Niedersachsen

»Nicht nur fehlerhaft, sondern untragbar«

Denkmal Martin Luthers in Wittenberg Foto: dpa

Die Überlegung der rot-schwarzen Landesregierung in Niedersachsen, den Reformationstag am 31. Oktober zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären, stößt bei Vertretern des Judentums sowie der katholischen Kirche auf Widerspruch.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, schrieb in einem am Freitag bekannt gewordenen Brief an alle Abgeordneten des Landtags, er halte eine Entscheidung für den Reformationstag »nicht nur für fehlerhaft, sondern für untragbar«. Unter anderem wies er auf die antisemitischen Ausfälle des Reformators Martin Luther (1483–1546) hin. Auch der katholische Prälat Felix Bernard sprach sich dagegen aus, den Reformationstag zum arbeitsfreien Feiertag zu erklären.

brief Zunächst hatte die »Hannoversche Allgemeine Zeitung« über den Brief von Fürst berichtet, der auch dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Die Landesregierung betonte am Freitag, die Gespräche über einen zusätzlichen landesweiten Feiertag stünden noch ganz am Anfang. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte den 31. Oktober im vergangenen Jahr als »Wunsch-Feiertag« bezeichnet.

Die scheinbare Vorfestlegung auf den Reformationstag als Feiertag sei eine »nicht hinnehmbare Desavouierung der jüdischen Glaubensgemeinschaft«, schreibt Fürst. Der Reformationstag sei von Luther nicht zu trennen. Luther sei aber auch ein »Judenhasser« gewesen. Nachdem es ihm nicht gelungen sei, die Juden zu missionieren, habe er in einer Hass-Schrift von der Obrigkeit ihre Vertreibung gefordert. Der Reformationstag als Feiertag sei daher für die Zusammenarbeit der Religionen mehr als ungeeignet: »Er ist für die jüdische Gemeinschaft in unserem Lande eine Zumutung.«

gespräche Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte am Freitag in Hannover, es werde »selbstverständlich noch Gespräche mit allen Beteiligten« geben. Ministerpräsident Weil respektiere die Position von Fürst ausdrücklich.

Prälat Bernard, der die Interessen der niedersächsischen Diözesen bei Landtag und Landesregierung vertritt, sagte am Freitag, der Reformationstag stehe für eine Trennungsgeschichte und für die Verschiedenheit der Konfessionen, auch wenn das 500. Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr an vielen Orten ökumenisch gefeiert wurde. Der Buß- und Bettag im November könnte hingegen gut als Tag des interreligiösen Dialogs begangen werden.

Am 31. Oktober erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation. 1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände in der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Weil sich die mittelalterliche Papstkirche einer Reform verweigerte, kam es zu der von Luther zunächst nicht beabsichtigten Bildung der evangelischen Kirche. Der Reformationstag ist in den östlichen Bundesländern (in Thüringen nur in überwiegend evangelischen Gebieten), nicht aber in Berlin und im alten Bundesgebiet gesetzlicher Feiertag. 2017, zum 500. Jahrestag der Thesenveröffentlichung, war der 31. Oktober einmalig bundesweit arbeitsfrei. epd

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www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/30430

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