Bildung

»Schalom, Kita Aleph!«

Passender könnte ein Zitat zum Schulanfang nicht sein: »Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne« – mit dieser Zeile von Hermann Hesse begrüßen die Leiter der Sinai-Ganztags-Grundschule, Petra Eichenlaub und Marcus Schroll, die Erstklässler und laden die Kinder zu einem neuen Abenteuer ein: »Der erste Schultag wird ganz zauberhaft beginnen«, versichern beide. Die Mädchen und Jungen, die mit ihren bunten Schultüten in den vorderen Reihen des Hubert-Burda-Saals sitzen, warten gespannt auf ihre erste Schulstunde.

Schon zum fünften Mal feiert die Sinai-Schule ihr Einschulungsfest am Jakobsplatz. Im September 2007 zog sie von der alten Villa in der Möhlstraße in das neue Gemeindezentrum. Der gute Ruf der Schule sorgt dafür, dass die Zahl der Schüler sich schon im Umzugsjahr verdoppelte. Bis heute ist die Nachfrage sehr groß. Drei erste Klassen mit zusammen 56 Kindern hat die Schule. In diesem Jahr wurden sogar noch mehr jüdische Kinder angemeldet als in den vergangenen Jahren. Doch auch für nichtjüdische Kinder ist die staatlich anerkannte jüdische Konfessionsschule offen, was für großen Andrang sorgt.

»Wir legen viel Wert auf jüdische Tradition, das kommt besonders zum Ausdruck im Hebräisch- und im Religionsunterricht«, betont Schroll. »Die jüdischen Themen sollen in Zukunft aber noch mehr in den allgemeinen Unterricht eingebunden werden.«

Tägliche Gebete, koschere Mahlzeiten und wöchentliche Schabbatfeiern – jüdische Traditionen gehören fest zum Alltag des schulischen Lebens. So werden nach und nach die Kinder mit dem Judentum vertraut gemacht. Die jüdischen Feiertage werden in der Schule in speziellen Unterrichtseinheiten vorbereitet und dann zusammen gefeiert.

Lebensabschnitt So auch an diesem allerersten Schultag kurz vor Rosch Haschana. Mit dem neuen Jahr beginnt für die Erstklässler ein neuer Lebensabschnitt in einer besonderen Schule. Gemeinderabbiner Arie Folger begrüßt die Schulanfänger und betont, »damit es auch morgen eine jüdische Gemeinde geben kann, bekommt jedes jüdische Kind eine jüdische Erziehung«. Zusammen mit den Kindern singt er dann das Lied »Adon Olam«, das viele bereits im Alexander-Moksel-Kindergarten gelernt haben.

Präsidentin Charlotte Knobloch, der die Erziehung der Kinder sehr am Herzen liegt, begrüßt die Erstklässler und bedankt sich bei den Eltern, dass diese sich für die Sinai-Schule entschieden haben. Sie versichert, dass das gesamte Lehrerkollegium die Kinder mit ebenso großer Freude wie Engagement begleiten wird.

Eine ganz besondere Begrüßung haben die Sinai-Schulkinder für ihre neuen Schulkameraden vorbereitet. Mit traditionellen Liedern wie »Schalom, Kita Aleph!« (»Sei gegrüßt, erste Klasse!«), »Schule ist mehr« und »Wenn du glücklich bist« sorgen die vielstimmigen Chöre aller Altersstufen für eine schöne Stimmung und gute Laune.

Kostprobe Bevor die Kinder mit dem Lernen beginnen, stellen fünf Schüler aus den dritten und vierten Klassen ihre Schule vor. Judith, Fidelis, Rebecca, Isabel und Jeffrey erzählen den Erstklässlern, was an der Sinai-Schule besonders ist. Fidelis weiß, dass jede Klasse sowohl eine Lehrerin als auch eine Erzieherin hat. Beide Pädagogen meistern zusammen den Unterricht und begleiten die Kinder durch den schulischen Alltag. Eine Kostprobe auf Hebräisch gibt Rebecca, weil sie vom Religions- und Hebräischunterricht so begeistert ist. Über die außergewöhnlichen Mittwochnachmittage berichtet Isabel und stellt die Neigungsgruppen vor – mit Theater oder Schachspiel, Malen oder Basteln oder Schreiben für die Schulzeitung.

Auch an die Sportbegeisterten wird in der Sinai-Schule gedacht. Jeffrey findet, »wer richtig lernen will, muss sich in der Pause erholen und sich beim Sportunterricht austoben«. Er verschweigt dabei nicht, dass es neben den aktiven Pausen auch »stille Pausen« gibt, in denen man in Ruhe essen und entspannen kann.

Bevor die Kinder den Saal verlassen, bringt Rabbiner Israel Diskin als Einstimmung auf die Hohen Feiertage das Schofar zum Klingen und beendet mit diesen Tönen das Einschulungsfest.

Rektor Marcus Schroll ruft nach und nach alle Erstklässler zu ihren neuen Lehrern und Erziehern auf. Zusammen mit ihren neuen Mitschülern verlassen die Kinder schließlich den Saal und gehen Stufe für Stufe in ihre mit Liebe gestalteten Klassenzimmer, um dort stolz ihre Namen auf der Tafel zu finden und sich gegenseitig kennenzulernen. Das Abenteuer Schule beginnt.

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