Berlin

Soziale Teilhabe für alle

Die 11. Europäisch-Jüdische Wohlfahrtskonferenz diskutierte Modelle der Inklusion

07.12.2017 – von Jérôme LombardJérôme Lombard

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Wie soll eine Gemeinde aussehen, in der sich jeder Einzelne willkommen und geschätzt fühlt? Diese wichtige Frage stand im Fokus der 11. European Annual Conference of Jewish Welfare, die vom 3. bis zum 5. Dezember in Berlin stattfand. Veranstalter der Tagung waren das European Council of Jewish Communities (ECJC) und das American Jewish Joint Distribution Committee (JDC).

An der Konferenz, die zum ersten Mal in Deutschland stattfand, nahmen rund 100 Vertreter jüdischer Gemeinden und Verbände aus 25 europäischen Ländern und den USA teil. Zentrale Themen waren die Inklusion von Menschen mit Handicap und die soziale Teilhabe von Senioren.

»Die hohe Teilnehmerzahl beweist, dass es ein großes Interesse an den Themen Inklusion und Integration in der jüdischen Wohlfahrtsarbeit gibt«, sagte Gabrielle Rosenstein, Mitorganisatorin der Konferenz und Präsidentin des Verbands Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF).

Der internationale Austausch, den die Konferenz jedes Jahr als Vernetzungsplattform ermögliche, sei für viele Teilnehmer der entscheidende Grund zur Anreise. »Die Konferenz fördert die Idee einer grenzübergreifenden europäisch-jüdischen Zusammenarbeit, die wir so dringend benötigen«, so Rosenstein.

ältere Menschen Mitveranstaltet wurde die Konferenz von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden ist. »Die jüdischen Wohlfahrtsverbände in Europa kümmern sich verstärkt um die Zielgruppe ältere Menschen, die auf Transferleistungen des Staates und auf die Unterstützung jüdischer Organisationen angewiesen sind«, sagte Aron Schuster, stellvertretender Direktor der ZWST.

Das in der Öffentlichkeit weit verbreitete Bild einer wohlhabenden jüdischen Gemeinschaft in Europa treffe nicht auf alle Länder und Gemeinden zu. Nicht nur in Osteuropa seien viele Gemeinden nach wie vor auf die Unterstützungsangebote der jüdischen Wohlfahrtsverbände angewiesen. »Die Tagung ist eine ideale Plattform, diese Herausforderung gemeinsam zu diskutieren und Lösungswege aufzuzeigen«, so Schuster.

In Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden tauschten sich die Konferenzteilnehmer über Ansätze der Inklusion in der jüdischen Wohlfahrt aus. Dabei ging es immer auch um die Frage, welche Erfolge bereits auf dem Weg zu einer inklusiveren Gesellschaft gemacht worden sind und auf welchen Gebieten noch Nachholbedarf besteht.

Jackie Kramer, Team-Managerin beim Londoner Verein Jewish Care, nahm bereits zum dritten Mal an der Wohlfahrtskonferenz teil. »Die Veranstaltung ist auf ganz verschiedenen Ebenen bereichernd für mich«, sagte die 43-Jährige.

Kramers Verein ist die größte jüdische Wohlfahrtsorganisation in London und der Region Südostengland. Allein in der britischen Hauptstadt betreibt die Organisation mehr als 70 soziale Einrichtungen und Altersheime. Mit ihren ambulanten Pflegeangeboten erreicht Jewish Care zusätzlich etwa 10.000 Menschen pro Woche.

»Mir ist es ein großes Anliegen, meine Erfahrungen als Sozialarbeiterin weiterzugeben. Auch freue ich mich über neue Impulse von Kollegen aus anderen Ländern«, sagte Kramer. Besonders gespannt war sie auf den Vortrag der Informatikerin Amanda Diston vom amerikanischen IT-Unternehmen Cisco Systems. Der weltweite Marktführer in den Bereichen Telekommunikation und Netzwerk ist seit Längerem für seine inklusive Unternehmensphilosophie bekannt.

Diston stellte die zentralen Punkte ihres Inklusionsmodells am Arbeitsplatz vor. »Es sollte für ein Unternehmen oder eine Gemeinde entscheidend sein, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder mit seinem Lebensentwurf und seiner Persönlichkeit akzeptiert fühlt«, erläuterte Diston. Sowohl Manager als auch Gemeindevorsitzende müssten die gesellschaftlichen Realitäten anerkennen, um eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts zu schaffen. Diese könne Inklusion erst ermöglichen. »Familien bestehen heutzutage nicht immer nur aus Mann, Frau und Kind. Inklusion bedeutet auch, alternative Familienkonzepte anzuerkennen und zu fördern«, so Diston.

Austausch Für Renaldas Vaisbrodas, den Geschäftsführer der jüdischen Gemeinden in Litauen, war die Konferenz ein spannendes Erlebnis. »Jedes Jahr kommen Menschen in einer europäischen Stadt zusammen, um sich über aktuelle Schwerpunkte in der sozialen Arbeit auszutauschen. Wir brauchen viel mehr solcher Treffen«, meint Vaisbrodas, der zum ersten Mal an der Konferenz teilnahm.

Bei ihm zu Hause in Vilnius bestehe zwar eine große Nachfrage nach den Angeboten von Wohlfahrtsverbänden, doch es gebe zu wenige Organisationen, die dem tatsächlich nachkommen könnten. »Wir wollen eine inklusivere Gemeinde werden, die für alle ihre Mitglieder entsprechende Angebote bietet«, so Vaisbrodas. Dafür sei man auf die Unterstützung und das Know-how der europäischen Partner angewiesen, erklärte er.

Nächstes Jahr will Vaisbrodas auf jeden Fall wieder an der Veranstaltung teilnehmen. Der Anfahrtsweg dürfte für ihn dann kürzer sein. Denn 2018 soll die jüdische Wohlfahrtskonferenz in Tallinn oder in Riga stattfinden.

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