Ehrung

Erinnerung in der Gervinusstraße

Enthüllung der Namenstafel Foto: Mike Minehan

Der Park an der Gervinusstraße ist umbenannt worden: Margarete-und-Arthur-Eloesser-Park heißt er jetzt zu Ehren des jüdischen Ehepaares. Zuvor war ein Stolperstein vor dem Haus Lietzenseeufer 1 für Margarete gelegt worden. Das war ihre Adresse in Berlin gewesen.

Die jüdische Lyrikerin und Verfasserin von Kinderstücken hatte davor zusammen mit ihrem Mann Arthur Eloesser in der Dahlmannstraße gelebt. Er war Anfang der 20. Jahrhunderts einer der großen Berliner Theater- und Literaturkritiker, der auch international hohes Ansehen genoss.

kulturleben Nachdem er vom deutschen Kulturleben nach 1933 offiziell ausgeschlossen worden war, engagierte er sich bis zu seinem Tode journalistisch und hielt Vorträge im Kulturbund Deutscher Juden. Für die Vossische Zeitung hatte Eloesser geschrieben, als die Nazis an die Macht kamen, blieb ihm nur noch die Jüdische Rundschau.

Mit »wachen Augen ist Arthur durch seine Stadt Berlin gegangen und hat die Atmosphäre eingefangen«, berichtete der Antiquar und Literaturwissenschaftler Horst Hans Olbrich, der sich für die Umbenennung des Parks eingesetzt hatte.

Die Nazis stuften dann seine Werke als »verbrennungswürdig« ein. Trost und Zuflucht suchte der promovierte Germanist in der Rückbesinnung auf sein Judentum. Der 68-Jährige starb 1938, seine Frau Margarete blieb in Berlin alleine zurück.

Ihre Tochter war bereits nach Uruguay ausgewandert und ihr Sohn nach Palästina. Die Tochter bemühte sich vergebens um ein Visum. Margarete Eloesser wurde 1942 nach Riga deportiert und ermordet.

stolpersteine Für die Nachkommen seien die Stolpersteine und die Parkbenennung wichtige Symbole der Erinnerung, sagt Enkel Michael Eloesser. »Dass meine Großeltern rund 70 Jahre danach nicht vergessen sind, ist eine beachtliche Geste.« Sein Großvater werde so als »rundum mit Deutschland verbundener Schriftsteller anerkannt. Das ist eine große Genugtuung für ihn.«

Auch Enkelin Irene Freudenheim ist aus São Paulo angereist, ihre Töchter und Enkel kamen extra aus Israel. Ihr war diese Feier »sehr wichtig, besser als irgendeine Wiedergutmachung«. Schließlich sei der Park auch noch in der Nähe von der Straße, wo sie so viele Jahre gewohnt, ihre Kinder auf der Wiese gespielt haben und so glücklich waren.

Programm

Lesung, Führung, Erinnerung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Januar bis zum 22. Januar

 14.01.2026

Berlin

»Wie es wirklich war«: Schoa-Überlebende als Hologramme  

Wie es mit dem Erinnern an die NS-Verbrechen weitergeht, wenn diejenigen, die aus erster Hand berichten können, nicht mehr da sind, wird bei einer Konferenz in Berlin erörtert

von Leticia Witte  14.01.2026

Ignatz-Bubis-Preis

»Den Menschen und dem Leben zugewandt«

Salomon Korn hat die Auszeichnung der Stadt Frankfurt am Main erhalten. Wir dokumentieren hier die Laudatio seines langjährigen Weggefährten Dieter Graumann

von Dieter Graumann  13.01.2026

ZWST

»Wir müssen wütender werden«

Ricarda Theiss, Leiterin des Fachbereichs Frauen, über die Praxis Sozialer Arbeit, Alltagserleben und patriarchalische Machtverhältnisse

von Katrin Richter  13.01.2026

Erinnerungskultur

Bund fördert Projekte zu NS-Zeit und deutscher Teilung

Der Bund fördert in den kommenden Jahren neue Projekte in Gedenkstätten

 13.01.2026

Auszeichnung

Vier Deutsche mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr werden vier Personen und eine Initiative geehrt

 13.01.2026

Bergen-Belsen

Bahn-Neubau: KZ-Gedenkstätte mahnt Abstand zu Gedenkort an

Die Bahn will voraussichtlich mit einem Neubau die Strecke zwischen Hamburg und Hannover ertüchtigen. An den Plänen gibt es auch Kritik. Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen sieht einen historischen Erinnerungsort in Gefahr

von Karen Miether  13.01.2026

Berlin

Wedl-Wilson: Kampf gegen Antisemitismus dauert lange

Ein Untersuchungsausschuss zur Vergabe von Fördermitteln für Antisemitismusprojekte unter Wedl-Wilsons Vorgänger, Joe Chialo, wurde eingesetzt

 13.01.2026

Gespräch

Der Stoff, aus dem die Albträume sind

Die Schriftstellerin Zeruya Shalev und ihre Übersetzerin Anne Birkenhauer diskutierten aus aktuellem Anlass über den Roman »Schicksal«

von Helen Richter  12.01.2026