Berlin

Ein Haus und seine Geschichte

»Das Ephraim-Palais ist ein steinerner Zeuge des Schaffens der Familie Ephraim, die im 18. und 19. Jahrhundert nicht nur eine entscheidende Rolle innerhalb der Jüdischen Gemeinde in Berlin, sondern auch für die Wirtschaft der Stadt gespielt hat«, sagte Karl Erich Grözinger. Gemeinsam mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum hatte die »Ephraim-Veitel-Stiftung zur Förderung jüdischen Lebens in Deutschland« Anfang Februar ins Ephraim-Palais geladen. Anlass war der 220. Geburtstag der Veitel-Stiftung, die ihre Ursprünge auf die Familie des preußischen Hofjuweliers und Erbauers des Rokokohauses, Veitel Heine Ephraim, zurückführt.

Dass seine Stiftung seit dem vergangenen Jahr wieder in den Räumen des Palais ansässig ist, bezeichnete Grözinger als »großes Glück«. »Wir wollen die Wirkung der deutsch-jüdischen Familie Ephraim wieder stärker in das Bewusstsein der Berlinerinnen und Berliner rufen«, sagte er. Ziel sei es, das Haus als Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin zu einem vielfältigen Ort der Kunst und Kultur zu machen.

HOFJUDE »Veitel Heine Ephraim war sich seiner Stellung im preußischen Staat und insbesondere für König Friedrich den Großen sehr wohl bewusst«, sagte die Historikerin Nele Güntherroth, die in ihrem Vortrag auf die Geschichte des Ephraim-Palais einging. Tatsächlich unterhielt Ephraim als sogenannter Hofjude engste Verbindungen zum preußischen König. Als Hofjuden galten jüdische Bankiers und Kaufleute, die die finanziellen Angelegenheiten der Fürstenhäuser etwa durch den Verleih von Geld unterstützten.

Für Friedrich den Großen war Ephraim im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. »Ohne Ephraims finanzielle Unterstützung und sein kaufmännisches Geschick wären Unternehmungen wie der Siebenjährige Krieg nicht möglich gewesen«, erläuterte Güntherroth.

Künftig sollen im Ephraim-Palais regelmäßig Veranstaltungen zu Leben und Werk der Familie Ephraim stattfinden.

Dank seiner treuen Dienste erlaubte der König Ephraim den Bau eines Stadtpalais im historischen Berliner Siedlungsgebiet, das der Bankier mit seiner Familie zumindest zeitweise auch selbst bewohnte. Nach Ephraims Tod 1775 blieb das von dem Architekten Friedrich Wilhelm Dieterich entworfene Gebäude noch bis ins Jahr 1823 in Familienbesitz. Danach wechselte es mehrfach die Besitzer.

STANDORT In der Zeit der Weimarer Republik kamen erste Pläne zur Verbreiterung der Schleuse und der Straße am Mühlendamm auf, die den Abriss des Palais zur Folge gehabt hätten. Während man in den 20er-Jahren noch vor diesem Schritt zurückschreckte, setzten die Nationalsozia­listen die Planungen 1935 um. »Obwohl die Nazis über den jüdischen Erbauer Bescheid wussten, zerstörten sie das Gebäude nicht, sondern ließen es Stück für Stück abtragen und konservieren«, erläuterte die Historikerin.

Nach dem Krieg war der überwiegende Teil der kostbaren Bauelemente erhalten geblieben, eingelagert auf einem Industriegelände im Wedding. Für lange Zeit legte sich ein Schleier des Schweigens um Ephraims Hinterlassenschaften. In den 70er-Jahren kamen im West-Berliner Senat dann Ideen zur Rekonstruktion des Ephraim-Palais auf. Der historische Standort des Gebäudes befand sich mit der Teilung der Stadt allerdings im Osten.

1982 fasste das Abgeordnetenhaus den Beschluss: Die historischen Bauteile sollten an die DDR-Regierung übergeben werden. Die hatte zugesichert, das Palais als Teil der Rekons­truktionsarbeiten im Nikolaiviertel zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wiederauferstehen zu lassen. »Es ist schon eine gewisse Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die DDR das Bürgerhaus eines jüdischen Bankiers im Dienste des Alten Fritz wiedererrichtet hat«, meinte die Historikerin Güntherroth. Künftig sollen im Ephraim-Palais regelmäßig Veranstaltungen zu Leben und Werk der Familie Ephraim stattfinden.

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  10.09.2026

Pro & Contra

Sollen jüdische Kinder nur noch auf jüdische Schulen?

Zwei Meinungen zur Debatte

von Noga Hartmann, Marina Chernivsky  10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Rosch Haschana

Mehr Zeit, mehr Frieden, mehr Miteinander

Was wünschen sich Jüdinnen und Juden fürs neue Jahr? Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  10.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 10. September bis zum 17. September

 09.09.2026

München

»Es geht um ein Wir«

Maccabi-Präsident Patrick Guttmann über die Rolle des Sportvereins für die jüdische Gemeinschaft, Herausforderungen und Zukunftspläne

von Luis Gruhler  09.09.2026

Berlin

Zurück in die Zukunft

Die Geschichte der Stadt ist geprägt von vielen gescheiterten Visionen. Nun wird die Fahrt mit der Ringbahn zur Bühne für einst angedachte Projekte

von Alicia Rust  09.09.2026

Rosch Haschana

Fragen über Fragen

Zwischen Vorbereitungen, Schofar und Honigkuchen bleiben Rabbiner immer erreichbar. Für alle, die Rat vor den Hohen Feiertagen suchen

von Christine Schmitt  09.09.2026