er seine Finanzhilfe mit den Worten ankündigte: »Wir wünschen, dass die Überlebenden des Holocaust ihren Lebensabend in Würde und ohne Not verbringen können.« Die Tatsache, dass Holocaust-Überlebende mit gestreiften Anzü-
gen und einem gelben Stern auf der Brust vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten demonstrierten, setzt Olmert unter Druck.
Der Premier beauftragte den Minister der Rentnerpartei, Rafi Eitan, einen Kompromiss zu suchen. Olmert will nach Angaben eines Regierungssprechers den neuen Plan in dieser Woche mit Vertretern der Holocaust-Überlebenden erörtern. Die Tageszeitung Jedijot Achronot meldete un-
terdessen, Kranken, Schwerbehinderten und Bedürftigen werde mit monatlichen Sofort-Zuwendungen zwischen 200 und 1.100 Euro geholfen. Dieses »Programm«, das bisher weder von der Regierung ratifiziert noch von den Überlebenden-Vereinen akzeptiert wurde, dürfte den Staat etwa 100.000 Euro kosten.
Ulrich W. Sahm mit dpa

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026