Baden-Württemberg

»Es kann jederzeit wieder passieren«

Nach dem Anschlag auf die Ulmer Synagoge werden die Schutzmaßnahmen massiv verstärkt

von Eugen El  08.06.2021 17:50 Uhr

Die Synagoge am Weinhof in Ulm Foto: imago/Jochen Tack

Nach dem Anschlag auf die Ulmer Synagoge werden die Schutzmaßnahmen massiv verstärkt

von Eugen El  08.06.2021 17:50 Uhr

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Ulm am vergangenen Samstagmorgen fahndet die Polizei weiterhin nach dem Brandstifter. »Es gibt gewisse Spuren, die aber nicht sofort Rückschlüsse auf den Täter ermöglichen. Wir haben Spuren gesichert, wir haben auch die Videoaufnahme«, sagte Baden-Württembergs Landeskriminaldirektor Klaus Ziwey am Dienstag der Jüdischen Allgemeinen.

Das seien Ansatzpunkte für die Täterermittlung. »Wir ermitteln mit großem personellem Einsatz und Fachexpertise«, betonte Ziwey. Spezialisten des Staatsschutzes, Cybertechnik und der Kriminaltechnik seien beteiligt. Das Landeskriminalamt unterstütze die Ermittlungen intensiv.

»Wir wissen nicht, wer der Attentäter ist. Coronabedingt ist er mit Maske und Hoodie aufgetreten, so dass man nichts von ihm sehen kann«, sagte Susanne Jakubowski, Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), dieser Zeitung.

SCHUTZMASSNAHMEN In Ulm sind laut Klaus Ziwey die Schutzmaßnahmen an der Synagoge noch einmal massiv verstärkt worden. Landesweit variierten die Maßnahmen: »Die Polizei passt die Gefährdungsbewertung fortlaufend an – im Dialog mit den Ansprechpartnern und Gemeinden vor Ort, wir machen keine Bewertung, die länger und pauschal Bestand hat.«

Susanne Jakubowski berichtet: »Wir haben an unseren Sicherheitsvorkehrungen erst einmal nichts geändert. Wir haben seit Januar 2020 einen zusätzlichen Sicherheitsvertrag mit dem Land Baden-Württemberg. Nach Halle hat man uns verstärkt zu verstehen gegeben, dass man uns finanziell unterstützen will – mit baulichen und auch technischen Maßnahmen, aber auch personell.«

Klaus Ziwey betont die Bedeutung von Ansprechpartnern in den Polizeirevieren, die in engem Kontakt mit den jüdischen Gemeinden stehen.

»Wir gehen nach einer Prioritätenliste vor und arbeiten sie ab. Wir verstärken alle unsere Zweigstellen, ungeachtet des Vorfalles in Ulm«, so Jakubowski. Andere Sicherheitsmaßnahmen hätten den Anschlag in Ulm nicht verhindern können, meint sie: »Bei uns sitzt niemand 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche im Pfortenraum und beobachtet die Kameras. Es hätte keiner gemerkt, deswegen kann es jederzeit wieder passieren.«

ANSPRECHPARTNER Landeskriminaldirektor Klaus Ziwey betont die Bedeutung von Ansprechpartnern in den lokalen Polizeirevieren, die in engem Kontakt mit den jüdischen Gemeinden stünden: »Bei einem Anschlag wie in Ulm werden die Ansprechpartner landesweit aktiviert. Sie gehen sofort zu ihren jüdischen Gemeinden und suchen dort das Gespräch. Sie fragen, was wir tun können und sollen.«

»Das ist für uns mindestens genauso wichtig wie der Streifenwagen, der sichtbar vor der Synagoge steht. Juden sollen nicht nur sicher sein, sondern sich auch sicher fühlen«, unterstreicht Ziwey.

IRGW-Vorstandsmitglied Susanne Jakubowski würdigt unterdessen die Reaktionen aus der Ulmer Stadtgesellschaft nach dem Brandanschlag: »Noch nie gab es so viele Solidaritäts-E-Mails und spontan geäußerten Rückhalt!«

Hilfe

ZWST finanziert »Tiny Houses« für Flutopfer

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden stellt zehn Mobilheime für Betroffene in der Gemeinde Kall zur Verfügung

 30.11.2021

Berlin

Chanukka am Brandenburger Tor

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas entzündete das erste Licht

 28.11.2021

Erinnerung

Vor aller Augen

Stadt und Israelitische Kultusgemeinde gedachten der ersten Deportation von Münchner Juden am 20. November 1941 nach Kaunas

von Helmut Reister  27.11.2021

Porträt der Woche

Mit Klischees aufräumen

Ariella Naischul studiert Jura in Heidelberg und setzt sich für Inklusion ein

von Brigitte Jähnigen  27.11.2021

Ratsversammlung

Signale für die Zukunft

Das oberste Entscheidungsgremium des Zentralrats tagte in Frankfurt – ohne Gäste und mit 2G plus

von Detlef David Kauschke, Eugen El  25.11.2021

Sport

»Eine große Euphorie«

Himar Ojeda über das Basketballspiel Alba-Maccabi, zwei neue Spieler und israelische Fans

von Ralf Balke  25.11.2021

Neukölln

Vereint im Aleph

Das Muslimisch-Jüdische Festival Berlin gab Einblicke in die Vielfalt der Communitys

von Jérôme Lombard  25.11.2021

Jüdische Kulturtage

Zwölf vorsichtige Tage

Die Veranstalter ziehen der Lage entsprechend eine positive Bilanz

von Joshua Schultheis  25.11.2021

Bildung

Corona bestimmt den Stundenplan

Wie gehen Schulen mit der vierten Welle um? Wir haben in Düsseldorf, Frankfurt und Berlin nachgefragt

von Christine Schmitt  25.11.2021