Jom Haazmaut

Israel und ich

Identifikation: Eingehüllt in eine Fahne, beobachtet ein junger Israeli das Feuerwerk zum Jom Haazmaut. Foto: dpa

Während wir am Wochenende gemütlich das Frühlingswetter beim Picknick im Park oder mit einem Chai Latte im Café genießen, gehen mal wieder Hunderte Raketen auf die Menschen in Israel nieder. Wir können uns überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, die Kinder aus Sicherheitsgründen nicht zur Schule bringen zu können, Geschäfte schließen zu müssen, das Auto spontan auf dem Grünstreifen stehen zu lassen, um rechtzeitig in einen Bunker fliehen zu können.

Für die Menschen in Israel wird die Gefahr zur Routine. Das sonst so vitale Leben erstarrt von einer Sekunde auf die andere, die Menschen müssen vor Raketen flüchten, werden verletzt oder gar getötet. Diese Bilder müssen wir uns vor Augen führen. Zweifelsohne ist die Beziehung von Jüdinnen und Juden zu Israel eine besondere. Doch warum ist es so wichtig, Solidarität mit dem Staat Israel zu bekunden? Was bedeutet es überhaupt, solidarisch mit dem Staat Israel zu sein? Und inwiefern betrifft Israel das jüdische Volk wirklich?

Zweifelsohne ist die Beziehung von Jüdinnen und Juden zu Israel eine besondere.

Vielfalt Auf der ganzen Welt gibt es einen einzigen jüdischen Staat, die einzige Demokratie im Nahen Osten, in der Vielfalt und Kreativität gelebt wird, in der Menschen gleiche Rechte haben, in der Technologie und Innovation wachsen und die Landwirtschaft gedeiht. Nicht umsonst wird Israel als die »Start‐up‐Nation« bezeichnet. Hinter jeder Innovation steckt der Gedanke des »Tikkun Olam«, einen Beitrag zur Verbesserung der Welt zu leisten. Viele Erfindungen von Israelis prägen unser Zusammenleben auf der ganzen Welt. Die Erfindung der Tröpfchenbewässerung für trockene Landgebiete, des USB‐Sticks zur Datenspeicherung, die Erfindung vieler Sicherheitsapps für den Straßenverkehr, Neuerungen in der Medizin, Chemie, Biologie oder Energie wurden entdeckt und vorangetrieben. Trotz alledem wird diesem Staat sein Existenzrecht immer wieder abgesprochen.

Die Existenz des Staates ist für Jüdinnen und Juden weltweit von großer Relevanz. Die Israel Defense Forces (IDF) sind für mich die humanste Armee weltweit. Die israelische Regierung schickt die IDF zu humanitären Einsätzen rund um den Globus, um den Menschen vor Ort bei der Krisenbewältigung zu helfen. Die IDF versteht sich als Armee Israels aber auch als eine für alle Jüdinnen und Juden auf der Welt.

Natürlich hat nicht jede Jüdin oder jeder Jude eine gleich starke Beziehung zu Israel. Manche möchten sich – im Gegenteil – eher distanzieren. Wichtig ist zu verstehen, dass man durchaus mit den Handlungen der israelischen Regierung nicht zu 100 Prozent einverstanden sein muss, um dennoch solidarisch mit dem Staat Israel zu sein. Wir Juden möchten aber nicht alle als Botschafter Israels wahrgenommen werden, »nur weil wir jüdisch sind«. Nicht alle Juden sind gleich Israelis. Viele haben keine Verbindung zu oder kein Wissen über Israel.

Information Ich finde es wichtig, zumindest einmal im Leben nach Israel zu reisen, um sich ein eigenes Bild vom Land und der Kultur zu machen. Aus diesem Grund habe ich längere Zeit dort gelebt. Die Erfahrungen und Eindrücke, die ich während meines Aufenthaltes sammeln konnte, haben mich in meinem Aktivismus bestärkt: Informationen müssen für jede interessierte Person zugänglich gemacht werden. Genau dafür möchte ich mich engagieren. Ich möchte mit jungen Aktivistinnen und Aktivisten Aufklärungsarbeit leisten, um gegen die teilweise verzerrte Darstellung Israels in den deutschen Medien und in der Gesellschaft vorzugehen.

