Gunzenhausen

Stricken gegen das Vergessen

Gunzenhausen ist heute ein idyllischer Urlaubsort im Zentrum der fränkischen Seenlandschaft, 45 Kilometer südwestlich von Nürnberg. Im März 1934 machte der Ort durch ein antisemitisches Pogrom unrühmlich von sich reden. Zusammen mit der SA drangen Bürger in jüdische Wohnungen ein, trieben ihre Bewohner ins Gefängnis und schlugen sie dabei krankenhausreif.

Zu dieser Aktion hatte Kurt Bär, SA-Führer des Ortes, aufgerufen. Er erschoss den jüdischen Gastwirt Strauß. Ein weiterer Gunzenhausener kam bei dem schlimmsten Pogrom vor der Novembernacht 1938 »unter ungeklärten Umständen« ums Leben, wie es später hieß. Viereinhalb Jahre später brannte auch in diesem mittelfränkischen Ort die Synagoge.

Mobiles Denkmal Den Juden ihres Heimatortes will die Künstlerin Stephanie Rhode ein Denkmal setzen. Am 4. und 5. Juni sollen dazu auf dem Marktplatz 490 Strickhäuser aufgestellt werden. Dazu mobilisiert die Künstlerin Strickerinnen aus Deutschland und den angrenzenden Staaten. Auf ihrer Website ist ihr Vorhaben auf Englisch, Französisch und Niederländisch nachzulesen.

Gestrickt werden die weißen Fassaden der etwa 40 Zentimeter hohen Häuser in einer Art Muschelmuster. Die Hüllen werden dann über Metallskelette gezogen und auf einen Grundriss von Blattgold gestellt. Nach zwei Tagen sollen die Häuser wieder weggenommen werden, die Goldfundamente verbleiben aber auf dem Gunzenhausener Marktplatz.

Die miteinander verbundenen Maschen des Strickwerks sollen die Verbundenheit mit den ermordeten Juden einerseits aber auch der Handwerkerinnen im gemeinsamen Gedenken symbolisieren, erklärt Rhode. Das Projekt soll fotografisch begleitet und die Bilddokumentation anschließend im Stadtmuseum des Ortes ausgestellt werden. Für die Umsetzung ihres Projekt sucht Stephanie Rhode noch Sponsoren oder Strickerinnen.

Wer das Handwerk nicht beherrscht oder zur aktiven Teilnahme keine Zeit hat, kann auch eine Patenschaft in Höhe von 100 Euro pro Haus übernehmen. Für die technischen Hinweise ist Kerstin Zels in Gunzenhausen zuständig: Telefon 09831/4102.

www.stephanierhode.nl

Monacensia

Münchner Schau zum Archiv von Rachel Salamander

Dem Jüdischen wieder Präsenz geben in der Gesellschaft: Das war das Ziel, das die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander mit ihrer Buchhandlung erreichen wollte. Nun wird ihr Archiv nach und nach erschlossen

von Barbara Just  11.05.2026

Jewrovision

»Wir eröffnen die ganze Sache …«

Unsere Autorin war bei den Proben des »Juze Emet Nürnberg. Am Echad Bayern« dabei. Nur über den Auftritt darf sie noch nichts verraten

von Katrin Diehl  11.05.2026

Porträt der Woche

Berlinerin mit Klartext

Lala Süsskind ist wie die Jüdische Allgemeine Jahrgang 1946. Sie war Gemeindechefin, WIZO-Präsidentin – und engagiert sich weiterhin

von Christine Schmitt  11.05.2026

Zentrum

Jüdische Präsenz

Mit der neuen Hauptsynagoge »Ohel Jakob« ist die jüdische Gemeinde ins Herz der Stadt zurückgekehrt

von Luis Gruhler  11.05.2026

Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe bezeichnet das Konzept der Partei als »feige« und spricht von einem »Feigenblatt«

 11.05.2026

Berlin

Gedenken zum ersten Todestag von Margot Friedländer

Zum ersten Todestag von Margot Friedländer gibt es auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkveranstaltung. Berlins Regierender Bürgermeister findet emotionale Worte zum Jahrestag

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Gedenken

»Beklemmende Aktualität«

Charlotte Knobloch und Josef Schuster sprachen zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau

von Vivian Rosen  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026