Makkabi

»Ein gutes Team«

Fußball ist auch bei Makkabi Deutschland die beliebteste Sportart. Foto: Harald Ottke

Herr Guttmann, Makkabi Deutschland feiert 47 Jahre nach der Wiedergründung seine erste große Gala. Warum gerade jetzt?
Makkabi Deutschland ist sowohl im nichtjüdischen wie im jüdischen Sportbereich und in den internationalen Makkabi-Gremien anerkannt. Aber in der allgemeinen Öffentlichkeit wird der Dachverband jüdischen Sports kaum wahrgenommen. Das wollen wir sowohl mit der Gala als auch mit den beiden ausgelobten Preisen ändern.

Der Dachverband vergibt den Makkabäer für den verdientesten Makkabi-Sportler des vergangenen Kalenderjahres ...
Das ist die Hockeyspielerin Rebecca Landshut (30). Sie war bis 2012 die Kapitänin der deutschen Damen-Feldhockey-Nationalmannschaft und gewann dieses Jahr den Europameistertitel. Gleichzeitig ist sie auch Spielführerin des Makkabi-Deutschland-Hockeyteams. Was wir aber besonders bemerkenswert fanden, war, dass sie – obwohl sie als Nationalspielerin zurückgetreten ist –, uns sofort signalisierte, dass sie uns für die Maccabiah 2013 in Israel zur Verfügung steht. Eine so erfolgreiche und loyale Sportlerin wie Rebecca Landshut verdient diesen zum ersten Mal verliehenen Preis.

Makkabi vergibt darüber hinaus erstmals einen Preis für Toleranz, Offenheit und Fairness im Sport. Bedenken Sie damit gezielt nichtjüdische Einrichtungen?
Die Preisträger sind in keiner Weise vorher festgelegt und werden ebenfalls von einer Jury vergeben. Vor dem Hintergrund, dass wir als jüdischer Verein oft mit Antisemitismus und Vorurteilen zu tun haben, der sich vor allem als Begleiterscheinung beim Fußball zeigt, suchen wir natürlich bei diesem Preis nach einer Institution oder Persönlichkeit, die sich gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzt und aktiv wird. Makkabi hat sich für die Deutsche Soccer-Liga e.V. entschieden, weil dieser Verein sich bei der Integration von Angehörigen verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen im Bereich des Sports verdient gemacht hat.

Sind Sie mit der Art und Weise, wie auf solche antisemitischen Anfeindungen reagiert wird – in Berlin wurde wegen Pöbeleien ein Spiel abgebrochen – zufrieden?
Die einzelnen Verbände sind sehr rigoros und belegen die betroffenen Vereine mit harten Strafen. Darüber hinaus bemüht man sich um Aufklärung, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist. Man muss diejenigen, die sich bei Sportveranstaltungen so verhalten, über Juden und die jüdischen Sportler aufklären. Durch Gespräche kann man viel bewegen, auch wenn wir natürlich den generellen Antisemitismus nicht verhindern können. Ich finde, dass gerade ein jüdischer Sportverein in der Lage ist, völlig unterschiedliche Nationen und Religionen miteinander zu verbinden und in einer Einheit auftreten zu lassen. Für mich sind es bemerkenswerte Momente, wenn ein nichtjüdischer Spieler als Drecks- oder Saujude angepöbelt wird, und dieser dann das Judentum und seine Mitspieler verteidigt. Das zeigt dann ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Sport macht es möglich. Politiker müssen dafür sehr viel reden und erreichen vielleicht weniger.

Die Preisverleihungen sind sicherlich attraktiv. Wie wollen Sie bei der Gala außerdem die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen, wen haben Sie eingeladen?
Roger Nussbaum, unser Vizepräsident, hat die Gala inszeniert und konnte viele Politiker, Sportler und Sportfunktionäre als Gäste gewinnen. So haben wir Zusagen von Innenminister Hans-Peter Friedrich, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, wird Dieter Graumann vertreten, der wegen eines Todesfalls in der Familie verhindert ist. Der Innensenator von Berlin, Frank Henkel, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, der ZWST-Vorsitzende Abraham Lehrer, der DFB-Vizepräsident Rainer Koch, die Vizepräsidentin des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund), Ilse Ridder-Melchers, der Präsident des deutschen Hockey Bundes, Stefan Abel, sowie Vertreter von Maccabi-Weltunion und der Chairman von Maccabi-Europa, Motti Tichauer, haben zugesagt. Des Weiteren erwarten wir Repräsentanten von Hertha BSC, Union Berlin sowie vom Berliner Fußball-Verband und nicht zuletzt als geistlichen Beistand auch einen religiösen Vertreter des Judentums, Rabbiner Yehuda Teichtal, sowie natürlich Sportler und Freunde aus Wirtschaft und Gesellschaft von Makkabi Deutschland.

