Buch

Wir in Münster

Vergangenheit und Gegenwart: Gemeindemitglieder erzählen von 69 Jahren jüdischer Nachkriegsgeschichte in Münster. Foto: mentis

Zwi Rappoport erinnert sich an die Einweihung der neuen Synagoge an der Klosterstraße. Damals war er 15 Jahre alt. Inzwischen feierte das Gotteshaus 2011 sein 50-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Westfalen erinnern sich viele Gemeindemitglieder an die Anfänge der Jüdischen Gemeinde Münster.

Entstanden ist daraus eine Jubiläumsdokumentation, die zum 75. Jahrestag der Pogromnacht erschienen ist. Prominent sind die Namen derjenigen, die an die Anfänge erinnern. Etwa Paul Spiegel sel. A., der beschreibt, wie schwierig es war, bei der kleinen Schar Überlebender in Münster am Schabbat einen Minjan zusammenzubekommen und sein Vater alles stehen und liegen ließ, um rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen.

Kinder Ruth Frankenthal berichtet von den Anfängen aus ihrer Sicht: »Für uns Kinder und Jugendliche, die wir in dieser Zeit unsere religiöse Erziehung erhielten, war es normal, dass wir in einer tief religiösen Atmosphäre aufwuchsen.« Günter Pelikan hingegen kämpfte als Soldat 1947 für die Befreiung Palästinas sowie 1956 im Suezkrieg und kam 1957 nach Münster.

Im selben Jahr ließ sich auch eine kolumbianische Familie in Münster nieder. Margarita Voloj erzählt, dass sie nicht nur die Sprache nicht verstand, sondern ihr auch noch »eingebläut« wurde, bloß nicht zu sagen, dass sie jüdisch sei. Sie empfand die Gemeinde als »kleine eingeschworene Gemeinschaft«, die sie vor den Vorbehalten der nichtjüdischen Bevölkerung beschützte.

Karina Hoensbroech kam 1973 aus Riga nach Münster. Als sie dem damaligen Vorsitzenden Siegfried Goldenberg und seiner Frau Else erzählte, woher sie kam, stockte ihnen der Atem. Goldenbergs Tochter Miriam war in Riga umgekommen.

Ehemalige Die Stadt lud 1991 ehemalige Münsteraner Juden ein. Ruth Frankenthal erzählt, wie sehr sie kämpfen musste, um deren Bedenken und Ängste, das Land der Täter zu besuchen, zu zerstreuen.

Aus der Sicht russisch sprechender Kontingentflüchtlinge erzählt Svetlana Gankin, dass sie bei aller Freude, nach Deutschland ausreisen zu dürfen, »keine Vorstellung davon (hatten), wie sich unser Leben verändern würde«. Angst und Bangen prägen ihren Abschied aus dem geliebten Czernowitz. Und die Gegenwart?

Samuel Schugal porträtiert den heutigen Gemeindevorsitzenden Sharon Fehr. 1986 kam Fehr aus Israel nach Münster und arbeitet beim Landgericht in der Bewährungshilfe. Der äußerst sportliche Vorsitzende fährt seit mehreren Jahren wettkampfmäßig Motorrad.

Das Buch beschreibt, manchmal mit Augenzwinkern, ein buntes jüdisches Leben. Orthodox, pragmatisch orthodox oder liberal, das jüdische Leben in Münster hat viele Gesichter. Das Selbstporträt gibt sie wunderschön wieder.

Sharon Fehr (Hrsg): »Erinnerung und Neubeginn. Die Jüdische Gemeinde Münster nach 1945«. mentis, Münster 2013, 309 S., 26,80 €

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Hilfe

Gestrandet in Deutschland

Viele Israelis wurden im Ausland vom Beginn des Krieges mit dem Iran überrascht. Sie finden Unterstützung bei der israelischen und jüdischen Gemeinschaft vor Ort

von Joshua Schultheis  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

Berlin

150 Rabbiner am Brandenburger Tor

Ein Fototermin setzt ein Zeichen: Rabbiner zeigen, wie jüdisches Leben heute Europa prägt. Was beim Treffen sonst noch auf dem Programm steht

 11.03.2026