Tagebuch

Sonnenaufgang über Massada

30 junge Juden haben sich am 25. Juli zu einer elftägigen Tour durch Israel aufgemacht. Für die meisten war es die erste Reise ins Heilige Land. Was und wie sie es erlebt haben, schreiben sie in ihrem Reisetagebuch.

Erster Tag, 25. Juli
Am Frankfurter Flughafen treffen auch die Leute ein, die nicht beim Taglit‐Kennenlern‐Seminar dabei waren. Beim Check‐in bekommt jeder eine eigene Security‐Einstufung. Das bedeutet für die Teilnehmer mit dem Buchstaben »S« eine sehr gründliche Leibesvisitation mit allem, was dazugehört … typisch israelisch: Der Flug ist auch schon verspätet, aber das trübt die Stimmung nicht annähernd, ganz im Gegenteil. Den Höhepunkt des vierstündigen Fluges bildet eine Kissenschlacht, die selbst die hartgesottenen EL‐AL‐Stewards und Stewardessen beeindruckt.

Endlich in Israel angekommen, werden wir von abendlichen 30 Grad Celsius begrüßt. Nun geht es direkt zum Kibbuz, wo wir die Einweisung und die Zimmer bekommen, die einige bis spät in die Nacht noch suchen. Gespannt auf den nächsten Tag, gehen alle erschöpft auf ihre Zimmer.

MontstAAAA!!!! WIR sind in ISRAEEEL! HAMMA! GEIL!!
Hadassa Holzapfel, Dimitry Tartakowski

Zweiter Tag, 26. Juli
Endlich sind wir da, in Tel Aviv!!! Vom Kibbuz aus geht es direkt weiter nach Tel Aviv, an den Ort, an dem der Staat Israel 1948 ausgerufen wurde.

Nach dem Besuch der Independence Hall gehen wir zum Rothschild Boulevard, auf dem israelische Demonstranten gegen die schlechten Löhne und hohen Kosten im Land protestierten. Nach Pizza am Strand und einem ersten Sonnenbrand fahren wir nach Tiberias, in unser Hotel mit unvergesslichem Blick auf den See Genezareth.
Anastasia Bereznyakova

Dritter Tag, 27. Juli
Heute ist ein feucht‐fröhlicher Tag. Die Stimmung wird durchs Kajakfahren gelockert, und das wunderschöne Wetter hat auch das letzte Eis geschmolzen.

Es verleitet uns dazu, uns gegenseitig nass zu spritzen, auch muslimische Kajakfahrer machen mit. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, und den Tag runden wir mit einer Likörverkostung in der Nähe von Tiberias ab.
Natalie Redies, Valentina Medvedeva

Vierter Tag, 28. Juli
Heute waren wir in Tiberias und haben eine lange Wanderung in Nachal El Al im Golan, inklusive Wasserfalldusche, unternommen. Nachal El Al ist von einem Fluss durchzogen, der für eine artenreiche Vegetation sorgt. Hier wachsen auch Kaktusfeigen, die wir natürlich probieren. Das führt bei einigen zu Stacheln an diversen ungünstigen Stellen. Nach einem Besuch des Rothschild‐Parks erreichen wir die Hauptstadt Israels: Jerusalem!!! Einige sind bei ihrem ersten Besuch in der heiligen Stadt zu Tränen gerührt. Wir krönen diesen erlebnisreichen Tag mit einem Abstecher ins Nightlife von Jerusalem.
Marc Kaminski, Rita Tomasheva, Bogdan Skorokhodov

Fünfter Tag, 29. Juli
Heute durchstreifen wir Jerusalem das erste Mal bei Tage. Bevor wir in die Innenstadt fahren, besuchen wir das Israel‐Museum und sehen uns das Modell des alten Jerusalem an. Das ist sehr beeindruckend, weil man anhand dieser Miniatur den Aufbau und die Aufteilung der Stadt erkennen kann.

Danach schlendern wir durch die Altstadt, die uns durch ihre Architektur beeindruckt. Von dort geht es zur Kotel. Manche von uns haben sich vorher nicht viel mit unserer Religion beschäftigt, aber an der Mauer erfüllt uns ein sehr ungewohntes und faszinierendes Gefühl. Das wird noch lange nachhallen. Am späten Nachmittag hat der Schabbat begonnen, deswegen sind wir alle zusammen in die Synagoge gegangen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, weil man dort den Schabbat durch die erfüllte Atmosphäre, die Freude am Gebet und den aufrichtigen Glauben spüren kann. Anschließend haben wir alle zusammen gegessen und den Schabbat gefeiert.
Julia Flomina, Oleksandr Tokunov, Ganna Epshteyn

Sechster Tag, 30. Juli
In Jerusalem verleben wir einen ruhigen Schabbes. Endlich Zeit, Besuch von unseren Freunden und Verwandten zu bekommen oder einfach schöne, entspannte Stunden zu verbringen. Jedoch lernen wir dank Claude auch, dass »die Tora kein Micky‐Maus‐Heft ist«. Mit der Hawdala gelingt uns ein gemeinsamer Abschied von unserem einzigen Schabbes, den wir in Israel feiern. Ein absolutes Highlight aber ist für alle die atemberaubende »Sound and Light Show« im »Tower of David«, die die Geschichte Jerusalems erzählt. Zum Abschluss des Tages teilen wir uns in zwei Gruppen auf: in die »Shopper« und die »Genießer«. Denn ein Teil will den Abend an der Mamila‐Galerie verbringen, und der andere nutzt die Ruhe der Dunkelheit, um nochmals die Kotel zu sehen.
Igor Melkozerov, Liya Varshavskaya

Siebenter Tag, 31. Juli
Ein weiterer Tag in Jerusalem. Heute besuchen wir Yad Vashem. Die Gedenkstätte berührt uns emotional sehr. Besonders das Zeitzeugengespräch mit einer Freundin von Anne Frank ist sehr anrührend. Der anschließende Besuch des Herzlbergs erregt in uns einerseits ein Gefühl der Trauer, andererseits erfüllt er uns aber auch mit Stolz auf das jüdische Volk.

