Gespräch

»Ein Impfstoff gegen Vorurteile«

Im Gespräch: Josef Schuster, Meira Schatz, Shelly Kupferberg, Annette Widmann-Mauz und Ekrem-Hamza Huskic (v.l.) Foto: screenshot

»Ein gutes Kontrastprogramm zu diesem Corona-Jahr«: So charakterisiert Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, das Buch Gehört werden. Der dritte Band der Buchreihe zum jüdisch-muslimischen Dialogprojekt »Schalom Aleikum« des Zentralrats wurde heute in einer live auf Facebook und Youtube übertragenen Veranstaltung vorgestellt. Auch Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, nahm an der Präsentation teil.

HOFFNUNG Als Kontrastprogramm sieht Schuster das Buch zum einen, weil es für den Dialog von Menschen stehe. »In diesem Jahr ist es uns wie nie zuvor bewusst geworden, wie wichtig das menschliche Miteinander ist«, betonte der Zentralratspräsident. Zudem gebe der Band tiefe Einblicke in die Perspektiven von Juden und Muslimen.

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Schuster verwies auf die erschwerte Situation beider Gruppen: »Das Thema Corona ist so dominant, dass Bedürfnisse und Anliegen von Minderheiten in diesem Land unterzugehen drohen.« Nicht zuletzt kämen in dem Buch junge Menschen zu Wort. Wegen der Pandemie müssten sie auf Dinge verzichten, die diese Lebensphase eigentlich ausmachen und prägen. 

»Chanukka ist ein Fest der Hoffnung. Lassen Sie uns mit der Hoffnung, mit dieser Zuversicht in das Jahr 2021 gehen«, beschloss Schuster sein Grußwort. Sachsens Landesrabbiner Zsolt Balla zündete anschließend drei Chanukka-Kerzen. Josef Schuster und Annette Widmann-Mauz zündeten je ein weiteres Licht an der Chanukkia.

VERSTÄNDIGUNG Widmann-Mauz würdigte in ihrer Ansprache das Dialogprojekt: »Es bringt Menschen zusammen, es bringt Menschen ins Gespräch, es bringt Verständigung und Verständnis.« Sie dankte dem Zentralrat, dem Projektteam von »Schalom Aleikum« und den Gesprächsteilnehmern: »Sie stärken den Dialog gerade in so herausfordernden Zeiten wie diesen. Sie schaffen mehr Einheit in unserem vielfältigen Land.«

»Chanukka ist ein Fest der Hoffnung. Lassen Sie uns mit der Hoffnung, mit dieser Zuversicht in das Jahr 2021 gehen.«

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Am anschließenden, von Shelly Kupferberg moderierten Gespräch nahmen neben Schuster und Widmann-Mauz die Buchprotagonisten Meira Schatz (Osnabrück) und Ekrem-Hamza Huskic (Berlin) teil. Kupferberg meldete zunächst den Tod des Osnabrücker Imams und »Schalom Aleikum«-Teilnehmers Abdul-Jalil Zeitun und drückte seiner Familie ihr Beileid aus. 

AUGENHÖHE Zum Auftakt betonten die Gesprächsteilnehmer die Besonderheiten des jüdisch-muslimischen Dialogprojekts. Es sei das Gespräch auf Augenhöhe, das sie begeistere, sagte Annette Widmann-Mauz. »Schalom Aleikum« sei, wenn man so will, »ein Impfstoff gegen böse Viren von Vorurteilen«.

Josef Schuster betonte den Austausch von Mensch zu Mensch, der das Dialogprojekt ausmacht. Die Schülerin Meira Schatz sagte: »Ich denke, dass es superwichtig ist, mit anderen Menschen auf Augenhöhe in Dialog zu treten.« »Ich finde dieses Projekt sehr interessant, weil einem zugehört wird«, hob der Lehramtsstudent Ekrem-Hamza Huskic hervor. 

VORBILDER Auch Zugehörigkeit war Thema an diesem Abend. »Ich fühle mich als fester Teil der deutschen Gesellschaft«, sagte Meira Schatz. »Heute kann ich sagen, dass ich Teil der deutschen Gesellschaft bin«, betonte auch Ekrem-Hamza Huskic. Für ihn persönlich sei es aber ein längerer Weg gewesen.

Schuster ergänzte, er wünsche sich den zunehmenden Abbau von Vorurteilen von jüdischer Seite gegenüber Muslimen und von muslimischer Seite gegenüber Juden.

Huskic unterstrich die persönliche Bedeutung des muslimischen Glaubens: »Es ist eine Konstante im Leben, die es einem erlaubt, auch in traurigen und in glücklichen Situationen Ruhe zu finden.« Schatz und Huskic betonten zudem übereinstimmend die Wichtigkeit von Rollenvorbildern. 

AUSBLICK Das Gespräch endete mit einem Zukunftsausblick. Er wünsche sich, dass jüdisches Leben in Deutschland zunehmend und bis dahin vielleicht als ganz selbstverständlich angesehen werde, sagte Josef Schuster. Heute sei es leider noch nicht der Fall.

Schuster ergänzte, er wünsche sich den zunehmenden Abbau von Vorurteilen von jüdischer Seite gegenüber Muslimen und von muslimischer Seite gegenüber Juden. »Ein solches Projekt wie ›Schalom Aleikum‹ kann ganz entscheidende Schritte dazu beitragen«, resümierte der Zentralratspräsident.

Lesen Sie mehr über dieses Thema in unserer Ausgabe am Donnerstag.

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