Freiburg

Zweisprachig lesen

Neue Lesekooperation: Kinder der Paula-Fürst-Schule hören Myriam Halberstam zu. Foto: Michael Bamberger

Was haben eine jüdische Gemeinde und eine Stadtbibliothek gemeinsam? In Freiburg immer mehr. Die orthodoxe Jüdische Gemeinde und die Freiburger Stadtbibliothek wollen künftig regelmäßig gemeinsame Lesungen anbieten. So wie kürzlich bei einem Besuch von Myriam Halberstam, der Gründerin des jüdischen Kinderbuchverlags Ariella und Autorin des Buchs Ein Pferd zu Channukka. Bei ihrer Lesung tauchten 23 Zweitklässler in der Stadtbibliothek tief in die Geschichte von Hannah und ihrem Chanukkapferd ein.

»Wann geht’s weiter?« Zwar hat der Junge, der vor Halberstam steht und nach ihrer zweiten Lesung an diesem Tag fragt, keine Zeit, um nachmittags bei der Jüdischen Gemeinde vorbeizuschauen, wo die Buchautorin noch einmal vorlesen wird. Doch dafür ist Irina Katz in die Stadtbibliothek gekommen, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Geschenke Sie verteilt Chanukka-Geschenke an die Mädchen und Jungen der privaten Paula-Fürst-Schule: Es gibt koschere Schoko Cornflakes und hölzerne Dreidel für alle, natürlich kombiniert mit Erklärungen für die Kinder, von denen keines jüdisch ist – darüber, was »koscher« bedeutet, und was die Buchstaben auf dem Dreidel für eine Funktion haben.

Paula-Fürst-Schule, Stadtbibliothek, Jüdische Gemeinde: Diese Kombination ist nicht zufällig. Seitdem sich die Freiburger Gemeinde einen Aufbruch und die Suche nach neuen jüdischen Identitäten vorgenommen hat, wächst die Bedeutung von Kooperationen. Die Gemeinde will sich öffnen. Mit dem Jugendhilfswerk, dem Träger der Ganztagsschule mit Grund-, Realschul- und Gymnasialzweig, wird eine jüdische Kita für jüdische und nichtjüdische Kinder geplant, und mit der Stadtbibliothek sollen dauerhaft gemeinsame Veranstaltungen stattfinden.

kontakte Den Auftakt bildete eine Lesung von Olga Grjasnowa aus ihrem Buch Der Russe ist einer, der Birken liebt bei den ersten Freiburger Kulturtagen im Herbst. Bei Elisabeth Willnat, der Leiterin der Stadtbibliothek, waren die Pläne der Gemeinde sofort auf offene Ohren gestoßen. Als eines Tages die Kulturreferentin des nahe der Stadtbibliothek gelegenen Gemeindezentrums nach Hilfe bei der Digitalisierung der kleinen Bibliothek der Gemeinde fragte, entstanden die ersten Kontakte.

Künftig sollen die Bücher aus dem Gemeindebestand ins digitale Verzeichnis der Stadtbibliothek aufgenommen werden. Vor allem aber planen Elisabeth Willnat und Irina Katz weitere Lesungen: Das nächste Ziel ist eine zweisprachige Reihe mit Werken russischer Autoren.

Die meisten der derzeit 750 Gemeindemitglieder stammen aus den früheren Sowjetrepubliken, die vielen Älteren unter ihnen hängen an der russischen Sprache, tun sich schwer mit dem Deutschen und leben zum Teil isoliert. Und sie sind der russischen Literatur verbunden, erzählt Irina Katz, bevorzugen Klassiker wie Leo Tolstoi, Anton Tschechow oder Fjodor Dostojewski.

Bilinguale Lesungen sind in der Stadtbibliothek nichts Neues, es wird regelmäßig in verschiedenen Sprachen für Kinder vorgelesen, die nicht mit dem Deutschen aufgewachsen sind. Doch für Erwachsene gibt es solche Angebote bisher nicht, sagt Elisabeth Willnat. Darum fände sie die Idee umso reizvoller. Vielleicht tauchen dann in Zukunft die Gemeindemitglieder auch sonst ab und zu in der Stadtbibliothek auf: Immerhin gibt es hier rund 200 russischsprachige Bücher zum Ausleihen.

Dresden

Gedenken an Pogromnacht

Nora Goldenbogen appelliert, Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten mahnend wachzuhalten

 10.11.2019

Konstanz

Neue Synagoge eingeweiht

Zentralratsvizepräsident Lehrer: »Zeichen für jüdische Zukunft«

 10.11.2019

Porträt der Woche

»Ich bin der Letzte«

Max Schwab ist Gemeindeältester in Halle und erlebte die Pogromnacht 1938

von Tobias Kühn  10.11.2019

Saarbrücken

Gegen alle Widerstände

Jahrelang kämpfte die Gemeinde für ein angemessenes Schoa-Mahnmal

von Lisa Huth  10.11.2019

Berlin

Gedenken im Gemeindehaus

Bundespräsident Steinmeier und der Regierende Bürgermeister Müller erinnerten an die Opfer der Novemberpogrome

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  09.11.2019

Halle

Jüdische Gemeinde wünscht sich Ruhe

Vorsitzender Max Privorozki: »Können kein normales Gemeindeleben mehr führen«

 09.11.2019