Karl-Alder-Musikwettbewerb

Virtuosen der Zukunft

»So gut klingt Zukunft«: Am vergangenen Sonntag ist in der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) der 12. Internationale Karl‐Adler‐Jugendmusikwettbewerb zu Ende gegangen. Nach einem zweitägigen Vorspielmarathon (der erste Vorspieltag fand am 10. Juni statt) hatte die international besetzte Jury die Aufgabe, die Preisträger aus nahezu 70 Teilnehmern zu benennen.

Die Stoßseufzer, die David Chen ausstößt, sind nicht zu überhören. »Schsch«, immer wieder »schsch« atmet der zehnjährige Pianist sich sein Lampenfieber aus dem schmalen Körper. Soeben hat der Schweizer mit einem anspruchsvollen Programm sein Debüt beim 12. Karl‐Adler‐Jugendmusikwettbewerb gegeben. Befreit schmiegt er sich an seinen Vater. Der nickt zufrieden. »Ja, es war gut«, sagt Vladimir Sverdlov‐Ashkenazi.

Fleiß Hofft David auf einen Preis? »Ja, natürlich, das hofft man immer«, antwortet der Vater, bevor er dem Sohn die Frage vom Deutschen ins Französische übersetzt. Vladimir Sverdlov‐Ashkenazi weiß, wovon er spricht. Er ist selbst Pianist, Komponist und Dirigent und musste ebenfalls die Stufen zum Erfolg mit Talent, Fleiß, Disziplin und Zielorientiertheit erklimmen, ehe er ein weltweit bekannter Künstler wurde. Das Talent allerdings, haben ihm und seinem Sohn offenbar die zahlreichen musikalischen Vorfahren in die Wiege gelegt.

Und so verkündet denn auch David mit jungenhaftem Charme: »Ich will berühmt werden, berühmt als Pianist.« Als Wettbewerbsprogramm hat David Chen den 1. Satz der Sonate in C‐Dur KV 545 von Wolfgang Amadeus Mozart und das Werk »Drei ländliche Tänze aus 17 deutschen Tänzen« von Franz Schubert mitgebracht.

Doch mit besonderer Innigkeit interpretiert er eine Komposition seines Vaters mit dem Titel »La Grand‐Mama«. Das Werk ist der vor wenigen Wochen verstorbenen Großmutter Davids, Elena Davydovna‐Ashkenazi, gewidmet.

ERbe Doch David hat nicht nur aus der Ahnenreihe der Väter, der Ashkenazis, »Musik im Blut«. Martha Argerich, die schweizerisch‐argentinische Pianistin, auch genannt »die Löwin am Klavier«, ist Davids zweite Grußmutter. Seine Mutter, Lyda Chen, ist eine bekannte Bratschistin. »David ist aber ein ganz normaler Junge, der nicht nur Klavier übt, sondern gemeinsam mit Freunden Fußball spielt«, erzählt sein Vater Sverdlov‐Ashkenazi lächelnd.

Der Karl‐Adler‐Jugendmusikwettbewerb ist zu einer festen Größe im jüdischen Kulturleben Stuttgarts geworden. Der dem in der Weimarer Zeit wohl bekanntesten und bedeutendsten jüdischen Musikwissenschaftler gewidmete Wettbewerb zog in diesem Jahr 68 Teilnehmer aus sechs Nationen nach Stuttgart. Zu ihnen gehörten nicht nur junge Künstler wie die Geigerin Miriam Abramovici aus Korntal, der Pianist Ofer Stolarov und der Cellist Eyal Heimann aus Israel, sondern auch sehr junge Teilnehmer wie die erst achtjährige Taisia Schuk (Violine) und die achtjährige Yael Yao (Klavier).

Dokumentation Kaum einen Moment bleiben die Kinder und Jugendlichen während ihres Vortrages, zu dem auch immer ein Werk mit jüdischem Bezug zählt, unbeobachtet. Fotografieren und Videos drehen gehören im digitalen Zeitalter ganz selbstverständlich zu einem Vorspiel dazu. Und natürlich das richtige Outfit: Vom Prinzessinnenkleid der Mädchen bis zum Lackschuh bei den Jungen ist alles zu bewundern. Nach ganz eigenen Kriterien aber bewertet die Jury den Auftritt der jungen Künstler.

Einen ersten Platz für hervorragende Leistung verlieh die Internationale Musikakademie dem Saxofonisten Michael‐Oliver Stemmer, dem Pianisten Alexander Promyslov und dem Duo Dana Bostedt (Violine) und Theresa Heidler (Piano). Alle jungen Künstler dürfen mit dem Orchester Nigun auftreten. Einen ersten Preis für außergewöhnliche Leistungen übergab die Jury schließlich dann doch auch David Chen, ebenso wie Alina Bakman (Piano).

Die gesamte Preisträgerliste ist über das Internet der IRGW zu erfahren. Ein erstes Preisträgerkonzert findet am Sonntag, 24. Juni, im Gemeindesaal der IRGW statt.

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