Jubiläum

Ruhestand war gestern

Miriam Magall ist eine vielseitige Frau. Ob Romane, Sachbücher, Übersetzungen oder Essays – die Wahlberlinerin ist in vielen Genres gleichermaßen zu Hause. Über 280 Bücher hat sie bislang übersetzt, in den vergangenen zehn Jahren mehr als ein Dutzend selbst geschrieben. Die Themen ihrer Werke reichen von jüdischer Religion über jüdische Küche bis hin zur Kunst und Geschichte des Judentums. Allein in diesem Jahr hat sie bereits drei Bücher veröffentlicht. Es gibt vermutlich viele jüdische Haushalte in Deutschland, in dem eines ihrer Werke steht.

In diesen Tagen hat Miriam Magall nun ihren 70. Geburtstag gefeiert. Ein Tag, der für sie mit Gefühlen verbunden ist, die ambivalenter nicht sein könnten. 1942 geboren, wuchs sie bei Goslar als »verstecktes Kind« auf, die ersten drei Lebensjahre verbrachte sie in einem Keller. Ihre Mutter starb kurz nach Magalls Geburt, ihr Vater, ein Arzt, wurde von den Nazis ermordet, als sie drei Jahre alt war. Auch diese Erfahrung hat sie in einem Buch festgehalten. Das Brot der Armut: Die Geschichte eines jüdischen versteckten Kindes lautet der Titel ihrer »Semi-Autobiografie«.

Familie Aufgewachsen ist die Schriftstellerin bei dem früheren Dienstmädchen ihrer Eltern, das sie zu sich nahm. Zu ihr hatte Magall bis zu deren Tod ein schlechtes Verhältnis. »Erst als ich 18 Jahre alt war, verriet sie mir, dass ich nicht ihr leibliches Kind bin, und erzählte mir von meinen richtigen Eltern.« Für Magall Schock und Erleichterung zugleich. »Ich verstand endlich, warum ich mich meiner ›Mutter‹ nie zugehörig fühlte.«

Es folgte eine lange Zeit der Sprachlosigkeit. »Das war meine Art und Weise, mit dem Wissen um das Schicksal meiner Eltern umzugehen.« Dazu gehörte auch die Beschäftigung mit dem Judentum, das sie nach und nach für sich entdeckte – auch, um dadurch ihren verstorbenen Eltern nahe zu sein. Heute bezeichnet sich Magall als modern-orthodox: »Das Judentum und die jüdische Gemeinschaft sind für mich die Quelle von Halt und Sinn.«

Dolmetscherin Schon früh war ihr klar, dass sie mit Sprache arbeiten wollte. Sie studierte Übersetzen und Dolmetschen in Saarbrücken und belegte den Dolmetscherlehrgang Hebräisch in Tel Aviv. Es folgte eine Karriere als Konferenzdolmetscherin in Israel und bei der Europäischen Union.

Als sich vor einigen Jahren ihr Gehör stetig verschlechterte, gab sie ihren Beruf als Konferenzdolmetscherin notgedrungen auf. Aus der Erkrankung hat sie das Bestmögliche gemacht. Die plötzlich vorhandene freie Zeit nutzte sie, um nicht länger nur Bücher zu übersetzen, sondern selbst als Autorin in Erscheinung zu treten. »Seitdem dreht sich bei mir alles ums Schreiben.« Fragt man Miriam Magall nach ihren Plänen für die Zukunft, sprudelt sie nur so los. Zurzeit arbeitet sie an drei Büchern gleichzeitig. Von Ruhestand jedenfalls kann bei ihr keine Rede sein. »Ich bin noch lange nicht ausgeschrieben«, sagt Magall.

In diesem Sinne: Ad mea weesrim, bis 120!

Jewrovision

»Wir glauben an uns«

Die Jugendlichen von Neschama performten einen eindrucksvollen Act und räumten den begehrten Videopreis ab

von Luis Gruhler  11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Kulturfest

Jüdische Woche in Leipzig

70 Leipziger Institutionen und Vereine gestalten ein Programm zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Erwartet werden internationale Gäste

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026

Berlin

Kleine Botschafter

Beim Innovationswettbewerb »Building Bridges« der israelischen Vertretung in Deutschland wurden vier Projekte ausgezeichnet. Eine Ehrung für gelebten Austausch

von Katrin Richter  10.06.2026

Unterstützung

Hilfe für gestrandete Israelis

Von Notunterkünften bis Schabbat-Einladungen: Die IKG zeigt gelebte Solidarität

von Luis Gruhler  10.06.2026