Angebot

Kennen, lernen

Die aktuelle Integrationsdebatte zeigt es deutlich: Zwischen Deutschen und Zugewanderten besteht eine Menge Gesprächsbedarf. Den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft wollen nun schon zum 20. Mal die »Interkulturellen Wochen« fördern. Rund 300 Städte und Gemeinden beteiligen sich an der Initiative. Auch jüdische Gemeinden und Kulturinstitutionen in Chemnitz, Leipzig und Dresden beteiligen sich.

Eigeninteressse Sie haben ein doppeltes Interesse an den Kulturtagen: Einerseits bieten sie die Gelegenheit, über jüdisches Leben zu informieren. Andererseits ist das Thema Migration für die jüdische Gemeinschaft ein Dauerbrenner, da die meisten Gemeindemitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion stammen. »Die jüdischen Gemeinden haben die Aufgabe, zunächst die Zuwanderer in ihre eigene Gemeinschaft zu integrieren und dann als jüdische Bürger in die deutsche Gesellschaft«, bestätigt Küf Kaufmann, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. In einer Podiumsdiskussion über das Thema »Integration« berichtete Kaufmann von seinen Erfahrungen. Er ist optimistisch: »Die zweite Generation der zugewanderten Juden hat schon keine Probleme mehr.«

Wie harmonisch das Miteinander von Juden, Muslimen und Christen sein kann, zeigte die Veranstaltung »Bunte Welt zu Hause in Leipzig«, die am vergangenen Sonntag im Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus stattfand. Teilnehmer aus verschiedenen Kulturen und Ländern sangen und tanzten vor vollem Haus. »Das war ein wunderbares Symbol dafür, dass unser Begegnungszentrum offen für alle ist«, so Küf Kaufmann. Der Chor der Israelitischen Religionsgemeinde sang jiddische und hebräische Lieder, ein junger Rabbiner aus Ungarn stimmte jüdische Lieder aus seiner Heimat an, ein russisch-orthodoxer Chor trat ebenso auf wie arabische Künstler.

»Über Politik haben wir an diesem Tag nicht geredet und über Religion nur ganz wenig«, beschreibt Küf Kaufmann die entspannte Atmosphäre. Besonders freut ihn, dass viele Besucher ihre Kinder mitbrachten. Wenn schon die Kleinen Respekt vor kultureller Vielfalt lernen, sind »Interkulturelle Wochen« vielleicht irgendwann überflüssig. Bis es jedoch so weit ist, sei die Initiative eine gute Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen.

In Chemnitz nutzte die jüdische Gemeinde die Interkulturellen Wochen, um sich einem breiten Publikum vorzustellen. Ruth Röcher, Vorsitzende der Gemeinde, führte durch die Synagoge, Chor und Tanzgruppe der jüdischen Gemeinde traten anlässlich einer Ephraim-Kishon-Lesung auf. »Kultur ist ein wunderbares Medium der Verständigung«, sagt Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz in ihrem Geleitwort zu den Kulturwochen.

Dem hätte die jüdische Bankiersfamilie Arnhold wohl vorbehaltlos zugestimmt. Hatikva, die Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur, widmet den Arnholds eine Führung. Mehr als sechs Jahrzehnte lang förderte diese Familie Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft in Dresden. Mit ihrem Engagement für die Friedensbewegung waren die Arnholds vor rund 100 Jahren ihrer Zeit weit voraus – aber mit den »Interkulturellen Wochen« von 2010 liegen sie ganz auf einer Wellenllänge.

Universität

Angst auf dem Campus

Eine Studie zeigt, wie stark jüdische Studierende unter Antisemitismus leiden – und welche Folgen das für ihre psychische Gesundheit hat

von Alicia Rust  01.11.2026

Porträt der Woche

Reihe 9, außen

Diana Sims-Silbermann spielt Cello und ist Theaterärztin. Sie hat immer denselben Platz

von Claudia Irle-Utsch  01.11.2026

Gesellschaft

Die Welt retten? Fangen wir klein an

Am 22. November findet der Mitzvah Day statt. Unter dem Motto »Gemeinsam. Füreinander« engagieren sich Gemeinden, Schulen und Gruppen für soziale Projekte. Die Anmeldungen laufen

von Katrin Richter  01.11.2026

Wettbewerb

Mehr als ein Bibelquiz

Erstmals wurde der »Chidon Hatanach« in der bayerischen Hauptstadt auf lokaler Ebene ausgetragen

von Luis Gruhler  01.11.2026

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Berlin

Wundersame Rückkehr

Eine Delegation des Temple Chai aus Phoenix, Arizona, brachte einen Wimpel und eine Parochet, die 88 Jahre verschollen waren, zurück in die Synagoge Oranienburger Straße

von Alicia Rust  29.10.2026

Frankfurt am Main

L’Chaim! Auf das Leben

Die Gala »WIZO Night for Children« brachte mehr als 560 Patenschaften

von Eugen El  29.10.2026

Gefahr

Antisemitische Gewalt an Halloween?

In einem Schreiben rät der Zentralrat der Juden für das Wochenende zu Vorsicht und empfiehlt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

 28.10.2026