CDU

»Grundrauschen in der Gesellschaft«

Im Gespräch mit CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer: Abraham Lehrer (l.) und Teilnehmer des »Next Step«-Seminars Foto: Gregor Zielke

Gerechte Renten für Zuwanderer, Antisemitismus im Netz, Sicherheit für jüdische Schulen und die Zukunft des Judentums in Deutschland: Beim Treffen der »Next Step«-Teilnehmer am Montagnachmittag mit Annegret Kramp-Karrenbauer in Berlin blieb so gut wie keine Frage offen. Sowohl die jungen Juden als auch die CDU-Bundesvorsitzende waren auf das Gespräch gut vorbereitet.

Letztere hatte Antworten parat, die in vielen Punkten auf Zustimmung stießen – wohl weniger beim Thema Renten und dem Abstimmungsverhalten Deutschlands in den UN in puncto Israel, umso mehr aber beim Thema AfD. Eine Koalition ihrer Partei mit den Rechtspopulisten schloss die CDU-Politikerin klar aus. »Es wird keine Zusammenarbeit mit der AfD geben«, sagte Kramp-Karrenbauer vor den jungen Juden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Gespräch fand im Rahmen der CDU-Aktionswoche »Von Schabbat zu Schabbat – Gemeinsam gegen Antisemitismus« statt, die nach dem Auftakt 2018 in diesem Jahr erneut startete und an diesem Freitag endet. Bis dahin besuchen führende Politiker jüdische Einrichtungen und Veranstaltungen.

Annegret Kramp-Karrenbauer positioniert sich deutlich gegen die Israel-Boykott-Kampagne BDS.

Zustimmung erhielt Kramp-Karrenbauer auch für ihre deutliche Positionierung gegen die Israel-Boykott-Kampagne BDS, die sie als »klar antisemitisch« und »nicht hinnehmbar« bezeichnete. BDS sei »nichts anderes als eine moderne Form von ›Kauft nicht bei Juden!‹«, unterstrich die CDU-Vorsitzende. In deutschen Städten dürften keine No-go-Areas für Juden entstehen: »Das dürfen wir nicht dulden.«

Schächten Auch zum Thema Religionsfreiheit fand die CDU-Chefin klare Worte: Jeder, »egal, welches religiöse Symbol er trägt«, müsse sich frei bewegen können, sagte Kramp-Karrenbauer weiter. Dies sei ihr auch als praktizierende Katholikin wichtig. Zur Religionsfreiheit gehöre, dass man entsprechende Praktiken ausüben könne. Als Beispiele nannte sie die Beschneidung und das Schächten.

Antisemitismus sei »etwas, das wie in so einer Art Grundrauschen in der Gesellschaft zumindest latent vorhanden ist«. Es sei eine permanente Aufgabe, sich damit auseinanderzusetzen und dagegen anzukämpfen. Weil Antisemitismus aus verschiedenen Richtungen komme, müsse es differenzierte Antworten darauf geben.

fragen Zum Schluss wurde Annegret Kramp-Karrenbauer gefragt, wofür sie morgens aufstehe und mit welcher Vision sie antreten werde, falls sie Kanzlerkandidatin werden sollte. Die 56-Jährige blieb in ihrer Antwort relativ allgemein: Als Kind habe sie vor allem den persönlichen Wunsch nach mehr Freiheit verspürt. Später, als sie sich den Tagesrhythmus einer Langschläferin längst abgewöhnt hatte, habe sie es für ihre eigenen Kinder besser machen wollen. Über die Zukunft sagte sie: »Ich will, dass Deutschland besser wird.«

Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, bedankte sich nach dem 90-minütigen Gespräch bei Kramp-Karrenbauer. Er hoffe auf viel Erfolg beim gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und Populismus. »Wir alle wünschen, dass jede Stimme, die den klassischen demokratischen Parteien gegeben wird, eine Stimme weniger für eine FPÖ in Österreich oder für eine AfD in Deutschland ist«, unterstrich Lehrer. Zuvor hatte er hervorgehoben, die jüdische Gemeinschaft sei ab 2015 eingeholt worden von einem »fast explosionsartig angestiegenen Antisemitismus«.

Doch Lehrer wollte die Zukunft für jüdisches Leben in Deutschland dennoch nicht schwarzmalen: Unlängst sei er bei einem Treffen in den USA gefragt worden, ob Juden in Deutschland sich schon auf die Auswanderung vorbereiteten, sagte der Zentralratsvize. Seine Antwort: »So weit sind wir noch nicht« – obwohl ein »gewisses Unwohlsein« bei jungen Menschen durchaus vorhanden sei.

 

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