Hamburg

»Hannoverscher Bahnhof« eingeweiht

Am Mittwoch wurde der Gedenkort »Hannoverscher Bahnhof« feierlich eingeweiht. Foto: dpa

In der Hamburger HafenCity ist am Mittwoch der Gedenkort »Hannoverscher Bahnhof« feierlich eingeweiht worden. Er erinnert an die Deportation von mehr als 8000 Juden, Sinti und Roma in osteuropäische Konzentrationslager während der NS-Zeit.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nannte den »Hannoverschen Bahnhof« ein »Symbol für ein dunkles Kapitel der Hamburger Geschichte«. Mit dem neuen »denk.mal« könne dieser »Ort des Schreckens und der Mahnung« in das Gedächtnis der Stadt aufgenommen werden.

Zeichen Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nannte den Gedenkort bei der Eröffnung »ein notwendiges Zeichen gegen populistische Parolen und agitatorische Reden«. Im Deutschland des Jahres 2017 seien Antisemitismus und Antiziganismus »leider wieder reale Zustände«, sagte er. Zu beobachten seien »das Schüren von irrationalen Ängsten« sowie eine »demokratiefeindliche Stimmung«.

Nach den Worten von Romani Rose, Präsident des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma, ist historisches Erinnern »immer auch gelebte Verantwortung für die Gegenwart«. Dafür stehe der neue Gedenkort in der HafenCity. »Wir müssen gemeinsam dafür einstehen, dass wir eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht bleiben«, sagte er.

Der »Hannoversche Bahnhof« war im 19. Jahrhundert Ausgangspunkt für alle Zugfahrten ab Hamburg Richtung Süden. Nach dem Bau des nahe gelegenen Hauptbahnhofs 1906 wurde er Güterbahnhof und zum Teil abgerissen. Zwischen 1940 und 1945 starteten von dem abgelegenen Gelände 20 Züge in Richtung Osten.

»Fuge« Für fast alle Deportierten war es eine Zugfahrt in den Tod. Eine 40 Meter lange »Fuge« aus Beton, die den einstigen Bahnsteig markiert, hält die Erinnerung an den ehemaligen Bahnhof wach. In dieser etwa zehn Meter breiten »Fuge« finden sich Tische mit den Namen der Opfer. Von den nachweislich 8083 Deportierten sind 7741 namentlich bekannt.

Entwickelt wurde der Gedenkort gemeinsam mit den Opferverbänden. Dazu zählen die Jüdische Gemeinde, die Roma und Cinti Union, der Landesverein der Sinti und das Auschwitz-Komitee. Es ist bundesweit der erste Erinnerungsort, der sowohl jüdischen Opfern wie auch Opfern der Roma und Sinti gewidmet ist.

Schon 1993 hatte die Deutsch-Jüdische Gesellschaft auf einer Tafel im Hamburger Hauptbahnhof auf den Ort der Deportationen hingewiesen. Im Jahr 2000 wurde bei den Planungen zur HafenCity erstmals über einen Gedenkort diskutiert, eine erste Studie dazu wurde 2004 erstellt. epd

Porträt der Woche

Flucht und Ankunft

Manfred Eisner erzählt vom Exil und seinem neuen Leben in einem kleinen Dorf

von Heike Linde-Lembke  24.05.2026

Ausstellung

Dynamik des Schreckens

Die Jewish Claims Conference und die Französische Botschaft in Berlin zeigen bislang verschollene Aufnahmen vom Beginn der Schoa im Vichy-Regime

von Alicia Rust  24.05.2026

München

Intensiver Austausch

Zum zweiten Mal fand in der Israelitischen Kultusgemeinde die Zusammenkunft der Europäischen Rebbetzinnen-Konferenz statt

von Vivian Rosen  24.05.2026

Erinnerung

Ein verlorener Ort der Geborgenheit

Yael Neeman sprach im Jüdischen Gemeindezentrum über das Leben im Kibbuz

von Nora Niemann  24.05.2026

Berlin

Mahnmal für zerstörte Synagoge beschmiert

Die Sachbeschädigung des Mahnmals am Lindenufer sei am Mittwochmorgen über die Internetwache der Polizei Berlin angezeigt worden

 21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Schawuot

Alles Käse

Ob Oreo-Cheesecake, israelischer Käsekuchen oder Napoleon-Torte: Familien verraten ihre Lieblingsrezepte und erzählen, warum milchige Desserts zum Fest unverzichtbar sind

von Christine Schmitt  21.05.2026