Köln

Fit für die Youth Games

Noah ist von der ersten bis zur letzten Minute begeistert dabei. Der 16-jährige Torwart aus Berlin kann kaum genug trainieren, denn er will in London bei den European Maccabi Youth Games, die vom 28. Juli bis zum 6. August stattfinden, fit sein. Sportler im Alter von zwölf bis 18 Jahren können teilnehmen.

Er war einer von vielen Makkabi-Sportlern, die vier Tage lang auf dem Gelände der Deutschen Sporthochschule an dem Junior-Großlehrgang teilnahmen und in Köln trainierten. Wetter und Ort waren perfekt: Die Sporthochschule liegt am Stadtrand Kölns, von der Großstadt war nichts zu spüren. Die Rahmenbedingungen hätten nicht besser sein können.

Eines der größten jüdischen internationalen Sportereignisse

Die European Maccabi Youth Games sind eines der größten jüdischen internationalen Sportereignisse und das wichtigste jüdische Sportevent in diesem Jahr. Nachdem im vergangenen Jahr in Duisburg noch ein Sichtungslehrgang stattgefunden hatte, ging es in Köln in erster Linie nicht mehr um die Frage, wer im Juli mit nach London reist, sondern darum, die Sportler optimal auf den Wettkampf in der britischen Hauptstadt vorzubereiten.

Einer, der ganz sicher in London dabei sein wird, ist Noah. Der Fußballer ist Mitglied bei TuS Makkabi Berlin. Für ihn ist es in Köln der dritte Großlehrgang: »Aber es ist immer noch aufregend«, sagt der 16-jährige Torwart, der seit fünf Jahren im Verein spielt und bei der U18 von Makkabi Deutschland dabei ist. Er trainiert mindestens zweimal die Woche, aber wenn es geht, hängt er noch eine dritte Trainingseinheit an. Belastend für ihn ist die Bedrohung des Vereins nach den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober 2023. Heute noch wird unter Polizeischutz trainiert. »Es ist traurig, dass wir immer noch Gegner haben, die gegen uns sind.«

Noah genießt es, beim Großlehrgang mit anderen Makkabi-Sportlern zusammenzukommen. »Alle hier, ob Juden oder nicht, sind miteinander befreundet. Wir verbringen die Abende miteinander. Es ist einfach schön.« Am Wettbewerb auf dem Platz ändert das allerdings nichts. Jeder gibt dort sein Bestes.

Elli ist die neue Jugend­referentin bei Makkabi Deutschland. Alles, was mit Jugendarbeit zu tun hat, landet bei ihr. »Wir schauen nach vorn, wir wollen uns nicht verstecken.« Sicherheitspersonal ist allerdings immer dabei. »Die Youth Games haben eine große Bedeutung, auch in Hinblick auf die Makkabiade, die im kommenden Jahr in Jerusalem stattfindet. Dort werden wir mit Jugendteams antreten und wollen möglichst viele Medaillen sammeln, um zu zeigen, was für eine starke Sportarbeit wir leisten.«

100 Junioren sind am Start, die sich auf die Sommerspiele freuen.

Aus Dortmund ist der 14-jährige Boris nach Köln gekommen. Er spielt Tischtennis in der Bezirksliga beim DJK Roland Rauxel. »Seit August vergangenen Jahres bin ich auch in der Tischtennisabteilung von Makkabi Deutschland.« Nach London zu fahren, sagt Boris, sei sein Ziel gewesen: »Meine Mutter ist Schachspielerin und war auch einmal bei den Youth Games dabei.« Sie hatte ihm gesagt, wenn er nach London wolle, müsste er sich bei Makkabi Deutschland qualifizieren. »Und das habe ich dann gemacht.«

Eine Medaille im Tischtennis

Er geht davon aus, dass Makkabi im Tischtennis eine Medaille erreichen kann. Er freut sich auf London: »Es ist ein großes Treffen der jüdischen Community, und ich freue mich, dabei sein zu können.« Besonders, weil er dann Tischtennis auf höchstem Niveau spielen kann: »Das ist mein Sport, und ich liebe ihn.«

