München

Klassisch koscher und modern

Im »Einstein«: Charlotte Knobloch, Sven Tweer Foto: IKG

München

Klassisch koscher und modern

Das Gemeinderestaurant hat jetzt viermal pro Woche wieder abends geöffnet

von Miryam Gümbel  24.02.2022 06:46 Uhr

Gemeinderestaurant »Einstein« wieder abends geöffnet. Gleich am ersten Abend nutzten rund 20 Gäste die Gelegenheit, sich endlich einmal wieder mit Freunden zu treffen und dabei das koschere Angebot genießen zu können.

Dabei lernten sie auch den Betriebsleiter des Restaurants kennen: Seit 1. November hat Sven Tweer die Verantwortung übernommen. Er folgte auf Karl-Heinz Fichtner, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Mit Sven Tweer konnte die Israelitische Kultusgemeinde einen erfahrenen und vielseitigen Gastronomen gewinnen, für den Kochen eine wahre Leidenschaft ist.

Mutter Geboren und aufgewachsen in Duisburg, hat er sich schon als Kind für einfache Gerichte begeistert, die seine Mutter in der häuslichen Küche zubereitete. Das beschränkte sich nicht nur auf den Genuss beim Essen, er sah ihr auch beim Kochen über die Schulter: »Ihre Kreativität hat mich sehr geprägt«, erzählt Tweer. Bald war der Berufswunsch Koch geboren. Er stellte sich vor, dabei Menschen kennenzulernen, um die Welt reisen und dabei immer irgendwo andocken zu können. Sven Tweer lernte bei Jean-Claude Bourgueils im »Schiffchen« in Düsseldorf.

Weitere Stationen nach seiner Ausbildung waren Bad Neuenahr-Heppingen, Basel und Friedrichshafen bis zu seiner ersten Anstellung als Küchenchef im Bad Kreuznacher Hotel »Inselstuben« und später beim »Käfer«-Partyservice in München und Berlin, aber auch das von Anton Mosimann betriebene »Säli-Schlössli« in Olten. Es folgte eine Stelle als Geschäftsführer der Susu’s GmbH im schweizerischen Basel.

Dann ging es zurück nach Deutschland, nach Oberbayern. In Pfaffenhofen an der Ilm übernahm Tweer als Geschäftsführer das Hotel »Moosburger Hof«. Zugleich engagierte sich der Gastronom an seinem neuen Heimatort als Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Mehr als zwölf Jahre führte er das Hotel – bis er wegen Corona dort keine Zukunft mehr sah.

So kam er schließlich zum Gemeinderestaurant »Einstein« der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) in München.

»Sven Tweer, der jahrzehntelange Erfahrung aus vielfach ausgezeichneten Küchen in Deutschland und der Schweiz mitbringt, will das Einstein ungeachtet der schwierigen Umstände wieder zu einem beliebten und belebten Treffpunkt für die jüdische Gemeinschaft machen«, freut sich IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.
Ist koscheres Kochen da nicht eine große Herausforderung? Etwas Neues zu lernen, hat Sven Tweer nie abgeschreckt. Außerdem ist ein Teil der alten Belegschaft noch vorhanden, die ihn unterstützt. Am wichtigsten dabei ist seine Experimentierfreude: »Eine koschere Küche – von den Zutaten bis zur Zubereitung – ist gar nicht so schwierig. Man muss die Regeln kennen und danach handeln, dann klappt es«, weiß der Gastronom.

Version Dass dabei das eine oder andere beliebte bayerische Gericht auch einmal in koscherer Version auf die Karte kommt, sollte keine Überraschung sein. Als ersten Schritt nennt Sven Tweer als Ziel, »das Restaurant wieder zu einem Mittelpunkt der Gemeinde werden zu lassen. Im Grunde wie die mütterliche Küche: ein Ort, an dem man sich bei gutem Essen und Getränken trifft, wo man sich mit seinen Freunden austauscht und neue Freunde findet. Das Ganze im Einstein unter dem Motto: Klassisch koscher – aber auch modern«.

Das »Einstein« ist geöffnet Montag bis Freitag von 12–14 Uhr und Montag bis Donnerstag zusätzlich von 18–22 Uhr.

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