Nachruf

Trauer um Elena Solominski

Elena Solominski (1963–2024) Foto: Gustav Glas

Nachruf

Trauer um Elena Solominski

Nach einem Brand in ihrem Wohnhaus erlag die Autorin ihren Verletzungen

von Chris Meyer  23.06.2024 00:32 Uhr

Im April war Elena Solominski noch bei #Run4Lives in Düsseldorf vor Ort, doch nun ist die Schriftstellerin, Sozialwissenschaftlerin, Kuratorin, Initiatorin von mehreren sozialen Projekten und Mitarbeiterin des Vereins »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« (JLID) auf tragische Weise gestorben. Wie die Polizei Düsseldorf am 4. Juni mitteilte, erlag sie ihren schweren Verletzungen, die sie bei einem Brand in ihrem Wohnhaus erlitten hatte.

In der Nacht auf den 16. Mai erschütterte die schwere Explosion eines Kiosks und ein anschließend verheerendes Feuer das Haus in Düsseldorf, in dem sie wohnte. Neben ihren Freunden trauern ihre Eltern, beide Holocaust-Überlebende, die mit ihr in den 90er-Jahren nach Deutschland eingewandert waren.

»Der Tod von Dr. Lena Solominski ist unfassbar und die Umstände einfach entsetzlich. Ein Riesenverlust für die jüdische Gemeinschaft«, so Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Weiter sagt er: »Was ich an Lena sehr geschätzt habe, ist ihr umfassendes Wissen, ihre Fähigkeit, sich in Projekte mit enormem Elan einzuarbeiten, ihre kompromisslose Art, wenn es um die Sache ging, ihr großes Herz für viele Menschen in Not – ohne es an die große Glocke zu hängen – und ihr feiner Humor.«

Geboren wurde Elena Solominski 1963 in Kyiv. Dort promovierte sie in Philosophie, seit 1993 war Düsseldorf ihr Lebensmittelpunkt. Unter Solominskis Leitung standen unter anderem das »Deutsche Kulturjahr in Moskau« (2005) und das Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« (2021). Sie hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem die russischsprachige Biografie zu Jacob Teitel, einem Juristen und Gründer des Verbands russischer Juden in Deutschland: Jacob Teitel. Beschützer der Geflüchteten. Richter im Russischen Zarenreich und Vertreter der Öffentlichkeit in Deutschland sowie die deutschsprachige Ausgabe Helfen bedeutet Leben. Jacob Teitel und der Verband russischer Juden in Deutschland (1920–1935). Ihrem Einsatz war es zu verdanken, dass ein Berliner Park den Namen von Jacob Teitel trägt.

Es sei für sie eine Selbstverständlichkeit gewesen, 1993 eine Hilfsaktion für jüdische Kinder in Kyiv zu organisieren. 2022 gründete sie zusammen mit Frauen aus der Ukraine und Deutschland den gemeinnützigen Verein Jacob Teitel Akademie. So entstanden Projekte für Kinder und Erwachsene, ebenso arbeitet der Verein mit lokalen Kultur- und Bildungsinstitutionen zusammen. »Vernetzen und Begegnen war ihr Lebensmotto bei den Ausstellungspräsentationen, Vorträgen und Lesungen, die sie für die Jacob Teitel Akademie in ganz Deutschland durchführte«, sagt Regina Plaßwilm, ehemalige Geschäftsführerin des mittlerweile aufgelösten Vereins JLID. »Uns hat viel verbunden. Sie wird mir fehlen.« Zusammen haben sie auch die Akademie aufgebaut.

Für ihren Arbeitgeber, das Amt für Migration und Integration in Düsseldorf, organisierte Solominski ein »beeindruckendes Begleitprogramm mit viel Kunst und Kultur«, so Regina Plaßwilm zur Fußball-Europameisterschaft (Stadion der Träume). Am 9. Juli wird zu ihrem Gedenken der Ländertag Ukraine ausgerichtet.

»Ich erinnere mich auch an unser Gartenfest, wo Elena eine Fotoausstellung über die Architektur und Kultur der Sommerhäuser in Osteuropa organisiert hat. Ihre Kreativität, ihr Tun und Trachten waren grenzenlos, sogar privat. Wir hatten viel Gemeinsames: Herkunft, Schicksal, jüdische Kultur, Projekte. Ihr Weggehen ist unbegreiflich – es tut weh«, so Bella Liebermann.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat für bisher noch nicht gedruckte Werke von Elena Solominski ein Spendenkonto eingerichtet (IBAN: DE13 3005 0110 1006 0531 34).

Interview

»Alija machen ist wie vom Zehnmeterturm springen«

Sie haben Deutschland verlassen und sich für ein Leben in Israel entschieden. Was hat sie dazu bewogen? Ein Gespräch mit vier »Olim« über Zionismus, einen rastlosen Alltag und die Zukunft des Judentums in der Diaspora

von Joshua Schultheis  19.02.2026

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026