Stuttgart

»Er sagt, was er denkt«

Gemeinde feierte Meinhard Tennés 90.

von Christina Jungkurth  27.05.2013 19:53 Uhr

Liebt offene Worte im Dienste der Sache: Meinhard Mordchai Tenné Foto: privat

Gemeinde feierte Meinhard Tennés 90.

von Christina Jungkurth  27.05.2013 19:53 Uhr

»Nicht über uns, mit uns soll man sprechen«, forderte der Alt-Landesrabbiner Joel Berger in seiner Laudatio von denen, die das Judentum verstehen möchten. Mit Meinhard Mordechai Tenné hat am Sonntag ein Mann seinen 90. Geburtstag gefeiert, der schon sein Leben lang für Verständnis zwischen den Religionen wirbt – indem er mit anderen redet. Der ehemalige Vorstandssprecher der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) wurde am Sonntag in Stuttgart von Freunden, Familie und Politikern geehrt.

Alle Redner waren sich einig: Meinhard Tenné ist ein Mann des Dialogs. EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) bezeichnete Tenné als jemanden, der »mit Maß und Ziel seine Botschaft vertritt«, und würdigte sein Bemühen um die Integration der osteuropäischen Juden in die Gemeinde. Wo der Staat aus Überforderung die Grenzen bald dichtgemacht habe, habe die Gemeinde ihr plötzliches Anwachsen um das Drei- bis Vierfache bewältigt. Joel Berger lobte Tennés Verdienste um die Lehre der jüdischen Religion in Baden-Württemberg.

Verdienste Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) betonte Tennés großes Verdienst um den Dialog zwischen den Religionen: »Hass, Ablehnung und Rassismus entstehen aus Unkenntnis«, sagte Kuhn. Tennés Leben sei immer gegen die Unwissenheit gewandt gewesen. »Sie sind Aufklärer geblieben und nicht in Resignation versunken. Darum sind Sie für diese Stadt und diese Gemeinde so wichtig.« Karl-Hermann Blickle vom Stuttgarter Lehrhaus nannte Tenné einen Brückenbauer.

Die Vorstandssprecherin der IRGW, Barbara Traub, überbrachte Grüße vom Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann. Dieser charakterisierte Tenné als einen »Mann, der sagt, was er denkt und denkt, was er sagt. Der aber auch versteht, wenn andere anders denken.«

Entschuldigung Tenné selbst bat in seiner Rede jene um Entschuldigung, die er möglicherweise mit seinen offenen Worten verletzt habe. »Es ging mir immer um die Sache und nicht um Personen«, sagte er. Es sei notwendig, die Unterschiede untereinander zu verstehen und die anderen als Partner zu sehen.

Allerdings beobachte er einen latenten Antisemitismus und antiisraelische Tendenzen in der Gesellschaft, die sich aus Unwissenheit speisten. Während niemand über Fußball spreche, ohne sich damit auszukennen, »darf über Juden und Israel jeder reden, ohne nur die geringste Ahnung zu haben«. Menschen diese Ahnung zu vermitteln ist auch mit 90 Jahren noch Tennés Berufung. Er wirkt nicht, als wolle er damit aufhören.

Köln

Webinare zu #2021JLID

1700 Jahre jüdisches Leben: Online-Informationen über Förderanträge zum Festjahr

 27.03.2020

Service

Einladung zum Beten und Lernen

Gemeinden bieten Zoom-Dienste zum gemeinsamen Dawnen an

von Heide Sobotka  27.03.2020

Sandbostel

Gedenken im Internet

Die Gedenkstätte erinnert an die Befreiung vor 75 Jahren unter anderem mit einer virtuellen Ausstellung

 26.03.2020

München

Newsletter, Notlage, Nachbarn

Meldungen aus der IKG

 26.03.2020

Konzert

»Jeder hört ein Lied anders«

Idan Raichel versteht es immer wieder aufs Neue, das Publikum musikalisch in seinen Bann zu ziehen

von Ellen Presser  26.03.2020

Corona-Krise

Besondere Situation

Die IKG macht ihren Mitgliedern ein umfangreiches Service-Angebot

von Helmut Reister  26.03.2020

Stuttgart

Kreativität fördern

Psychotherapeutin Barbara Traub spricht über Einschränkungen und Chancen in der Corona-Krise

von Brigitte Jähnigen  26.03.2020

Homeoffice

(Nicht) allein zu Haus

Fünf Rabbiner und eine Rabbinerin erzählen, wie die Corona-Pandemie ihre Arbeit verändert hat

 26.03.2020

Bayern

»Wir wollen in Kontakt bleiben«

Der Jüdische Studentenverband hilft den Älteren in der Corona-Krise – und es entstehen Freundschaften

von Jérôme Lombard  26.03.2020