Medizin

Israelische Forscher entwickeln Schluckimpfung gegen Corona

Seit Anfang 2020 arbeiten Wissenschaftler am MIGAL-Institut bereits an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Foto: Flash90 2020

Kirjat Schmona ist eine 23.000-Einwohner-Stadt im äußersten Norden Galiläas. Bis zur libanesischen Grenze sind es von hier nur wenige Kilometer.

Der Name der 1949 gegründeten Siedlung bedeutet auf Deutsch »Stadt der Acht«. Er erinnert an den zionistischen Pionier Joseph Trumpeldor und sieben seiner Kameraden, die 1920 im nahen Tel Hai bei einem Gefecht mit schiitischen Arabern getötet wurden.

GALILÄA Jahrzehntelang war Kirjat Schmona vor allem dann in den Nachrichten, wenn die Raketen der Hisbollah aus dem Libanon dort niedergingen. Doch in den letzten Jahren und insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie ist dort auch ein Zentrum für angewandte Wissenschaftsforschung entstanden.

Zentraler Teil dieses Forschungsclusters ist neben dem Tel Hai College das MIGAL Galilee Research Institute - ein Tochterunternehmen der Galilee Development Company und damit dem israelischen Wissenschafts- und Technologieministerium untergeordnet. MIGAL wurde 1978 auf lokale Initiative hin gegründet, um der örtlichen Landwirtschaft bei der Bewältigung von Problemen zu helfen, die durch die groß angelegte Trockenlegung eines Sumpfes im Hula-Tal entstanden waren.

PARTNERSCHAFT Seitdem hat sich das Institut zu einem international anerkannten multidisziplinären Forschungszentrum entwickelt, das 44 Forschungsgruppen unterhält und 90 Doktoranden beschäftigt. Nach wie vor sieht man sich in der Verpflichtung gegenüber der lokalen Landwirtschaft. Seit 2018 haben das Tel Hai College und MIGAL offiziell eine Forschungspartnerschaft - die einzige ihrer Art in Israel.

Fieberhaft wurde in Kirjat Schmona - wie auch an rund 250 anderen Orten weltweit – an einem wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. Am Ende kamen andere Unternehmen wie BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson als erste mit hochwirksamen Präparaten auf den Markt, und Israel impfte seine Bevölkerung mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech und von Moderna.

WIRKSAMKEIT Doch der Forschung bei MIGAL und anderswo in Israel tat dies keinen Abbruch. Am Institut laufen aktuell Tests einer Schluckimpfung gegen Corona. Praxistests haben zwar noch nicht begonnen, und eine Marktreife des Präparats wird für dieses Jahr nicht mehr erwartet. Dennoch sind die Forscher optimistisch.

Im Juni legte die MIGAL-Tochter MigVax, wie das Projekt getauft wurde, die Ergebnisse vorklinischer Untersuchungen an Laborratten vor. Sie belegten die potenzielle Wirksamkeit des Präparats MigVax-101 als Antikörperbooster bei bereits geimpften Personen. Der Impfstoff soll alle Bereiche des körpereigenen Immunsystems ansprechen und im Blut, in den Schleimhäuten sowie den Zellen für einen besseren Schutz vor dem eindringenden Virus sorgen.

Ein Schluckimpfstoff soll erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Injektionsvakzinen bieten, da er zu Hause eingenommen werden kann. Im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech wäre das in Israel entwickelte Präparat zudem leichter zu transportieren und könnte im Kühlschrank gelagert werden.

VORTEILE Bei MigVax glaubt man, dass der Impfstoff auch deshalb gut ankommen wird, weil er sehr schnell an neu auftretende Varianten des Coronavirus angepasst werden kann. Die Proteinkomponenten seien zudem sehr stabil, was die Wirksamkeit über einen längeren Zeitraum hinweg erlaube, bevor eine Auffrischung notwendig werde.

Auch Impfskeptiker, so glaubt man in Kirjat Schmona, könnten womöglich besser erreicht werden, da das Präparat keine genetisch veränderten Komponenten enthält und nur auf Proteinen basiert. »Die Ergebnisse der Studie bestärken uns in unserer Zuversicht, dass unser oraler Subunit-Impfstoff MigVax-101 einen positiven Beitrag zu einer Welt leisten wird, die sich mit der neuen Realität nach der Pandemie auseinandersetzen muss«, so Itamar Shalit, Experte für Infektionskrankheiten bei MIGAL.

Orale Auffrischungsimpfstoffe würden es den Gesundheitsbehörden weltweit erlauben, aus dem »Panikmodus« herauszukommen und zu einer gewissen Routine im Pandemiemanagement überzugehen. Impfstoffe zum Schlucken könnten nicht nur Kosten senken, sondern auch die Reichweite der laufenden Impfprogramme erhöhen, glaubt Shalit.

GEFLÜGEL Ursprünglich hatte man bei MIGAL an einem Schluckimpfstoff gegen das Coronavirus bei Hühnern geforscht. Als Anfang 2020 das SARS-CoV-2-Virus beim Menschen auftauchte, beschloss man, sich auf die für den Menschen gefährliche Virusvarinte zu fokussieren. Die Herstellung eines Schluckimpfstoffs ist auch deshalb kompliziert, weil der Wirkstoff das Verdauungssystem passieren muss.

Das MigVax-Projekt ist nicht das einzige seiner Art in Israel. Das Unternehmen Oravax in Tel Aviv, bislang für seine Forschungen zu einer Insulinpille gegen Diabetes bekannt, kündigte schon vor ein paar Wochen Fortschritte in der Entwicklung seines Corona-Impfstoffs zur oralen Einnahme an und will demnächst in Israel Praxistests durchführen.

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die ebenso umstrittene wie vielfach kritisierte ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an

von Jana Ballweber  23.01.2026 Aktualisiert

Israel

Rischon Lezion wehrt sich gegen Bau eines Großgefängnisses

Die Stadtverwaltung kritisiert, dass die ausgewiesene Fläche inzwischen zu wertvoll sei, um sie für Haftanstalten zu nutzen

 23.01.2026

Tel Aviv

Frühere Hamas-Geisel Emily Damari macht Partnerin Heiratsantrag

In einem in sozialen Medien verbreiteten Video ist zu sehen, wie Damari in weißer Kleidung vor Amit niederkniet und ihr die Frage stellt

 23.01.2026

Davos

Kushner präsentiert 25-Milliarden-Dollar-Plan für Gaza

Laut dem Sondergesandten und Schwiegersohn des US-Präsidenten soll der Küstenstreifen bis 2035 ein Wirtschaftszentrum werden

 23.01.2026

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Nahost

Israelis verwirrt wegen Trumps Iran-Reden

Das Verteidigungsministerium in Jerusalem erhöht die Alarmbereitschaft der Armee

von Sabine Brandes  22.01.2026

Gazastreifen

Hamas will angeblich die Waffen niederlegen

Berichten zufolge hat die Terrororganisation mit den USA eine Vereinbarung getroffen, dass sie eine »politische Partei« werden kann

von Sabine Brandes  22.01.2026