Militärrabbinat

»Spirituelles Herzstück«

Einweihung der neuen Räumlichkeiten des Militärrabbinats Foto: Gregor Zielke

Vier laute Klicks, nochmal vier, dann ist die große olivgrüne Kiste fest verschlossen. In ihr liegt, eingehüllt in den dunkelblauen Toramantel und gut gehalten von grauem Schaumstoff, die erste Torarolle des Militärrabbinats. Gerade noch wurde sie im Leo-Baeck-Haus vollendet, durch die Tucholskystraße getragen, begleitet von Musik und Gesang gefeiert. Zumindet für den heutigen Donnerstag hat sie ihren festen Platz erreicht. Wohin wohl ihre nächste Reise führen wird?

Mit der Übergabe der Torarolle sind somit die Räume der jüdischen Militärseelsorge in Berlin-Mitte eingeweiht. Bislang war das Militärrabbinat in einer Bundeswehrkaserne in Berlin-Köpenick untergebracht. Die amtierende Leiterin des Militärrabbinats, Monika Heimburger, sagte, mit dem Umzug in die Mitte Berlins werde die grundlegende Aufbauphase der jüdischen Militärseelsorge abgeschlossen.

Im Herbst kommt ein sechster Militärrabbiner

Was 2019 ganz sachlich mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags über die Einrichtung einer jüdischen Militärseelsorge in der Bundeswehr begann, sieht im Juli 2024 so aus: »Wir haben fünf Militärrabbiner, was sehr wichtig ist, sodass wir auch wirken können. Die fünf sind in unseren Außenstellen tätig und können jetzt in Kontakt zur Truppe treten«, betont Heimburger. Viele von ihnen konnten an der Eröffnung aber nicht teilnehmen, weil sie sich auf einer Einsatzausbildung befanden.

Die Pläne des Militärrabbinats stehen fest: Im September wird es einen neuen Militärrabbiner für den Standort Köln geben, und auch Rabbinerinnen könnten im Miltärrabbinat zukünftig arbeiten, betonte Heimburger.

Spätestens mit der Einführung Zsolt Ballas in das Amt des Militärbundesrabbiners im Juni 2021 wurde der Grundstein für eine neue Ära in der Seelsorge der Bundeswehr gelegt. Danach folgten die Militärrabbiner Konstantin Pal, Shmuel Havlin, Oleg Portnoy und im Juni Alexander Nachama. Sie sind seitdem für die Soldatinnen und Soldaten da, die seelischen Beistand benötigen.

Boris Pistorius vollendete die Tora

Wie sehr dieser Beistand von den Soldatinnen und Soldaten geschätzt wird, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, der nihct nur zur Toraeinbringung eingeladen wurde, sondern auch die letzten Buchstaben der Tora mit der Hilfe von Rabbiner Avichai Apel schreiben durfte.

Pistorius betonte, dass Soldatinnen und Soldaten im vertraulichen Gespräch mit den Militärseelsorgerinnen und Seelsorgern Rat und Zuspruch, und die unabhängige und vertrauliche Hilfe fänden, die oft die Last schmälern, die auf den Schultern unserer Soldatinnen und Soldaten ruhe. »Zuversicht zu vermitteln, ist eine der Kernaufgaben für die Militärseelsorge. Unabhängig von der Religion.« Die jüngsten Zahlen einer Studie zur Militärseelsorge würden beleigen, wie wichtig den Soldatinnen und Soldaten die seelsorgerische Begleitung sei.

Zentralratspräsident Schuster erklärte: »Die Verankerung des Judentums in der Bundeswehr ist eine Selbstverständlichkeit, aber auch um Selbstverständlichkeiten muss immer wieder gekämpft werden. Ich freue mich, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland einen Beitrag zur Entwicklung der Bundeswehr leistet.« Schätzungen zufolge gibt es rund 300 Juden und Jüdinnen unter den rund 180.000 Soldaten der Bundeswehr.

Zwei jüdische Soldatinnen und ein jüdischer Soldat stehen am Donnerstag neben der Reisekiste. Mit Freude uns Stolz blicken sie auf die Torarolle.

Auch Bundesmilitärrabbiner Zsolt Balla ist sehr stolz: »Die Tora«, sagte er »ist mehr als nur ein religiöses Artefakt. Sie ist ein lebendiges Dokument, das uns dazu auffordert, uns ständig zu verbessern und nach Weisheit zu streben.« Eine Torarolle sei nur dann vollständig, wenn kein einziger Buchstabe fehle. »Ebenso sind wir in unserer Gesellschaft aufeinander angewiesen, um in vollkommener Einheit zu funktionieren.«

Woauch immer sie hinreisen wird, in ihrer grünen Reisebox, eingefasst und geschützt von grauem Schaumstoff. Sie bleibt, wie es Zsolt Balla sagte, das »spirituelle Herzstück unseres neuen Zuhauses«. dpa/epd/kat

Lesen Sie dazu einen ausführlichen Bericht in unserer nächsten Printausgabe.

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