Wolfgang S. H. Meyer

Ein Leben für den Fußball

Er gehörte zu den Mitbegründern von Makkabi‐Deutschland, jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben

 04.07.2019 14:16 Uhr

Wolfgang S. H. Meyer Foto: privat

Er gehörte zu den Mitbegründern von Makkabi‐Deutschland, jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben

 04.07.2019 14:16 Uhr

Die jüdische Gemeinschaft und vor allem die jüdische Sportfamilie trauern um Wolfgang S. H. Meyer. Der Vater des amtierenden Präsidenten von Makkabi Deutschland, Alon Meyer, ist am Sonntag im Alter von 90 Jahren in Frankfurt gestorben. Geboren wurde Wolfgang S. H. Meyer am 7. Dezember 1928 in Berlin‐Steglitz – er war ein wahrer Makkabäer der ersten Stunde.

Ein Minjan war es nicht ganz, als Wolfgang Meyer gemeinsam mit acht Freunden 1965 den Turn‐ und Sportverein Makkabi Frankfurt gründete. Und in den letzten Jahren war er der Einzige, der noch davon berichten konnte. »Alle anderen sind mittlerweile gestorben«, sagte Meyer im Gespräch mit dieser Zeitung lakonisch im historischen Jahr 2015, als die European Maccabi Games in Berlin stattfanden.

Sport Auch von den Anfängen bei Makkabi erzählte Meyer gern, aber ohne Pathos: »Das war keine große Sache. Wir haben damals als Freunde oft zusammengesessen. Irgendwann haben wir uns überlegt, dass wir einen Sportverein brauchen – und dann haben wir es einfach gemacht.« Sport, das war für Meyer, einen passionierten Fan von Eintracht Frankfurt, in erster Linie Fußball.

Insofern überrascht es nicht, dass der junge Verein Makkabi Frankfurt auch mit dieser Sportart startete. Mit einem eigenen Fußballplatz auf dem Dachsberg, kaum antisemitischen Erlebnissen – es gehörten von Anfang an Nichtjuden zum Verein –, aber stets von dem Spruch begleitet, »dass wir der reiche jüdische Sportverein sind«.

»Aber«, so räumte Meyer stets ein, »das waren wir im Vergleich zu anderen auch« – mit eigenem Platz und »tollen Trainern«, wie etwa István Sztani von der Eintracht. »Wir sind sogar zwei‐ oder dreimal aufgestiegen«, erinnerte sich Meyer mit leuchtenden Augen. Sein Verdienst sei der sportliche Erfolg aber nicht gewesen: »Ich habe eher mittelprächtig gespielt.« Den Platz mit der eigenen Arena musste man schließlich verkaufen, »weil die Stadt eine Straße gebaut hat«, ärgerte sich Meyer noch lange. Schließlich sei das oftmals löchrige Gelände auf der Bertramswiese kein gleichwertiger Ersatz gewesen.

Sohn Meyer, der auch 40 Jahre lang im Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Frankfurt saß, zeigte sich stets bescheiden. Von den Leistungen seines Sohnes Alon hingegen schwärmte er: Der habe »die Mitgliederzahl von 400 auf über 1000 gebracht« und sei als Präsident von Makkabi Deutschland maßgeblich für die European Maccabi Games in Berlin mitverantwortlich gewesen; das erfüllte ihn mit einem »guten Gefühl«.

1936 wanderte Meyer mit seinen Eltern nach Palästina aus. Seine »erste Mutter«, wie er sie nennt, war im Kindbett gestorben. Eine besondere Tragik: »Mein Vater war Gynäkologe, hatte meine Geburt und die Nachsorge aber aus Unsicherheit einem Kollegen überlassen«, erzählte Meyer. 1939 reiste Meyers Vater, ein »glühender Zionist«, zurück nach Deutschland, um seine drei Brüder ebenfalls zur Auswanderung zu bewegen. Einer von ihnen folgte ihm, die anderen beiden blieben und wurden im Holocaust ermordet. Ebenso die Eltern seiner leiblichen Mutter. Die Eltern seiner Stiefmutter wurden nach Theresienstadt deportiert, überlebten aber das Nazi‐Régime.

Kindheit An das Deutschland seiner Kindheit habe er eigentlich keine schlechten Erinnerungen, sagte Wolfgang Meyer. Lediglich einmal, als Siebenjähriger, habe er Antisemitismus erfahren: »Ich habe einen Fremden nach dem Weg gefragt. Doch anstatt mir zu sagen, wo ich lang muss, wollte er wissen, ob ich Jude sei. Ich habe bejaht und statt einer Auskunft eine Ohrfeige bekommen.«

1958 führte Meyers Weg nach einer Zwischenstation in New York von Israel nach Frankfurt. Der Grund: Meyer studierte Pharmazie, hatte sich aber mit seinem Chemieprofessor verkracht, der ihm die Abschlussprüfung verweigerte. Also studierte er in Frankfurt weiter. »Das war kein Problem, wir hatten zu Hause immer Deutsch gesprochen, und ich bin nicht der Mensch, der sich allein fühlt.« ja

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