Würdigung

»Er brachte Menschen zusammen«

Benjamin »Beni« Bloch sel. A. (1943–2019) Foto: ZR

»Schick dein Brot über das Wasser, so wirst du es nach langer Zeit finden« – viele werden sich an Momente erinnern, als Beni Bloch sel. A. diesen Vers aus Kohelet auf Deutsch oder Iwrit zitierte. Über die Jahre hinweg, in denen ich mit Beni Seite an Seite zusammenarbeiten durfte, wurde mir deutlich, dass dieser Vers Benis Lebenswerk womöglich am besten zusammenfasste.

In den vergangenen Wochen wurde vieles über die zahlreichen und erfolgreichen von Beni initiierten Projekte, Seminare und Veranstaltungen vorgetragen. Für Alt und Jung. In Deutschland, Israel oder dem Ausland. Sinnbildlich auf den eingangs genannten Vers übertragen, waren diese Initiativen das Wasser, das das Brot trug.

Mal war dieses stürmisch, wellig, mal ruhig, tief oder seicht. Doch viel ausschlaggebender ist die Tatsache, dass sich die jüdische Gemeinschaft in Deutschland bis heute und mit G’ttes Hilfe auch in der Zukunft von diesem Brot nährt. Beni Bloch sel. A. hat ein Fundament geschaffen, das die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nachhaltig trägt.

NETZWERK Ich denke hier insbesondere an das ausgeprägte ehrenamtliche Netzwerk und die vielen professionalisierten Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in den Gemeinden, die maßgeblich durch die ZWST initiiert und ausgebildet wurden. Es sind genau die Menschen, die die vielen kleinen und mittelgroßen jüdischen Gemeinden heute tragen.

Ich denke an die Tausende von Madrichim, die die von Beni verankerten Leitlinien unserer Hadracha von Generation zu Generation bis heute weitergeben.

Ich denke an die vielen Menschen, die Beni zusammenbrachte, woraus Ehen und Familien entstanden, aus denen sich bis heute der Nachwuchs unserer Gemeinden generiert.

Beni Bloch sel. A. widmete sein Leben der ZWST. Sein Werk wird von sehr langer Wirkung sein.

Beni sah nicht nur seine ehemaligen durch ihn ausgebildeten Chanichim, wie diese Verantwortung für die jüdische Gemeinschaft übernahmen, nein, er sah die Kinder seiner Chanichim, wie sie die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland gestalteten. Das von Beni versandte Brot findet bis heute und darüber hinaus sein Ziel.

WIRKUNG Über Benis Errungenschaften und Erbe wurde und wird sicherlich noch viel geschrieben werden. In Erinnerung wird uns jedoch insbesondere die Art und Weise – der Weg –, wie Beni diese Ziele erreichte, bleiben. Die ZWST war für Beni weit mehr als ein Job. Beni widmete sein Leben der ZWST. All diejenigen, die mit Beni tagtäglich an seinem Lebenswerk arbeiten durften, waren Zeitzeugen seines großartigen Wirkens.

Dies galt in spezieller Weise für die Mitarbeiter in der Hebelstraße 6, der Hauptgeschäftsstelle der ZWST in Frankfurt. In Erinnerungen werden uns daher die vielen Sitzungen und Reisen bleiben, bei denen Beni mit seinem einzigartigen Charakter  überraschte, verhandelte und nicht zuletzt sein Gegenüber fast immer überzeugte.

Ich hatte das große Privileg, mit Beni zusammenzuarbeiten und viel von ihm zu lernen.

So wird es unvergessen bleiben, wie Beni seine Mitarbeiter stets eindringlich aufforderte, nicht zu viel zu »planen«, sondern »Tacheles zu machen«. Denkwürdig bleiben die Momente, als Beni sein grünes und rotes Telefonbuch zückte, um Menschen auf der ganzen Welt zusammenzubringen.

HIGHLIGHTS Reisen waren besondere Highlights. Wenn genügend Zeit war, bevorzugte es Beni, nicht die direkten Wege über die Autobahn, sondern die landschaftlich attraktiveren Strecken entlang der Landstraßen zu nehmen. So erinnere ich mich gut, wie Beni mir auf einer gemeinsamen Reise in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn die Lieblingsimbissbuden des früheren ZWST‐Vorsitzenden Heinz Galinski sel. A. abseits der Autobahn zeigte.

Eine der letzten gemeinsamen Erlebnisse mit Beni wird mir stets in besonderer Erinnerung bleiben.

Zentrum seines Wirkens war der Besprechungstisch in seinem Büro im ersten Stock. So kam es nicht selten vor, dass sich an diesem Tisch ein Telefonat mit einem israelischen Partner, ein Antrittsbesuch des neuen Präsidenten der Diakonie und ein interner Besprechungstermin zur Vorbereitung des Jugendkongresses überschnitten. Ergebnis dieser ungewollten Zusammentreffen waren oft völlig neue Projektideen mit allen Beteiligten.

Ich hatte das große Privileg, viereinhalb Jahre von Beni zu lernen. Beni hat mir alle Aufgabenfelder der ZWST gezeigt, mich stets den Menschen vorgestellt und mir damit Türen geöffnet. Externe Versuche, uns beide auseinanderzudividieren, waren nicht im Ansatz erfolgreich.

DANKBARKEIT Wir beide mögen sehr unterschiedliche Menschen sein, je länger wir miteinander arbeiteten, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass wir zwar sehr verschiedene Charaktere sind, aber häufig ähnlich denken. Ich bin Beni unglaublich dankbar, dass ich fast fünf Jahre von seinem großen Erfahrungsschatz lernen durfte.

Wir, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der ZWST, werden die Arbeit in seinem Sinne fortsetzen. Die enge Zusammenarbeit mit israelischen Partnern wollen wir fortsetzen, um die Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mit dem Staat Israel auch zukünftig zu festigen. Hierfür setzen wir auf die vielen heute Anwesenden. Bleibt der ZWST treu, wir brauchen euch mehr denn je!

Eines der letzten gemeinsamen Erlebnisse mit Beni wird mir stets in besonderer Erinnerung bleiben. Zusammen mit Yaki und Lea Hod sowie Benis langjähriger Sekretärin Vivi Katz überraschten wir Beni zu seinem 76. Geburtstag während seines Reha‐Aufenthaltes am Tegernsee südlich von München – und bereiteten ihm damit eine wirklich große Freude. Wir unterhielten uns wie immer über Eintracht Frankfurt, deutsche Politik, die anstehenden Europawahlen, und zu guter Letzt sagte Beni ein letztes Mal zu mir: »Schick dein Brot über das Wasser, so wirst du es nach langer Zeit finden.«

Der Autor ist Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Die Rede von Aron Schuster war Teil einer Gedenkveranstaltung zu Ehren von Benjamin »Beni« Bloch am Sonntag in Jerusalem.

Geschichte

Würzburg gibt Raubkunst an Jüdische Gemeinde zurück

Der Zentralrat der Juden lobt die Rückgabe als »ein wichtiges Signal« und Vorbild für andere Kommunen

von Tobias Kühn  26.06.2019

Brandenburg

Erster jüdisch‐christlich‐muslimischer Garten eröffnet

In dem bundesweit einmaligen »Garten des Buches« wachsen Pflanzen, die in Tora, Bibel und Koran erwähnt werden

 26.06.2019

Weimar

Auschwitz Komitee verurteilt Angriff auf Gedenkprojekt

Unbekannte hatten mehrere Bäume des »1000 Buchen«-Projekts beschädigt

 26.06.2019