Musik

Pop & Rock

An Berlin schätzen die Musiker die große Akzeptanz von Diversität. Foto: PR

Wenn Amir Darzi zu seiner Gitarre greift und Evergreens von den Beatles wie »Penny Lane« oder »Martha My Dear« anstimmt, könnte man fast meinen, John Lennon wäre mit im Raum. Denn nicht nur optisch erinnert der Israeli mit der schwarzen Lockenpracht an den Sänger der legendären britischen Band, auch die Stimme des Mittdreißigers trägt diesen typischen, soft-melodischen Sound von John Lennon und der weltbekannten Musiker, die ihren gemeinsamen Schaffenshöhepunkt in den 60er-Jahren hatten – eine Epoche, die Amir Darzi bis heute fasziniert.

Rolling Stones Zusammen mit seiner Bandkollegin Lital Regev will der Musiker seine Zuhörer ganz bewusst mit auf eine optische und melodische Zeitreise in die Welt der wilden 60er- und 70er-Jahre nehmen. Mit ihrem gemeinsamen Tribute-Duo unter dem passenden Namen »Amir’s and Lital’s Time Machine« covern die beiden Musiker aus Tel Aviv, die auch privat ein Paar sind, alle Hits dieser schaffensreichen Musikperiode von den Beatles, Queen und den Bee Gees über David Bowie und die Rolling Stones bis hin zu The Eagles.

»Ich persönlich singe, seit ich denken kann«, sagt Amir Darzi, der zusammen mit seiner Partnerin vor rund fünf Jahren nach Berlin gekommen ist. Die Musik der 60er- und 70er-Jahre hatte es ihm schon immer ganz besonders angetan. »Ich bin mit Dutzenden von Kassetten mit klassischem Rock und Oldies aus den 60ern und 70ern aufgewachsen, die mein Vater aus dem Radio aufgenommen hatte«, erzählt er. Praktisch überall im Haus der Familie in Tel Aviv habe er als Kind und Jugendlicher die Kassetten herumliegen sehen, prominent vertreten die Alben der generationsprägenden Bands The Beatles, Rolling Stones, Pink Floyd, Bob Dylan und David Bowie – die dann im elterlichen Heim rauf und runter liefen.

»Man könnte fast sagen, dass ich von Geburt an praktisch einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, bis zu dem Punkt, an dem ich die Reihenfolge der Lieder auf den meisten, wenn nicht sogar allen dieser Kassetten kannte, die Liedtexte eingeschlossen«, blickt Amir Darzi mit einem Schmunzeln zurück.

ELTERN Bei dieser elterlichen Vorprägung war sein späteres Schicksal schon früh besiegelt: Mit zwölf Jahren lernte er, Gitarre zu spielen. Das Singen war schon davor zu seinem großen Hobby geworden. »Ich fühlte mich von Inspiration überwältigt und wusste, dass ich Musiker und Singer-Songwriter werden wollte.«

Dieses Ziel verfolgt Amir Darzi auch als Erwachsener enthusiastisch. Von Tel Aviv ging es für den Israeli zunächst nach New York. In der US-Metropole wollte er an seiner Musikkarriere feilen. Amir Darzi flog aber nicht allein über den großen Teich. Lital Regev ging mit ihm. Hätte ihm das jemand als Kind gesagt, er hätte denjenigen wahrscheinlich für komplett verrückt erklärt. »Wir kennen uns schon seit unserer Kindheit, da unsere Eltern eng befreundet waren«, erzählt Amir Darzi.

Anders als bei den Eltern war die Freundschaft zwischen den beiden damals aber nicht besonders eng, und sie verloren sich in der Jugend aus den Augen. Erst mit Anfang 20, als sie sich bei einer Familienfeier nach langer Zeit zufällig wiedertrafen, sprang der Funke über. Seit inzwischen 18 Jahren sind die beiden nun schon zusammen.

DURCHBRUCH In New York spielte Amir Darzi in verschiedenen Bands und komponierte eigene Songs, während Lital Regev sich als Fashiondesignerin versuchte. Der erste große Durchbruch gelang Darzi, als ihn der Musikproduzent Henry Hirsch, der vorher schon späteren Stars wie Lenny Kravitz zum Erfolg verholfen hatte, dazu einlud, seine erste Solo-EP in seinem New Yorker Analogstudio aufzunehmen. »Die Aufnahme auf analogem Band war und ist mir sehr wichtig – der warme Klang, die Rohheit, die Authentizität«, sagt Amir Darzi. Ihn habe es immer sehr bewegt, so aufzutreten und zu singen wie die Musikidole aus seiner Kindheit.

An Berlin schätzen die Musiker die große Akzeptanz von Diversität.

Was seine Partnerin angeht, so war Musik für sie lange Zeit kein großes Thema. Erst kurz vor ihrer gemeinsamen Rückkehr nach Tel Aviv – nach sieben intensiven Jahren in den USA – lernte Lital Regev, Gitarre zu spielen, mehr intuitiv und aus einer anfänglichen Laune heraus als systematisch. »Sie setzte sich mit Kopfhörern hin und lernte ihre Lieblingsmelodien ihrer Lieblingsbassisten wie Paul McCartney oder James Jamerson ausschließlich nach Gehör«, erzählt Amir Darzi. »So hat sie im Grunde über die Jahre ihr musikalisches Gehör entwickelt, indem sie einfach Covers lernte und zu meinem Originalmaterial mitspielte.«

Die Taktik hat sich bewährt. Die beiden wollten musikalisch etwas Eigenes, Neues und vor allem etwas zusammen schaffen. Und wo lässt sich das besser machen als an einem neuen Ort? Die Wahl des Duos fiel auf Berlin – recht spontan nach dem Besuch von einem Freund, der schon in der Stadt lebte. »Wir haben uns sofort in die Stadt und ihr besonderes Ambiente verliebt«, erzählt Amir Darzi. Für ihn steht Berlin vor allem für die Akzeptanz von Diversität und Andersartigkeit. »Wenn du jemand bist, der Kreativität und die Freiheit schätzt, das tun zu können, was du liebst und woran du glaubst, ist Berlin einer der, wenn nicht sogar der beste Ort, an dem es dir möglich ist«, findet der Musiker.

»ZEITMASCHINE« Damit war die Stadt zum Geburtsort von »Amir’s and Lital’s Time Machine« geworden. Inzwischen hat sich das Gitarren-Bass-Duo schon einen Namen in der alternativen Künstlerszene der Bundeshauptstadt gemacht, vor Corona spielten die beiden immer wieder auf Konzerten, Events und Partys. Die Pandemie und den verordneten Stopp von Auftritten vor Publikum hat das Duo genutzt, um neben den Covers auch eigene Lieder zu schreiben und einzuspielen.

»Honey Tape« nennt sich das Parallelprojekt, das als Analogtape mit sechs Liedern schon bald das Licht der Öffentlichkeit erblicken soll. »Es ist ein großes Privileg, dass wir unsere Leidenschaft zur Musik gemeinsam verfolgen können«, sagt der Gitarrist. Die private Beziehung stärke die musikalische zusätzlich. Die Liebe zueinander ist in der gemeinsamen Musik spürbar – fast ebenso deutlich wie die Liebe zu den 60ern und 70ern.

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