Zum Ausgleich zu den nachdenklichen Momenten machen wir danach eine coole Shopping‐Tour durch die Ben‐Yehuda‐ Street. Am Abend versuchen wir in einer gemeinsamen Runde, die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten. Nicht zu vergessen sind die nächtlich‐sportlichen Aktivitäten im Stile der israelischen Armee, die uns noch mal richtig aus der Puste bringen.
Alexandra Alexeewa, Alexander Shemyakin, Isabella Suchodreva

Achter Tag, 1. August
Durch die strenge Sicherheitskontrolle hindurch gelangen wir endlich in die Knesset. Jetzt weiß man auch, wo Benjamin Netanjahu seinen Tuches in den Stuhl schmiegt.

Am Abend erreichen wir das Beduinen‐Camp. Für uns alle wieder eine absolut neue und einzigartige Erfahrung. Außerdem gibt es dann den traditionellen Kampf zwischen »Esch« und der »Bejachad«. Dank der tüchtigen »Esch«-Gruppenmitglieder erobern wir als Siegertrophäe die Schale, die wir natürlich mit nach Hause nehmen dürfen. Um den euphorischen Sieg ausklingen zu lassen, begeben wir uns ehrfürchtig in die Wüste. Dort legen wir uns auf den Steinboden und schauen für Minuten hinauf zum sternenübersäten Himmel. Ein Moment der Stille, der es uns erlaubt, in uns zu gehen und unsere Gedanken zu sammeln. Die Tausenden Sterne, Wüste und Stille, das ist für einige von uns schon eine besondere und bedeutende Erfahrung.
Miles Breyer, Swetlana Nikiforova, Boris Lebedev

Neunter Tag, 2. August
3.30 Uhr, aufstehen. Was sich wie der Alltag eines Nachtwächters anhört, ist für uns Realität. Wir wollen den Sonnenaufgang auf Masada erleben. Und wir werden nicht enttäuscht. Weder von dem Anblick noch von der Geschichte und den Hintergründen dieser ehemaligen Festung. Nach dem Beduinenfrühstück folgt ein Beduinenkamelreiten, das ein wenig holprig vonstattengeht. Jedenfalls sind am Ende nicht alle Reiter sauber geblieben. Die darauffolgende Wanderung in Ein Gedi ist zwar ein wenig anstrengend, entschädigt jedoch durch eine überzeugende Erfrischung am Wasserfall. Das Highlight des Tages aber ist das Bad im Toten Meer. Dank seines 37‐prozentigen Salzgehalts lässt es sich darin eher schweben als wirklich schwimmen. Die Haut ist anschließend mit einer dünnen Schicht überzogen. Der Tag endet mit einer Busfahrt nach Tel Aviv und einem anschließenden Spaziergang an der Uferpromenade.
Igor Rudgartser, Mariya Obukhova, Elazar Soussan

Zehnter Tag, 3. August
Nach interessanten Informationen über Freiwilligenprogramme in Israel und Möglichkeiten, in Israel zu studieren, pflanzen wir einen Baum! Einen Baum für Israel!!!! Wow!!!!! Den Abend verbringen wir alle gemeinsam am Strand von Tel Aviv. Wir kopieren die Madrichim und die Madrichim uns.

Elfter Tag, 4. August
Mit dem Wissen, dass der letzte Tag des Taglit‐Programms angebrochen ist, steigen wir in den Bus ein. Die Koffer sind zum letzten Mal gepackt und im Bauch des Busses verstaut. Wir fahren zum Tel Aviver Flohmarkt, um die letzten Einkäufe von Mitbringseln und Erinnerungsstücken zu tätigen. Die Gerüche und Geräusche, die Menschen und das Flair berauschen. Anschließend fahren wir weiter nach Jaffa und bestaunen nun aus der Distanz unsere Residenz und den Strand, an dem wir gestern noch so viel Spaß hatten. Dann folgt eine Abschlussrunde, ein gemeinsames Gruppenfoto und schon sitzen wir im Bus zum Flughafen.

Herzlich verabschieden die Taglit‐Reisenden ihre Madrichim: den Gruppenleiter Zeev, die Madricha Aya, den Reiseführer Claude, unseren Shomer Dror und auch den verrückten Busfahrer Moische. Gabriel bleibt als einziger Madrich bei uns und begleitet uns zurück nach Deutschland. Am Frankfurter Flughafen angekommen, wird uns der Abschied von den anderen Taglit‐Teilnehmern schwer.

Vor elf Tagen kannten wir uns noch nicht, bei der Reise sind wir in Israel zu einer Gruppe zusammengewachsen. Wir tauschen Telefonnummern aus und geben uns das Versprechen, dass wir uns bald wiedersehen und Fotos ansehen wollen. Nun liegt es an jedem Einzelnen, seine Israel‐Erfahrungen und -Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen, damit den Worten auch Taten folgen.
Oleg Tartakowski

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