Frankfurt

Seit 65 Jahren ein Paar

Silberne, goldene, diamantene Hochzeitstage sind einigermaßen bekannt. Die Silberne erscheint dabei vergleichsweise einfach erreichbar, aber 50 oder gar 60 Jahre zusammen durchs Leben zu gehen, mag vor allem jüngeren Menschen kaum vorstellbar sein. Die Eheleute Franja und Leo Gatterer legen nochmals fünf Jahre drauf. Sie sind 65 Jahre verheiratet und feierten ihre sogenannte eiserne Hochzeit. »Einen Begriff im Jiddischen habe ich dafür nicht gefunden«, sagt Tochter Rachel Singer. Die WIZO-Frau aus Frankfurt ist erstaunt, dass das Datum sogar Bundespräsident Wulff zu Ohren gekommen ist. Er sandte einen Glückwunschbrief an das eiserne Ehepaar.

Am vergangenen Sonntag feierten Leo und Franja Gatterer ihren 65. Hochzeitstag im Kreis der Familie. Zum festlichen Mittagessen waren die drei Töchter Ruth Gatterer, Rachel Singer und Anette Ackermann aus Berlin und Frankfurt sowie zehn Enkel und fünf Urenkel gekommen. Aber auch die beiden Schwestern der 96-jährigen Jubilarin, die Zwillingsschwester Zyma Sperling aus Essen und Rosa Sandberg aus Frankfurt saßen an der Tafel, auf der die zweistöckige Hochzeitstorte prangte, die Rachel Singer ihren Eltern eigens gebacken hat. »Eine Eigenkreation«, sagt Singer. Das Rezept wird hier nicht verraten. Garniert war das ansehnliche Backwerk jedenfalls mit Erdbeeren, und obendrauf thronte ein schmuckes Hochzeitspaar.

Franja Gatterer wurde am 24. September 1914 im polnischen Wilun geboren. Auch Leo Gatterer stammt aus Polen, er kam am 8. Januar 1921 in Dobra auf die Welt. Beide überstanden Verfolgung und Krieg im Ghetto und schließlich im KZ. Kennengelernt haben sie sich jedoch, nach- dem alles vorbei war, im DP-Lager Feldafing. In München heirateten und lebten sie zunächst. Eine weitere Stationen war Stuttgart, und 1972 zogen sie schließlich in die hessische Metropole Frankfurt.

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