Bad Homburg

Projekt von historischer Dimension

Symbolischer Akt: Eugen Sternberg, Vorsitzender des Fördervereins, Rabbiner Shalom Dov Ber Rabinowitz, Marc Grünbaum, Jüdische Gemeinde Frankfurt, und Oberbürgermeister Alexander Hetjes (v.l.). Foto: Jens Priedemuth/Stadt Bad Homburg

Die hessische Kurstadt Bad Homburg vor der Höhe erhält wieder eine eigene Mikwe. Vor Kurzem fand auf dem Gelände der dortigen Synagoge ein erster Spatenstich für das Tauchbad statt. Das »Jüdische Zentrum Bad Homburg« ist Teil der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Die etwa 350 Bad Homburger Juden sind Mitglieder der Frankfurter Gemeinde. Das von ihnen genutzte Bethaus wurde am 10. November 2018 eröffnet – 80 Jahre nach der Zerstörung der alten Bad Homburger Synagoge in der Pogromnacht. Eine Mikwe fehlte bisher. Bislang stand den Bad Homburger Gemeindemitgliedern die Mikwe in der Frankfurter Westend-Synagoge zur Verfügung.

Finanziert wird der Bau über den Verein und über Spenden aus der Bevölkerung.

Am Spatenstich nahmen unter anderem Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), Eugen Sternberg, Vorsitzender des Vereins der Freunde und der Förderer der jüdischen Kultur und Religion Bad Homburg, Rabbiner Shalom Dov Ber Rabinovitz sowie Marc Grünbaum, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, teil. Auch Vorstandsmitglied Benjamin Graumann, Gemeinderatsvorsitzender Andrei Mares und Gemeindedirektorin Jennifer Marställer erlebten den Spatenstich mit.

Umkleideräume Die geplante Mikwe werde, wie die Stadt Bad Homburg mitteilte, an die bestehende Garage auf dem Grundstück der Synagoge angebaut. Die hintere Wand der Garage werde aufgebrochen und um einen Anbau erweitert. »Neben dem Tauchbad werden auch Umkleideräume, sanitäre Anlagen und ein Büro für unseren Rabbiner errichtet«, sagt Eugen Sternberg.

»Wir rechnen mit neun bis zehn Monaten Bauzeit«, ergänzt Arthur Iliyav, Vorstandsmitglied des Vereins der Freunde und der Förderer der jüdischen Kultur und Religion Bad Homburg, im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen.

Finanziert wird der Bau über den Verein und über Spenden aus der Bevölkerung. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt habe ebenfalls eine Spende geleistet, sagt Marc Grünbaum. Im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt ist er unter anderem für Bad Homburg zuständig. »Wir freuen uns, dass das jüdische und religiöse Leben in Bad Homburg mit dieser Mikwe einen weiteren Schritt nach vorn macht«, sagt er im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Zugleich stellt Grünbaum die besondere Bedeutung des Bauvorhabens heraus: »Es ist der erste Neubau einer Mikwe für die Jüdische Gemeinde Frankfurt seit 1945.«

Tradition Auch der Bad Homburger Oberbürgermeister Alexander Hetjes ist sich der historischen Dimension des Projekts bewusst. »Eine Mikwe hat es schon im jüdischen Gemeindehaus neben der alten Synagoge in der Elisabethenstraße gegeben. Ich freue mich sehr, dass diese Tradition nun wieder in Bad Homburg auflebt«, sagt Alexander Hetjes.

Der CDU-Politiker betont, man habe als Stadt schon das Entstehen der Synagoge unterstützt. Er kündigt eine Fortsetzung des Engagements an: »Wir wollen ein lebendiges, starkes und selbstbewusstes jüdisches Leben in unserer Stadt, und wir wollen einen regen Austausch zwischen den Menschen, die hier leben.«

Auch Arthur Iliyav vom Förderverein spricht vom »Wiederaufleben des starken jüdischen Lebens in Bad Homburg«. Neben der Synagoge gebe es dort auch eine Kita. Ein lokaler Makkabi-Verein solle in Zusammenarbeit mit Makkabi Frankfurt gegründet werden. Durch Zuzug von Familien habe sich die Gemeinde verjüngt. Trotz der Corona-Pandemie gebe es in Bad Homburg einen regulären Betbetrieb zu Schabbat, berichtet Iliyav. »Ein Minjan kommt immer zusammen«, freut er sich.

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