Benjamin »Beni« Bloch

Ein Bulldozer mit großem Herzen

Im Oktober 2018 ging für Beni Bloch (2.v.r.) mit der Einbringung der Torarolle für Bad Sobernheim ein großer Traum in Erfüllung. Foto: Rafael Herlich

Benjamin Bloch und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) waren jahrzehntelang Synonyme. Sein Engagement für junge Menschen und ab Beginn der 90er‐Jahre für die Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion war und blieb 44 Jahre Blochs ureigenes Anliegen. Hinzu kamen sein steter Kampf für soziale Gerechtigkeit, Senioren und Bildung für Kinder sowie seine tiefe Liebe zu Israel. Viele Juden in Deutschland, die heute zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, können sich ein Machane oder einen »March of the Living« ohne Benjamin Bloch gar nicht vorstellen. Am 6. April ist er 76‐jährig in Frankfurt gestorben.

Beni, wie er sich nennen ließ, denn er war in Gesprächen schnell beim Du, war eine Institution, ein Fels in der Brandung vieler jüdischer Sozialveranstaltungen. Der Zentralrat der Juden, die Zentralwohlfahrtsstelle und jüdische Organisationen trauern um einen großen Menschen. »Beni Bloch hat sein Leben der jüdischen Gemeinschaft verschrieben«, heißt es aus der ZWST. 18 Jahre arbeiteten Abraham Lehrer und Bloch zusammen. Der ZWST‐Präsident nannte seinen Kollegen eine »herausragende Führungspersönlichkeit und Vorbild mit sozialem Gewissen und jüdischer Seele«. Er habe 30 Jahre lang als Direktor »Unglaubliches« geleistet.

»Beni hat 30 Jahre lang als Direktor Unglaubliches geleistet.« Abraham Lehrer

»Mit tiefer Betroffenheit« reagierte der Zentralrat der Juden auf die Todesnachricht. »Beni Bloch hatte sein Leben der jüdischen Sozialarbeit gewidmet. Er schonte sich nicht, wenn es darum ging, sich für die jüngere Generation oder jüdische Zuwanderer einzusetzen«, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster. »Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie.«

Beni Bloch war schon seit einigen Jahren sehr schwer krank. Doch er schien sich zwischendurch immer wieder zu erholen. Er war präsent, auch wenn er sein geliebtes Amt als ZWST‐Direktor im Juni vergangenen Jahres dann offiziell aufgeben musste.

Treffpunkt Der Jugendkongress, Hilfe für traumabelastete Menschen, Unterstützung für die Zuwanderer, all das koordinierte er von Frankfurt aus, wo er seit 1958 lebte. Geboren wurde er am 14. Februar 1943 in Jerusalem. Als er 14 war, zog die Familie nach Frankfurt. Er studierte Pädagogik, Geschichts‐ und Politikwissenschaft und war immer Praktiker, kämpfte für vieles und gegen vieles, hielt mit seiner Meinung nie hinterm Berg. Einen »Bulldozer« nannte ihn Abraham Lehrer liebevoll bei der Verabschiedung Ende Oktober 2018 in Bad Sobernheim. »Beni ist offen und ehrlich und bisweilen ein Bulldozer, im privaten wie beruflichen Teil seines Wirkens. Wenn ihn etwas stört oder gar ärgert, schenkt er reinen Wein ein und geigt dem Gegenüber die Meinung.«

Der verstorbene Zentralratspräsident Paul Spiegel sagte einmal über Bloch: »Der Mensch besteht zu mehr als 70 Prozent aus Wasser. Beni besteht zu mehr als 70 Prozent aus Herz.« Zu seinem 75. Geburtstag im vergangenen Jahr wünschte sich Bloch nichts für sich, sondern Spenden, um eine Torarolle für Bad Sobernheim erwerben zu können. Sie konnte zu seiner Abschiedsparty im Oktober eingebracht werden.

