Kiel

Endlich zu Hause

Angekommen: Torarollen in der Synagoge Kiel Foto: Heike Linde-Lemke

Fast 15 Jahre hat die liberale Jüdische Gemeinde Kiel ein Zuhause für ihr Gemeindezentrum gesucht. Vor fünf Jahren konnte sie ein historisches Gebäude an der Waitzstraße mieten und es zur Synagoge umbauen. Am vergangenen Sonntag weihte die Gemeinde ihre Synagoge Mishkan Shalom mit viel Prominenz, darunter auch Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU), Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), feierlich ein.

Bei der Zeremonie mit Anbringen der Mesusa, Entzünden des Ner Tamid und Einbringen der Torarollen wurde auch ein Gebet für die von der Terrororganisation Hamas noch immer festgehaltenen Geiseln in Gaza gesprochen. Rabbinerin Alina Treiger und Kantor Yoed Sorek rezitierten und sangen, die drei Torarollen wurden in den neuen Toraschrank eingebracht.

»Wir erleben heute einen historischen Tag. Nach vielen Provisorien wird endlich die erste öffentlich erkennbare Synagoge in der Landeshauptstadt Kiel seit 1938 eingeweiht«, begrüßte Gemeindevorsitzender Walter Joshua Pannbacker die mehr als 100 Gäste. Diese Synagoge solle stets ein offenes Haus des Gebets, des Lernens, der Begegnung, des Miteinanders, des Dialogs und der fruchtbaren Auseinandersetzung verschiedener Weltanschauungen untereinander sein, wünschte sich Pannbacker.

Karin Prien ging auf Lag BaOmer ein, das zeitgleich an diesem Tag stattfand.

Karin Prien ging auf Lag BaOmer ein, das zeitgleich an diesem Tag stattfand. Die Politikerin betonte: »Setzen wir ein Zeichen des Zusammenhalts in Vielfalt!« »Ich wünsche Ihnen, dass Sie Wege finden, den göttlichen Frieden, der im Himmel herrscht, auf die Erde zu bringen«, sagte Andreas Nachama von der Liberalen Rabbinervereinigung und Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK).

»Das ist ein außergewöhnliches Ereignis, in Zeiten feindlicher Ausgrenzung eine neue Synagoge einzuweihen, und die Gemeinde ist ihren Weg trotz vieler Widrigkeiten unbeirrt gegangen«, lobte Irith Michelsohn, Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland.

»Dieses Haus in Kiel in der Waitzstraße, diese Synagoge, ist das Ergebnis der sich entwickelnden jüdischen Geschichte und ein Spiegelbild der politischen und gesellschaftlichen Landschaft unseres Bundeslandes«, erklärte Walter Blender, Mitgründer und Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein. Deshalb sei die symbolische Bedeutung der Synagoge Mishkan Shalom für Schleswig-Holstein und für die Landeshauptstadt Kiel sehr hoch.

Nachruf

Trauer um Elena Solominski

Nach einem Brand in ihrem Wohnhaus erlag die Autorin und Projektleiterin von »1700 Jahre jüdisches Leben« ihren Verletzungen

von Chris Meyer  23.06.2024

Düsseldorf

»Das Judentum hat hier Zukunft«

Michael Anger ist Direktor des Albert-Einstein-Gymnasiums. Im Interview spricht er über seine Wünsche für die ersten Abiturienten, Baustellen und seine Arbeit als Manager auf vielen Ebenen

von Christine Schmitt  23.06.2024

Porträt der Woche

Melodien als Zuhause

Paul Brody fand über die Musik zu den jüdischen Wurzeln seiner Familie

von Gerhard Haase-Hindenberg  23.06.2024

Zusammenarbeit

Appell an Deutschland

Im Bayerischen Landtag diskutierte der Europaausschuss über eine EU ohne Antisemitismus

von Luis Gruhler  23.06.2024

Jahrestag

»Sich fügen heißt lügen«

Vor 90 Jahren wurde der Dichter und Anarchist Erich Mühsam ermordet

von Yvonne Jennerjahn  21.06.2024

Frankfurt

Vor ihrem Zuhause

In der Stadt am Main wurde der 2000. Stolperstein verlegt. Einer davon für Anneliese Himmelstein und ihre Familie

von Johanna Weiß  20.06.2024

Kommunalwahl

Was nun?

Die AfD wurde stärkste Kraft im Osten – jetzt wächst die Sorge vor den Landtagswahlen. Ein Stimmungsbild

von Christine Schmitt  20.06.2024

Bonn

Neues jüdisches Lehrhaus - Für Juden, Christen und Muslime

Der »Room of One« ist an das Berliner Projekt »House of One« angelehnt

von Leticia Witte  19.06.2024

Berlin

Kleine Freundschaften

Seit einigen Jahren arbeiten Erzieherinnen einer jüdischen und einer muslimischen Kita zusammen. Nun erhielten sie den Förderpreis der Deutschen Nationalstiftung

von Helmut Kuhn  19.06.2024