Jom Haazmaut

Geburtstag im Netz

Das Corona-Desaster macht viele Dinge, die zur Normalität des Gemeindelebens gehören, derzeit unmöglich. Der enge Kontakt zu den Gemeindemitgliedern etwa, der bei Präsidentin Charlotte Knobloch und dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern einen besonders hohen Stellenwert genießt, leidet unter den Beschränkungen.

Abgerissen ist die Verbindung aber nicht, ganz im Gegenteil. Die neue Internet-Plattform »IKG LIVE!« sorgt dafür, dass sie aufrechterhalten wird.

Mit einem Auftritt der Leiterinnen der Erziehungseinrichtungen der Gemeinde, die über den aktuellen Stand im pädagogischen Bereich berichteten und für Fragen aus dem Netz zur Verfügung standen, startete das digitale Projekt der IKG in schwierigen Zeiten außerordentlich erfolgreich. »Die Resonanz war sehr zufriedenstellend«, nahm Charlotte Knobloch die Bilanz der virtuellen Premiere erfreut zur Kenntnis.

INTERESSE Das große Interesse an der »IKG LIVE!«-Plattform bestätigte sich in der vergangenen Woche bei den Übertragungen aus dem Gemeindezentrum anlässlich der Feiertage Jom Hasikaron und Jom Haazmaut, die nicht nur zeitlich miteinander verbunden sind. Ohne die Frauen und Männer, die bei der Verteidigung Israels ums Leben kamen und derer zusammen mit den Opfern von Terroranschlägen am Jom Hasikaron gedacht wird, würde es den Jom Haazmaut nicht geben, sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch vor laufender Internet-Kamera.

Die beiden Online-Veranstaltungen im Abstand von 24 Stunden waren vom Israelischen Generalkonsulat zusammen mit der Israelitischen Kultusgemeinde organisiert worden. Charlotte Knobloch bedankte sich in diesem Zusammenhang beim Jugenddezernat der Gemeinde, der Jugendgruppe Neshama sowie der Zionistischen Jugend Deutschland (ZJD) für ihre tatkräftige Unterstützung bei dem Online-Event.

Sandra Simovich, Generalkonsulin Israels für Süddeutschland, ging bei der Feier zum 72-jährigen Bestehen Israels auch auf politische und wirtschaftliche Aspekte des Landes ein, illustriert durch eingespielte Videosequenzen, die die Vielfalt Israels und seiner Bürger zum Ausdruck brachten.

Und natürlich kam sie auch an der Corona-Krise und den weltweit zu spürenden Auswirkungen nicht vorbei, ganz konkret ablesbar am physischen Mindestabstand, der auch beim Live-Auftritt im IKG-»Studio« eingehalten werden musste.

HEIMAT Mindestabstand zu Israel gibt es nicht – das machte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch bei der Geburtstagsfeier im Internet sehr deutlich. »Israel«, sagte sie, »ist die Erfüllung eines uralten Traums, unsere spirituelle Heimat und damit ein Teil von uns.«

Für Juden weltweit sei die Existenz Israels mit den Begriffen »Freiheit« und »Unabhängigkeit« verbunden, erklärte die Präsidentin der IKG in ihrer Rede zu Israels 72. Geburtstag und bedauerte, dass die Feierlichkeiten wegen des Coronavirus diesmal ohne Tanz und Musik auskommen müssen. »Nirgendwo sonst feiern die Menschen das Leben so ausgiebig, so intensiv und mit solcher Hingabe wie in Israel«, stellte sie fest.

CORONA-KRISE Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern zeigte sich bei der Online-Geburtstagsfeier überzeugt davon, dass Israel die Corona-Krise meistern werde. Die großen Stärken des kleinen Landes, die so nirgendwo auf der Welt ein zweites Mal existierten, seien Einfallsreichtum und Zusammenhalt, der über Grenzen hinausgehe.

»Unsere Solidarität und Unterstützung hatte das Land schon immer und wird sie auch in Zukunft haben. Wir stehen an der Seite Israels, so wie Israel immer an unserer Seite steht«, brachte die Präsidentin ihre Überzeugung zum Ausdruck.

Auch wenn die Geburtstagsfeier zur Staatsgründung Israels ohne Konfetti-regen und Partygäste auskommen musste, war das Interesse der Gemeindemitglieder an der Übertragung im Internet sehr groß. Die IKG kommt dieser Nachfrage entgegen. Alle Sendungen sind auf der Seite www.ikg-live.de abgespeichert und können dort mit den Einwahldaten (Benutzername »ikg«, Passwort »live«) abgerufen werden. Auch bei allen künftigen Veranstaltungen wird es so sein.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch hat im Zusammenhang mit den Einschränkungen durch die Corona-Krise wiederholt darauf hingewiesen, dass innerhalb der Gemeinde der persönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen sei. Zugleich biete das Internet momentan aber die einzige Möglichkeit für eine direkte Verbindung mit den Mitgliedern, beschreibt Knobloch die Situation. Auch für sie ist unklar, wie lange es dauern könnte, bis wieder Normalität einkehrt. »Genau«, sagt sie, »weiß das niemand.«

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