Treffen

»Lernen an der Nordsee«

Jonathan Marcus Foto: privat

Herr Marcus, an diesem Donnerstag beginnt das 9. deutsche Limmud-Lernfestival. Wie viele Menschen nehmen am viertägigen Treffen in Neuharlingersiel teil?
Wir sind ausgebucht, es haben sich etwa 400 Teilnehmer angemeldet, nur etwa 10 oder 15 weniger als im Vorjahr. Vor einem Jahr hatten wir noch die Sorge, ob sich genügend Menschen für das Wochenende im Jugendherbergsresort Neuharlingersiel interessieren. Aber jetzt sehen wir, dass die, die beim letzten Mal schon da waren, gerne wiederkommen, und andere dabei sind, es für sich zu entdecken.

Mit einer Ausnahme fand Limmud bis 2014 am Werbellinsee in Brandenburg statt. Warum sind Sie mit dem Lernfestival an die Nordsee umgezogen?
Am Werbellinsee waren die Veranstalter nicht mehr bereit, uns den logistischen Vorlauf zu bieten, um die Küche für koscheres Essen vorzubereiten. In Neuharlingersiel ist das anders. Außerdem haben wir gesehen, dass der neue Ort generationenübergreifend, also auch für Kinder und für ältere Menschen, sehr gut geeignet ist. Das Wattenmeer an der Nordsee ist Weltnaturerbe, und das Limmud-Festival bietet eine Möglichkeit, diese ganz besondere Umgebung zu erleben.

Kommen auch in diesem Jahr wieder viele jüngere Teilnehmer?
Ja, unter den etwa 400 Teilnehmern sind fast 90 Kinder und Jugendliche unter 18, für die wir ein eigenes Programm anbieten. Für viele ist es fast wie Familienurlaub.

Limmud lebt davon, dass Teilnehmer von- und miteinander lernen. Aber ist das Programm mit Workshops und Seminaren wirklich der Hauptgrund, der Teilnehmer anzieht? Ist es nicht eher die Atmosphäre und die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen?
Manche Leute kommen vor allem zu Limmud, um mit anderen Juden ein jüdisches Wochenende zu erleben – eine Möglichkeit, die sie im Alltag nicht haben. Aber wir haben über 120 Programmpunkte, und auch in diesem Jahr gibt es wieder einige Besonderheiten, wie etwa den Film über Rabbiner William Wolff, den wir in seiner Anwesenheit zeigen. Außerdem präsentiert Elkan Spiller seinen Film »L’Chaim! Auf das Leben!« über die Auswirkungen der Schoa auf die zweite Generation. Auch der Jom Haschoa und der 8. Mai werden Thema sein.

Limmud ist für viele Teilnehmer teurer geworden, seitdem das Festival nicht mehr in Brandenburg stattfindet. Was tun Sie, damit auch sozial Schwächere sich vier Tage jüdisches Lernen leisten können?
Wir können natürlich nur Leuten helfen, die das Problem offen ansprechen. Wir haben differenzierte Preise, betreiben Fundraising und sind für jede Unterstützung dankbar – sowohl von Institutionen als auch von Privatpersonen. Die Preise erscheinen zwar hoch, aber auch sie beinhalten schon eine Subvention für ein jüdisches Event mit koscherem Catering, viel Programm und vier Tagen an der Nordsee.

Mit dem Vorsitzenden von Limmud e.V. sprach Ayala Goldmann.

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