Ernst Ludwig Ehrlich

»Jüdisches Leben stärken«

Jo Frank über zehn Jahre jüdisches Studienwerk ELES, ideelle Förderung und Kritik

von Philipp Peyman Engel  11.10.2019 07:03 Uhr Aktualisiert

Jo Frank, Geschäftsführer von ELES Foto: ELES

Jo Frank über zehn Jahre jüdisches Studienwerk ELES, ideelle Förderung und Kritik

von Philipp Peyman Engel  11.10.2019 07:03 Uhr Aktualisiert

Herr Frank, das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) hat gestern Abend mit einem großen Festakt seinen zehnten Geburtstag begangen. Wie fällt die Bilanz aus, wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken?
Es ist eine Mischung aus Verblüffung und Stolz, wenn ich sehe, was aus dem anfänglich kleinen Projekt Jüdische Begabtenförderung geworden ist: Wir haben seit 2009 über 800 Stipendiaten gefördert und ihnen so geholfen, ihr Studium oder ihre Promotion zu realisieren. ELES ist in nur zehn Jahren zu einem Zentrum jüdischer Intellektualität in Deutschland und Europa geworden, aber eben auch zu einer Gemeinschaft.

Wie sieht die ELES-Förderung konkret aus?
Im Bachelor- und Masterbereich erhalten unsere Studenten bis zu 1044 Euro pro Monat, Doktoranden 1350 Euro. Dazu finanzieren wir Auslandsaufenthalte. Und natürlich gibt es die ideelle Förderung, die ELES noch wichtiger ist.

Inwiefern?
Ich bezeichne sie gern als Herzstück von ELES. Zur ideellen Förderung gehören Diskussionsveranstaltungen, Konferenzen, Lesungen, Ausstellungen, interreligiöse Netzwerke und Studienreisen, etwa nach Israel oder in die USA.

ELES fordert im Gegenzug für die Förderung von seinen Studenten auch viel Eigeninitiative. Wie sieht die bei Ihren Stipendiaten aus?
Wir investieren pro Stipendiat rund 70.000 Euro. Das ist eine große Investition, für die wir in der Tat auch einiges erwarten. Wir fördern ja junge Menschen, die sich schon vor ihrer Zeit bei ELES überdurchschnittlich engagiert haben. Und wir erwarten, dass sie sich auch während der Förderzeit engagieren. Im Kunstlabor DAGESH oder bei Dialogperspektiven etwa, beides ELES-Selbstgründungen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

In der Vergangenheit wurde ELES immer wieder dafür kritisiert, sich zwar plural zu geben, tatsächlich aber nur Meinungen aus dem linken Spektrum zuzulassen …
Das ist ein wichtiger Punkt: ELES ist politisch neutral. Wir arbeiten mit allen parteinahen Begabtenförderungswerken eng zusammen. Alle Meinungen des demokratischen Spektrums sind bei ELES vertreten – auf jeder Ebene. Wo wir aber ganz deutlich sind: Wir beziehen Stellung gegen jede Form von Ex­tremismus – sei es bei der AfD oder bei der BDS-Bewegung.

Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre?
Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach einen Plan. Im Ernst: Wenn es mit gesicherter Finanzierung und starken Partnern wie der Bundesregierung, dem Zentralrat der Juden und anderen weitergeht, blicken wir positiv in die Zukunft. Unsere Stipendiaten und Ehemaligen machen mich zuversichtlich, und diese Zuversicht kann die gesamte jüdische Gemeinschaft teilen!

Mit dem Geschäftsführer von ELES sprach Philipp Peyman Engel.

Sicherheit

Bundesregierung unterstützt den Schutz jüdischer Einrichtungen mit 22 Millionen Euro

Zentralratspräsident Josef Schuster: »Für jüdische Gemeinden stellen die Ausgaben für Sicherheit häufig eine erhebliche finanzielle Belastung dar«

 17.09.2020

Trier

Größter Wunsch: Normalität

Wie die Gemeinde auf das Jahr zurückschaut und was sie für 5781 erwartet

von Elke Wittich  17.09.2020

Berlin

Vier Rabbis und ein Kantor

Das Abraham Geiger Kolleg feierte seine zehnte Ordination – dieses Mal unter Corona-Bedingungen

von Ayala Goldmann  17.09.2020

Rosch Haschana

Wir haben nur eine Welt

Am Feiertag wird an die Schöpfung erinnert. Vier Jugendliche wollen dafür sorgen, dass sie nicht zerstört wird

von Christine Schmitt  17.09.2020

Rosch Haschana

»Ein Volk besteht aus 5000 Bienen«

Fabian und Lena Münch über ihre Imkerei, die Rolle der Königin und verschiedene Honigsorten

von Christine Schmitt  17.09.2020

Rosch Haschana

Unter einem Dach

5780 war ein Jahr der Verunsicherung. Aber auch 5781 können wir die Herausforderungen gemeinsam bewältigen

von Josef Schuster  17.09.2020

Thüringen

Ein Paradiesbaum in Erfurt

Achava-Festspiele trotz der Corona-Beschränkungen: Sie vermitteln Hoffnung

von Esther Goldberg  17.09.2020

Festival of Lights

Zusammen strahlen

Die israelische Botschaft zeigt eine symbolträchtige Lichtcollage zu Kunst und Kultur des Landes

von Alice Lanzke  17.09.2020

Schleswig-Holstein

Auszeichnung für einen Überlebenden

Der 87-jährige Zeitzeuge Jurek Szarf erhielt das Bundesverdienstkreuz

von Moritz Piehler  17.09.2020