Wintersport

Pucks und Pirouetten

Eishockey könnte viele Fans anziehen, schließlich ist es die Lieblingssportart vieler Zuwanderer. Foto: imago

Während der olympischen Winterspiele in Sotschi werden auch viele Makkabi-Sportler vor den Fernsehern sitzen. In ihren Vereinen sucht man allerdings vergebens nach speziellen Winterangeboten. Alpin-Ski oder Langlauf stehen nicht auf dem Programm. Nicht einmal dort, wo es im Winter an Schnee nicht mangelt, in Bayern oder Franken. »An eine eigene Skiabteilung haben wir bei der (Wieder)gründung 1966 nie gedacht. Von unseren Mitgliedern kam aber auch nicht der Wunsch oder Vorschlag«, sagt Heinz Nossen, Vorsitzender von Bar Kochba Nürnberg, und erzählt, dass er und die anderen rund 30 jungen Vereinsmitglieder damals vor allem fußballbegeistert waren.

Dabei habe der Wintersport im ab 1933 durch die Nazis verbotenen Verein durchaus eine Rolle gespielt, fährt Nossen fort: »Letztes Jahr feierten wir unser 100-jähriges Jubiläum, und unserer Festschrift habe ich gerade entnommen, dass wir vor 1938 tatsächlich eine Skiabteilung hatten.« Aus den wenigen Unterlagen geht allerdings nicht hervor, ob die damaligen Kochbarianer lediglich Langlauf oder auch Abfahrt und Slalom betrieben. »Fest steht, dass wir 1927 mit 482 Mitgliedern der viertgrößte jüdische Sportverein in Deutschland waren, damals hatten wir sogar eine eigene Zeitschrift.«

Heute spielt nur noch eine Altherrenmannschaft bei Bar Kochba Fußball. Eine eigene Wintersportabteilung sei nicht geplant, sagt Nossen und lacht: »Dabei haben wir bei den hiesigen Ice Tigers mit dem Kanadier Evan Kaufmann sogar einen jüdischen Eishockeyprofi.«

Abteilungen Auf der Webseite von Makkabi Deutschland (www.makkabi.com), auf der die Sportarten aufgelistet sind, in denen es deutsche Makkabi-Nationalmannschaften gibt, finden sich neben Fußball, Fechten, Schach und Wasserball auch Piktogramme, die für Eiskunstlaufen und Eishockey stehen. In beiden Sportarten sollen Abteilungen aufgebaut werden.

Simon Sabiers könnte wohl Leute wie den Nürnberger Profi Evan Kaufmann gut gebrauchen, denn der Kölner soll für Makkabi Deutschland die Sportart Eishockey mitorganisieren. Grundsätzlich könne er sich gut vorstellen, dass die Sportart eine gute Zukunft im jüdischen Sportverband haben könne, denn sie sei in Osteuropa traditionell und bis heute sehr beliebt und entsprechend interessant für Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

»Die Herausforderung besteht nun darin, dieses mögliche Potenzial für uns nutzbar zu machen. Wichtig ist es, einen kleinen festen Kern zu generieren. Alles andere wird sich mit der Zeit entwickeln«, sagt Sabiers, der selbst bei den Kölner Haien aktiv war. Heute kickt er in der ersten Fußballmannschaft – und ist gleichzeitig begeisterter Eishockeyfan. Aber ist das schnelle Spiel um den Puck nicht doch zu hart für Kinder und Jugendliche? Nein, antwortet Sabiers: »Beim Eishockey gibt es weit weniger Verletzungen als beim Fußball. Die Spieler sind außerdem von Kopf bis Fuß gut geschützt.«

Sicherheit Natürlich gebe es »schönere Gefühle, als vom Gegner an die Bande gepresst zu werden«, aber das gehöre eben dazu, und außerdem seien die Regeln sehr strikt. »Wäre der Sport so brutal, wie er bedauerlicherweise oft beschrieben wird, würden ihn nicht so viele Kinder auch schon im jungen Alter betreiben.«

Insgesamt sei Eishockey »ein sehr intensiver, aber fairer Sport, der sowohl strikte Regeln als auch ungeschriebene Gesetze für den Umgang der Spieler untereinander beinhaltet. Sie machen den Sport für Fans so interessant.« Ein Makkabi-Eishockey-Team könne mit vielen Fans rechnen, ist sich Sabiers sicher, denn die Sportart sei für Zuschauer sehr attraktiv. »Es passiert immer etwas, der Puck saust so schnell über das Eis, dass man hochkonzentriert sein muss. Zudem ist es bis zum Schluss spannend. Nicht selten wird ein Drei-Tore-Rückstand innerhalb weniger Minuten aufgeholt.«

Aufruf
»Jüdische Eiskunstläufer deutschlandweit gesucht!«, beginnt der Aufruf, der insbesondere an die Kinder von Zuwanderern aus der Ex-Sowjetunion gerichtet ist. Dort zählte und zählt die Sportart zu den beliebtesten überhaupt. Die Begeisterung fürs Pirouttendrehen auf dem Eis nahmen viele der Kontingentflüchtlinge wohl mit nach Deutschland, denn im Text heißt es weiter: »In den letzten Jahren übten die Kinder von jüdischen Auswanderern in vielen deutschen Sportschulen und fangen bereits an, sichtbare Erfolge zu erzielen.«

Arthur Werner, der in russischsprachigen Zeitungen seit 1976 Artikel über Eiskunstlauf-Veranstaltungen publiziert, ist offiziell mit dem Aufbau einer Makkabi-Eiskunstlauf-Abteilung beauftragt. Die Saison läuft gerade auf Hochtouren. Er sei schon vor einiger Zeit vom Makkabi-Vorstand gebeten worden, sich um den Aufbau der Sportart zu kümmern, erzählt er, und erste Rückmeldungen von interessierten Trainern und Eltern seien bereits eingegangen.

Im Februar werde es vermutlich »ein Treffen von allen Obleuten geben, dann werde ich sehen, wie die Sache laufen wird«. Sein erstes Ziel sei es, »einen internationalen Wettbewerb von jüdischen Eisläufern zu organisieren«. Perfekte Pirouetten und Sprünge beherrschen müssen die Aspiranten noch nicht, sagt Werner, er erwarte lediglich, »dass die Kinder eislaufen und am besten schon in einem deutschen Verein aktiv sind«.

Eishockey: Simon Sabiers: 0177/736 41 98, simoncign@aol.com

Eiskunstlauf: Arthur Werner: 0174/247 05 00 (zwischen 11 und 18 Uhr) editor@erart.com

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