Hamburg

Wahre Erlebnisse

Nathan Ben-Brith schrieb über sein Leben

von Gabriela Fenyes  12.10.2015 18:23 Uhr

Hamburger Selbstzeugnis von Nathan Ben-Brith Foto: Wallstein

Nathan Ben-Brith schrieb über sein Leben

von Gabriela Fenyes  12.10.2015 18:23 Uhr

»Am 9. November 2005, kurz vor meinem 82. Geburtstag und genau 67 Jahre nach dem von den Nazis organisierten antijüdischen Pogrom in Deutschland vom November 1938, bin ich endlich zu dem Entschluss gelangt, meine persönlichen Erlebnisse während der Nazizeit auch auf Deutsch niederzuschreiben«, notiert der gebürtige Hamburger Nathan Ben-Brith. Jetzt ist daraus ein Buch geworden, das er in Hamburg vorgestellt hat: Mein Gedächtnis nimmt es so wahr. Erinnerungen an den Holocaust.

Als Leonhard Nathan Bundheim wurde er 1923 als ältestes von fünf Kindern der Eheleute Ernst Elasar und Johanna Bundheim geboren. Sie »waren jüdische Orthodoxe und deutsche Staatsbürger von Geburt«. Leonard Nathan verlebte »eine glückliche Kinderzeit«. Trotz orthodoxer Erziehung wuchsen die Geschwister in einem modernen und liberalen deutsch-jüdischen Milieu auf. »Als Hitler 1933 zum Kanzler ernannt wurde, änderte sich die Situation der jüdischen Bevölkerung von einem Tag zum anderen ... unsere christlichen Freunde durften uns nicht mehr besuchen und Nachbarkinder nicht mehr mit uns spielen.« Der Vater wurde verhaftet.

Blackout »Diese Ereignisse müssen mit mir einen großen mentalen Schock, einen Blackout, ausgelöst, da ich von der ganzen Zeit fast gar nichts mehr erinnere«, notiert er. Leonard Nathan wurde mit drei seiner Geschwister auf einem Kindertransport nach Belgien geschickt. Die Mutter blieb mit der Tochter Rosel-Noa in Hamburg zurück, um ihren Ehemann aus der Haft freizubekommen.

Als 16-Jähriger wurde er doch noch interniert, deportiert, kam in Konzentrationslager, es folgten Todesmarsch und Überleben wider alle Wahrscheinlichkeit. Er schreibt: »Heute weiß ich, wie es damals war.« Das macht seine sachlich geschriebenen Erinnerungen zu einem eindrucksvollen Zeitdokument. Untermauert wird es durch Fußnoten und das faktenreiche Nachwort der Historikerin Inge Grolle.

Heute lebt Nathan Ben-Brith in Israel. Er kämpfte in der illegalen Hagana und wurde Berufssoldat. »Damit erreichte ich einen unvorstellbaren Höhepunkt: von einem zum Skelett abgemagerten, von den Nazis unterdrückten Muselmann wurde ich zum Verteidiger des unabhängigen jüdischen Staates.«

Nathan Ben-Brith: »Mein Gedächtnis nimmt es so wahr. Erinnerungen an den Holocaust« (Nachwort Inge Grolle). Reihe: Hamburger Selbstzeugnisse, Bd. 01, 21,90 €

Berlin

Wenn Kurt Weill auf die »Jewish Monkeys« trifft

Die Jüdischen Kulturtage Berlin laden vom 6. bis 18. November zu Konzerten, Theateraufführungen und Lesungen ein

 26.10.2021

Stuttgart

Josef Schuster: Bildung ist wichtigstes Mittel gegen Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrats der Juden nahm an einem Podiumsgespräch zum Auftakt der Jüdischen Kulturwochen teil

 26.10.2021

Thüringen

Die Gothaer Synagoge wird wieder sichtbar

Eine Video-Sound-Installation soll ab 27. Oktober an das 1938 zerstörte Gotteshaus erinnern

 25.10.2021

Emsland

Trauer um Erna de Vries

Die Zeitzeugin, die Auschwitz und Ravensbrück überlebte, starb am Sonntag – wenige Tage nach ihrem 98. Geburtstag

von Martina Schwager  25.10.2021

Porträt der Woche

Hauptsache gemeinsam

Inna Shames ist Sozialarbeiterin und gründete in Kiel ein interkulturelles Familienzentrum

von Gerhard Haase-Hindenberg  25.10.2021

Stuttgart

Viel los im Ländle

Jüdische Kulturwochen unter dem Motto »Jüdisches Leben in Deutschland: 1700 Jahre – und wie weiter?« werden eröffnet

von Brigitte Jähnigen  25.10.2021 Aktualisiert

Margot Friedländer

»Authentisches dreidimensionales Erleben«

Die Holocaust-Überlebende beteiligt sich als erste Zeitzeugin an einer neuen Doku-Reihe der Filmuniversität Babelsberg

 22.10.2021

Gedenken

»Papa! Sind abgeholt«

80 Jahre nach den ersten Deportationen erinnern Überlebende, Angehörige und Politiker am »Gleis 17« an die Schoa

von Joshua Schultheis  22.10.2021

Café Zelig

Geschützter Ort

Im Gemeindezentrum der IKG feierte der Treffpunkt für Schoa-Überlebende sein fünfjähriges Bestehen

von Helmut Reister  21.10.2021