Hinter jeder Innovation steckt der Gedanke des Tikkun Olam, die Welt verbessern zu wollen.

Das Junge Forum der Deutsch‐Israelischen Gesellschaft hat in der Vergangenheit großartige Arbeit geleistet und arbeitet weiterhin an spannenden Projekten rund um Israel. Es soll beispielsweise die erste Deutsch‐Israelische Studierendenkonferenz für Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet stattfinden. DieThemen werden der Antisemitismus im Hochschulkontext, die Zukunft Europas und des Nahen Ostens sowie die deutsch‐israelische Freundschaft sein.

Am Abend des 7. Mai begann der Jom Hasikaron. Ein Tag, an dem wir der gefallenen Soldaten, die ihr Leben für den Staat Israel und das jüdische Volk gaben, gedenken. Am Tag darauf fand die größte Party des Jahres statt: der Unabhängigkeitstag des Staates Israel. Selbst die größte Freude kommt dabei nicht ohne Trauer aus. In den Feierlichkeiten und in Gedenkstunden ist das jüdische Volk vereint.

In dem wiederkehrenden jüdischen Jahreszyklus haben wir stets ein weinendes und ein lachendes Auge. »Zeit zum Weinen und Zeit zum Lachen, Zeit zum Klagen und Zeit zum Tanzen«. Dieses Zitat stammt aus dem von König Salomon unter dem Pseudonym »Kohelet« verfassten philosophischen Werk. Traditionellerweise wird es jedes Jahr an Sukkot in allen Synagogen der Welt gelesen, und jedes Jahr aufs Neue stellen sich Jüdinnen und Juden weltweit die in der Schrift thematisierten Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Lebens.

Riten Fast schon penibel geht die jüdische Tradition mit Gebräuchen, Riten, Symbolen und Zeremonien um. Herrscher wie Napoleon Bonaparte staunten über die Beständigkeit der jüdischen Tradition. Aber was ist es, das diese Weitergabe der Tradition möglich macht? Für mich liegt die Antwort darin, dass unsere Tradition für alle Aspekte des Lebens einen Raum schafft. Alles hat seine Zeit. Genau das spiegelt für mich der Staat Israel in seinem Wesen wider.

Solange wir reden und tun, dürfen wir nicht vergessen zu träumen. Wie schön wäre es, wenn Liebe und Toleranz Hass ersetzen würden.

Herzls Traum war es, eines Tages diesen Staat zu errichten, der allen Juden auf der Welt Schutz und Sicherheit bietet, durch den die Hoffnung auf Freiheit und Frieden niemals erloschen sein wird. Heute ist dies kein Traum mehr. Wir haben einen eigenen Staat, ein eigenes Land. Israel sollte damals eine Lösung für den aufkeimenden Antisemitismus werden. Doch stellt sich heute der Antizionismus als eine neue Form des Antisemitismus heraus. Gegen diesen müssen wir eintreten. »Nie wieder« soll ein Genozid am jüdischen Volk verübt werden, Israel muss der Garant dafür sein.

Solange wir reden und tun, dürfen wir nicht vergessen zu träumen. Wie schön wäre es, wenn Liebe und Toleranz Hass ersetzen würden. Wie schön wäre es, wenn wir als Menschen in Frieden und Freiheit miteinander leben würden. Und wie schön wäre es, wenn Jüdinnen und Juden nach Jahrhunderten von Pogromen und Unterdrückung in ihrem einzigen Land zu Hause sein dürften. Lasst uns nicht die Hoffnung verlieren. Und dafür sollten gerade wir junge Juden einstehen.

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschlandund Mitglied im Jungen Forum der Deutsch‐Israelischen‐Gesellschaft.

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