Pantomime

Von der Kunst der Stille

Trat bei der Ausstellungseröffnung am Mittwoch vergangener Woche auf: Maria Ramer (M.) Foto: Daniel Schvarcz

Maria Ramer spielt auf einer unsichtbaren Querflöte, stößt mit einem Glas aus Luft an und ist plötzlich hinter einer nicht vorhandenen Wand gefangen. Ihr Gesicht ist weiß gefärbt, ein weißer Zylinder sitzt auf ihren weißen Locken, die Lippen sind rot geschminkt. Es ist unverkennbar, dass Ramer die Schülerin von Marcel Marceau war, einem der berühmtesten Pantomimen des 20. Jahrhunderts.

Bereits als Kind soll der Künstler lieber mithilfe von Gesten und Mimik kommuniziert haben als mit Worten. »Stille heißt nicht nur, dass nicht gesprochen wird. Stille heißt auch Tiefe, ich will die Menschen in der Tiefe berühren, in ihrer Seele«, wird Marcel Marceau zitiert. Aufgetreten ist er das erste Mal 1947 mit gestreiftem Oberteil, zerbeultem Seidenhut und roter Nelke als tragikomischer Clown Bip. 20 Jahre später fotografiert ihn Hubertus Hierl mit zwei Leica-Kameras.

shooting »Es musste schnell gehen«, erinnert sich Hierl, der damals nur drei Minuten Zeit für das Shooting hatte. Seine Aufnahmen zeigen Bip lachend mit aufgerissenen oder geschlossenen Augen, wie er an der Blume seines Zylinders schnuppert. Die Fotografien sind bis Ende März in der Ausstellung Kunst der Stille im Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatz montags bis donnerstags von 12 bis 19 Uhr zu sehen.

Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Hubertus Hierl von seiner Arbeit als Fotograf, wie er etwa Pablo Picasso vor der Kamera hatte, und von seiner Begegnung mit Marcel Marceau im Sommer 1967. Jahre später hatte er ihn noch einmal getroffen, im Jahr 2005. Anlässlich dieser Begegnung überließ Hierl ihm einige der Fotografien und erhielt im Gegenzug ein Autogramm auf einem der Bilder. »In tiefster Erinnerung«, so ist darauf noch heute zu lesen.

Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Hubertus Hierl von seiner Arbeit als Fotograf.

Etwa zur selben Zeit, in der diese Bilder entstanden, war Schauspieler und Schriftsteller Christian Berkel ein Kind und durfte zum ersten Mal Marcel Marceau auf der Bühne erleben. Seine Mutter hatte ihn zur Vorstellung gebracht und vorgewarnt, dass es ein etwas anderes Theater sein würde, als der Junge es bisher kannte. »Ich war fasziniert«, sagte Berkel im Gespräch mit der Publizistin Melissa Müller, die den Abend moderierte: »Ich kann mich erinnern, wie Bip Mohrrüben in einen Mixer steckte.«

rollen Er beschrieb, wie der Pantomime die Bewegungen kunstvoll herausarbeitete. Berkel hätte es so beeindruckt, dass er fortan in sämtliche Vorstellungen von Marcel Marceau ging: »Ich wusste lange Zeit nicht, dass er Jude ist. Er war jemand, der hinter seinen Rollen verschwindet – das vielleicht auch wollte.«

Berkel trug Texte vor, so beispielsweise Gespräche zwischen Marceau und Max Dax oder selbst geschriebene Erinnerungen des Künstlers, wie etwa die von einem zufälligen Treffen 1967 mit Marceaus Vorbild Charlie Chaplin am Pariser Flughafen, bei dem beide zusammen die Rolle des »Tramps« parallel nebeneinander spielten. Zum Abschluss des Abends las Berkel schließlich noch ein Kapitel aus seinem neuen Buch.

»Es ist ein Jubiläumsjahr«, sagte Ellen Presser, die Leiterin der Kulturabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die seit 40 Jahren Lesungen, Vorträge und Ausstellungen organisiert, in ihrer Begrüßungsrede. Im Rahmen der Jüdischen Filmtage und anlässlich des 100. Geburtstags von Marcel Marceau zeigt die IKG am 22. März den Spielfilm Résistance über die Jugendjahre des Künstlers während der Okkupation Frankreichs.

Die Schau »Kunst der Stille« im Jüdischen Gemeindezentrum ist bis 30. März jeweils Montag bis Donnerstag von 12 bis 19 Uhr geöffnet.

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