Berlin

Hilfe für Geflüchtete

Rund 20 Familien werden von der Gemeinde betreut. Foto: KAJ

Berlin

Hilfe für Geflüchtete

Wie die Gemeinde Kahal Adass Jisroel ukrainische Familien ganz praktisch beim Ankommen unterstützt

von Elke Wittich  16.03.2023 16:54 Uhr

Wie die meisten Mitglieder ihrer Gemeinde hat auch Anna Segal, Geschäftsführerin von Kahal Adass Jisroel (KAJ), Ende Februar 2022 nicht geglaubt, dass es in der Ukraine Krieg geben werde. Kurz nachdem jedoch genau dies eingetreten war, begann KAJ mit der Hilfe für geflüchtete jüdische Familien. »Ich habe in dieser Zeit kaum geschlafen, wir alle haben kaum geschlafen«, sagt Segal, die als Kind mit den Eltern aus der Sowjetunion nach Deutschland kam.

»Die ganze Gemeinde war mobilisiert, alle wollten helfen, alle waren dabei.« Die ersten Neuankömmlinge konnten noch in einem Hotel untergebracht werden, und als der Platz nicht mehr reichte, mussten Unterkünfte, Mitwohngelegenheiten und Wohnungen gefunden werden. Die, die dem Krieg entfliehen konnten, waren oft traumatisiert, »wir haben zwei Familien aufgenommen, die mit den Omas nach Deutschland gekommen waren. Diese Großmütter waren als Kinder vor der Wehrmacht aus der Ukraine nach Russland geflohen – dass sie jemals vor den Russen nach Deutschland würden flüchten müssen, hätten sie natürlich nicht gedacht«, berichtet Anna Segal.

In der Gemeinde gab es täglich ein warmes koscheres Abendessen für die Geflüchteten.

Ein großer Erfolg war die Hotline, die KAJ in der ersten Zeit des Krieges eingerichtet hatte. Die Telefonnummer sprach sich unter den jüdischen Ukrainern schnell herum, sagt Segal: »Wir erhielten Hunderte Anrufe von Menschen, die irgendwo gestrandet oder schon in Berlin waren und nicht mehr weiterwussten. Konkrete Hilfe war nicht immer einfach, denn nicht alle Anrufer konnten sagen, wo sie sich befanden.«

alltagsdinge In der Gemeinde gab es täglich ein warmes koscheres Abendessen für die Geflüchteten, dazu wurden sie in vielen Angelegenheiten beraten. »Das ging von Alltagsdingen, die natürlich in einer fremden Sprache nicht allein zu bewältigen sind, bis zur Eröffnung eines Kontos oder die Frage nach medizinischer Hilfe«, erinnert sich Anna Segal. KAJ stellte extra eine Sozialarbeiterin ein: »Mehrere Seiten kleingedrucktes Amtsdeutsch sind ja schon für Deutsche eine Herausforderung.«

Für die Kinder war von Anfang an gesorgt worden, die Älteren wurden in der Lauder Beth-Zion-Schule aufgenommen und für die Kleinen Plätze im Lauder Nitzan Kindergarten bereitgestellt.

Für die Kinder war von Anfang an gesorgt worden.

Malka Osipov ist eine der Geflüchteten. Sie kam mit ihrem Mann und den fünf Kindern – das jüngste wurde vor neun Monaten in Berlin geboren – nach Berlin. »Für uns war es wichtig, hier in Deutschland in einer jüdischen Gemeinschaft zu leben, mit Kindergarten und Schule, koscheren Geschäften«, betont sie. »Wir haben so viel Hilfe erhalten, dafür sind wir sehr dankbar.« Rund 20 Familien sind nunmehr bei der KAJ. Arbeiten zu können, gehöre zu den größten Wünschen, weiß Anna Segal. In der Praxis sei »der Berg an Auflagen« allerdings immer noch hoch: »Wir arbeiten uns zwar da durch, aber es geht für den Geschmack der Leute doch etwas zu langsam.«

weiterreise Im Prinzip seien die Ukrainer und Ukrainerinnen bei der Ankunft in Berlin aus dem Bus gestiegen, »und nach einem kurzen Nickerchen fragten sie gleich, wie sie arbeiten können«. Einige, darunter eine Psychologin, eine Erzieherin sowie ein Koch, konnten von der Gemeinde angestellt werden. Segal hat aber auch erlebt, dass IT-Spezialisten gleich weiterreisten, nun in den USA leben und arbeiten.

Manchmal ging alles aber auch ganz einfach: Für ein 16-jähriges Fußball-Talent besorgte die Gemeinde einen Termin zum Vorspielen bei einem Berliner Erstligaverein. »Er konnte kein Wort Deutsch, heute spielt er dort in der Jugend-Mannschaft und hat große Ziele.«

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026

München

Brauchtum zu Besuch

Der Tanz der Schäffler im Hof der Sinai-Grundschule verband auf besondere Weise Geschichte und gelebte Gemeinschaft

von Esther Martel  16.02.2026