Koalitionsvertrag

Fonds, Feiertage, Städtepartnerschaft

Kai Wegner (CDU) und Franziska Giffey (SPD) stellen den Koalitionsvertrag vor. Foto: picture alliance/dpa

Koalitionsvertrag

Fonds, Feiertage, Städtepartnerschaft

Wie CDU und SPD das jüdische Leben in Berlin weiter stärken wollen

von Christine Schmitt  05.04.2023 12:39 Uhr

»Wir streben eine neue Städtepartnerschaft mit Tel Aviv an«, heißt es im Koa­litionsvertrag von CDU und SPD, der am Montag vorgestellt wurde. Allerdings wird es noch ein Votum der SPD-Mitglieder geben, erst dann ist der Vertrag gültig. Tel Aviv wäre dann Partnerstadt Nummer 18; Los Angeles war im Jahr 1967 die erste Stadt, mit der Berlin eine Partnerschaft einging. Paris, Madrid, Istanbul folgten und zuletzt London im Jahr 2000.

Nun also Tel Aviv. So würden zwei große, moderne und bunte Städte miteinander verbunden werden, wie es bei der Pressestelle der CDU heißt. »Berlins CDU-Chef Kai Wegner hatte schon in der Vergangenheit noch engere Städte-Kontakte mit Israel befürwortet – als deutliches Signal in die Vergangenheit und eine Brücke in die Zukunft«, sagt Elio Adler von der WerteInitiative, der die Verhandlungen mitgestaltete, obwohl er nicht der CDU angehört.

Eine Partnerschaft mit der Hauptstadt Jerusalem hätte hingegen Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg, favorisiert. Das hätte mehr politischen Mut erfordert. »Gerade von einem Berliner Senat unter Führung von Wegner wäre dieser Mut zu verlangen gewesen«, teilt er mit.

Rentenfonds Auch auf andere Themen, die das jüdische Leben betreffen, geht der Koalitionsvertrag ein: So dürfte es Rentnerinnen und Rentner freuen, dass das Land Berlin sich am Härtefallfonds des Bundes für jüdische Kontingentflüchtlinge beteiligen will. »Das wachsende jüdische Leben soll in seiner Vielfalt weiter gefördert und sichtbar gemacht werden«, heißt es an anderer Stelle im Koalitionsvertrag.

Wichtige Baumaßnahmen zur Stärkung des jüdischen Gemeindelebens, insbesondere der Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer, werden unterstützt.

Das Berliner Gesetz über die Sonn- und Feiertage soll dahingehend überprüft werden, dass Angehörige von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften an bestimmten Feiertagen ihres Bekenntnisses vom Ausbildungsverhältnis ganztägig freigestellt werden können, so Adler. »Wir unterstützen auf Landes- und Bezirksebene Projekte der interreligiösen Verständigung wie zum Beispiel den christlich-jüdischen Dialog, die Idee des ›House of One‹ oder die ›Drei-Religionen-Kita‹«, steht ebenfalls in dem Vertrag.

Das Landesantidiskriminierungsgesetz bleibt erhalten und wird weiter fortentwickelt. Die Koalition will die Landeskonzeption »Berlin gegen jeden Antisemitismus!« zur Antisemitismusprävention fortführen und verstärkt umsetzen, um jüdisches Leben in Berlin zu schützen.
Der Schutz jüdischer Einrichtungen wird garantiert. »Wir arbeiten außerdem beispielsweise mit der jüdischen Gemeinde am Runden Tisch gegen antisemitische Gewalt eng zusammen.«

Prävention Die Koalition will dafür sorgen, dass die im Landeskonzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismusprävention festgehaltenen Fortbildungsmaßnahmen für die Polizei gestärkt werden. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes soll über alle bei der Landesantidiskriminierungsstelle gemeldeten antisemitischen Vorfälle sofort informiert werden.

Die vorhandenen Stellen beim Antisemitismusbeauftragten des Landes sollen entfristet werden. Geschulte Pädagoginnen und Pädagogen sollen eine kurzfristige Beratung von von Vorfällen betroffenen Schulen anbieten können und mittelfristig Bildungsangebote externer Träger an diese Schulen vermitteln.

Ziel ist es, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler NS-Gedenkstätten besuchen. Der Senat möchte das bestehende Programm fortentwickeln, damit die Logistik solcher Reisen erleichtert wird.

Der Koalitionsvertrag kann auf www.spd.berlin oder www.cdu.berlin
eingesehen werden.

München

Diplomatie und Freundschaft

Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens lud das israelische Generalkonsulat zu einem Festakt in den Kaisersaal der Residenz

von Luis Gruhler  26.07.2026

Porträt der Woche

Eine Stimme für Israelis

Eliran Hirsh möchte mit seinen Podcasts Landsleute weltweit vernetzen

von Lorenz Hartwig  26.07.2026

Berlin

Rabbinerkonferenz: Berliner Führerbunker jüdischer Gemeinde geben

Was wird aus dem alten Führerbunker in Berlin? Derzeit streiten Senat, Stadtplaner und Denkmalschützer um den richtigen Umgang mit der Ruine. Die Europäische Rabbinerkonferenz schaltet sich nun mit einem Vorschlag ein

 26.07.2026

Bayern

»Es ist Zeit, den Hass zu beenden«

Eine Mahnwache der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zeigte Solidarität mit dem Opfer des israelfeindlichen Verbrechens in der Region Würzburg

von Stefan W. Römmelt  25.07.2026

Alija

Darum bleibe ich

Der 7. Oktober hat unsere Autorin zu einem anderen Menschen gemacht. Und beinahe wäre sie nach Israel ausgewandert. Vieles aber hält sie hier – aus gutem Grund

von Barbara Bišický-Ehrlich  23.07.2026

Interview

»Kiddusch mit Empanadas«

Daniela Rusowsky über die lateinamerikanische Gemeinschaft in Berlin, Melodien aus der Heimat und die Bedeutung von Kabbalat Schabbat

von Mascha Malburg  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026