Die 70 Prozent Herz wurden von einem großen Ideenreichtum für soziale Themen begleitet. 1974 hatte ihn der legendäre ZWST‐Präsident Max Willner als Jugendreferent in den jüdischen Sozialverband geholt. Gemeinsam bauten sie Kinder‐ und Jugendfreizeiten auf. 14 Machanot‐Teilnehmer zählten sie in den Aufbaujahren, heute reisen rund 1000 Kinder nach Bad Sobernheim, nach Italien oder Israel. Generationen von Jugendlichen verbinden Beni Bloch mit den Ferienfreizeiten.

Israel Wie schon zum 60. begleitete Bloch auch zum 70. Jahrestag Israels eine Jugendgruppe in sein Geburtsland. Die Bindung der jüdischen Jugend in Deutschland zu Israel müsse gestärkt werden, sagte er kurz vor der Abreise. Er befürchtete, »dass es auch in unserer Jugend Tendenzen gibt, sich ein wenig von Israel zu distanzieren«. Umso wichtiger war ihm, den jungen Juden »einen Eindruck von der aktuellen Situation im Staat zu vermitteln und Israel aus den verschiedenen Perspektiven zu zeigen«.

Ob Israel oder die Reisen zur KZ‐Gedenkstätte Auschwitz, bei denen Bloch die jungen Leute das eine oder andere Mal begleitete – es waren nie nur Fahrten zu einem politischen Ort. Stets war er für die Menschen Ansprechpartner und Mentor mit einem offenen Ohr für ihre Sorgen und Mitgefühl, und immer hatte er ein Konzept zur Stärkung der jüdischen Identität im Gepäck.

Wiewohl im Großvateralter, zeigte er sich offen für die jüdische Version des Eurovision Song Contest und richtete die ersten Versionen der Jewrovision aus, bevor der Zentralrat den Gesangswettbewerb übernahm.

Zuwanderer Als Anfang der 90er‐Jahre Juden als sogenannte Kontingentflüchtlinge aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen, kümmerte sich Bloch um sie. Es war ihm daran gelegen, sie nicht als Bedürftige oder gar als Bittsteller zu betrachten, und so richtete er Kurse für verschiedene Berufsgruppen wie Ärzte, Ingenieure oder Pädagogen ein. Bloch regte die Gründung eines Orchesters an, veranstaltete Ausstellungen mit Werken von Zuwanderern. Er habe den Spagat hinbekommen, die Zuwanderer zu integrieren, ohne die alteingesessenen Mitglieder der Gemeinden zu vergessen, kommentierte Zentralratspräsident Schuster.

Traumabelastete Senioren finden Verständnis und Hilfe in den Treffpunkten für Schoa‐Überlebende, die auf eine Idee von Bloch zurückgehen. 2005 zeichnete ihn Hessens Ministerpräsident Roland Koch in Anerkennung seiner Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz aus.

2005 erhielt Beni Bloch das Bundesverdienstkreuz.

Beni Bloch hat immer in die Zukunft geschaut und sogar noch darüber resümiert, ob er nicht nach seinem Abschied von der ZWST Deutschland‐Repräsentant von Magen David Adom werden könne. Doch gerade in letzter Zeit schwand seine Zuversicht. Das Erstarken der AfD, der zunehmende Rechtspopulismus und die grassierende Israelfeindlichkeit machten ihm Sorgen. »Es herrscht eine große Diskrepanz zwischen der offiziellen Staatsräson und der Meinung der Straße«, warnte er.

Es gebe noch viel zu tun, von den Aufgaben, die er für sich sah, wollte er sich trotz der schweren Krankheit nicht abhalten lassen. Und er wollte mit seiner Frau Mirijam, der er an seinem 70. Geburtstag einen Heiratsantrag gemacht hatte, gern mehr Zeit verbringen. Auch sein Hobby Lesen, sein Interesse für Politik und klassische Musik kamen immer zu kurz. Dafür blieb ihm auch im Ruhestand allzuwenig Zeit.

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