Auch Makkabi-Präsident Alon Meyer ist von der Atmosphäre in Köln begeistert: »Die Stimmung ist unglaublich. 100 Junioren, die sich auf die European Maccabi Games in diesem Sommer in London vorbereiten. Judo, Basketball, Fußball, Tennis, Tischtennis, Schwimmen und noch viel mehr: Ob Techniktraining, Kraftausdauer oder Intervalle – wir geben unser Bestes, um unser Leistungsniveau zu steigern und neue Standards für die deutsch-jüdische Sportauswahl zu setzen.«

Nach dem Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober sei es wichtig, nicht nur im Krisenmodus zu reagieren, sondern zu zeigen, dass man sich treffe, gemeinsam Sport treibe und die jüdischen und demokratischen Werte der Toleranz, des Fairplays und der Gemeinschaft lebe.

Während sich die Sportler von Makkabi auf die Youth Games in London vorbereiten, sind ihre Herzen in Israel bei den Geiseln und ihren Angehörigen: »Seit mehr als 200 Tagen hält die Terrororganisation Hamas 132 Bürgerinnen und Bürger Israels gefangen, darunter deutsche Staatsangehörige. Unter ihnen befinden sich Frauen, Ältere und ein Säugling. Von unserem Junioren-Großlehrgang senden wir den Geiseln, ihren Angehörigen und allen von Antisemitismus Betroffenen ein starkes Signal: Wir haben sie nicht vergessen.«

Seit dem 7. Oktober 2023 sei der Antisemitismus weltweit explodiert. Hunderttausende gingen mit einer Botschaft des Hasses gegenüber Israel auf die Straße. Der Staat Israel wird vor dem Internationalen Gerichtshof auf die Anklagebank gesetzt. »Diese Eskalation des Antisemitismus zeigt sich auch wiederholt und teils mit körperlicher Gewalt an deutschen Universitäten«, so Alon Meyer.

Und weiter: »Auch und gerade deswegen ist es immens wichtig, dass Makkabi-Sportler aus der ganzen Welt in London mit dem Davidstern auf der Brust die jüdische Gemeinschaft repräsentieren und ein Zeichen des unumstößlichen Zusammenhalts senden. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir sind hier! Wir sind stolze deutsche Juden.«

Gemeindetag

Zusammen füreinander

Vom 17. bis zum 20. Dezember treffen sich Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Berlin – für viele wird es ein lang ersehntes und freudig erwartetes Wiedersehen

von Katrin Richter  09.07.2026

Machanot

Kleine Auszeit

Die Koffer sind gepackt, gut gelaunt fahren die Kinder ins Ferienlager. Doch auch die Eltern haben Pläne, wollen renovieren, verreisen oder finden ein neues Hobby. Wir haben uns umgehört

von Christine Schmitt  09.07.2026

Maccabiah

»Jetzt erst recht«

Die Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland sind hoch motiviert. Für manche ist es nicht das erste Mal, dass sie in Israel dabei sind – bei den Medaillen spielen sie ganz vorn mit

von Sabine Brandes  08.07.2026

Programm

Schostakowitsch, Punk und Nathan in der Schwebebahn: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 9. Juli bis zum 16. Juli

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026

München

»Auf geht’s – an die Arbeit!«

Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen neuen Vorstand gewählt. Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin im Amt bestätigt

von Leo Grudenberg  07.07.2026

Rabbinerausbildung

Levinson-Stiftung als Institut an der Uni Potsdam anerkannt

Neuer Meilenstein für die Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren

 07.07.2026

Bayern

Die jüdische Gemeinde München hat einen neuen Vorstand gewählt

Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bestätigt

 06.07.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Die Kraft der Sichtbarkeit

Rivkah Schwarzbart entwirft seit dem 7. Oktober jüdischen Schmuck und lebt in München

von Katrin Diehl  05.07.2026