Makkabi boomt. Wie hat sich die Zuwanderung von Aktiven aus der ehemaligen Sowjetunion auf den Sportverein ausgewirkt?
Sie hat Makkabi Deutschland sowohl in der Quantität als auch in der Qualität auf jeden Fall bereichert. Wir haben unser Team in den vergangenen Jahren immer weiter aufstocken können. Und das in Sportarten, die Makkabi Deutschland nie betrieben hat, wie Fechten, Sportschießen oder Schwimmen und natürlich auch Schach. Diese Sportarten wurden durch Zuwanderer erst ermöglicht und fördern so die Integration. Wenn man gemeinsam Sport treibt, vergisst man, woher man kommt und alle Unterschiede, und das ist sicherlich sehr gut gelungen. Die deutsche Makkabi-Mannschaft, die ich immer als jüdische deutsche Nationalmannschaft bezeichne, besteht zu mehr als 60 Prozent aus Zuwanderern.

In welchen Sportarten ist Makkabi besonders erfolgreich?
Auch bei Makkabi gilt der Fußball – wie generell in Deutschland – als bekannteste Sportart. Makkabi Berlin ist hier am besten platziert und spielt in der 5. Liga. Bei Makkabi Deutschland stimmt die eher nicht so ernst gemeinte Formel, mit kleinen Bällen (Tischtennis, Golf, Tennis) sind wir erfolgreich, mit großen Bällen (Fußball, Basketball, Volleyball) eher weniger. Makkabi widmet sich aber besonders der Jugendarbeit. Es gibt zahlreiche Jugend-Fußballmannschaften, die wir als Unterbau für die Zukunft fördern. Ganz neu, erst seit einem Jahr, haben wir auch eine Fußball-Frauenmannschaft – ein Highlight! Die Frauen waren im vergangenen Jahr schon in Wien dabei. Derzeit stellen wir das Fußball-Frauenteam für die Maccabiah 2013 in Israel zusammen.

Wie sieht es mit Senioren aus, die sich mit der Integration schwerer tun?
In den Lokalvereinen werden verschiedene Seniorensportarten wie Fußball, Basketball und insbesondere Tischtennis angeboten. Für die Maccabiah stellt der Dachverband derzeit Seniorenteams für Tischtennis und Fußball sowie den Halbmarathon auf.

Haben Sie sich durch die Zuwanderung auch etwas professioneller im Trainerbereich aufstellen können?
Aus der ehemaligen Sowjetunion sind zahlreiche professionelle Trainer zugewandert, die sich angeboten haben und bei uns beschäftigt werden. Sie erhalten im Gegensatz zu den Abteilungsleitern und Funktionären, die ehrenamtlich bei uns arbeiten, ein kleine Aufwandsentschädigung.

Welche besonderen Projekte unterstützt Makkabi darüber hinaus?
Der Makkabi-Ortsverein Rostock fördert besonders den Behindertensport. Wir wollen das Ganze auch auf breitere oder mehrere Schultern verteilen und haben diesbezüglich mit dem Zentralrat über eine Unterstützung gesprochen. Die Verhandlungen laufen noch. Auch die Maccabi-Weltunion haben wir angesprochen. Es ist sehr bewundernswert, wie behinderte Menschen, die im Alltag Schwierigkeiten haben, sich im Sport aktivieren, große Erfolge erzielen und in vielen Sportarten sehr viel besser sind als Nichtbehinderte. Andererseits müssen wir realistisch bedenken, dass wir uns als Makkabi im Sport generell aber besonders auch im Behindertensport nicht mit Nationen wie den USA, Argentinien oder Israel messen können, weil wir zu wenige Juden in Deutschland sind.

Für die Projekte brauchen Sie Geld. Woher erhält Makkabi Deutschland finanzielle Unterstützung?
Bisher werden wir ausschließlich durch das Bundesinnenministerium und den Zentralrat der Juden in Deutschland gefördert. Da die Gelder zweckgebunden sind, müssen wir jeden einzelnen Cent abrechnen. Wir sind nicht einmal in der Lage, einzelne Lokalvereine zu unterstützen. Wenn ein Makkabi-Verein eine Sportveranstaltung plant und sich wegen einer finanziellen Unterstützung an den Dachverband wendet, sind wir kaum in der Lage zu helfen. Die Makkabi-Gala soll uns durch die größere Aufmerksamkeit, die wir durch sie erhalten, helfen, auch in der Wirtschaft bekannt zu werden, um von dort Sponsorengelder akquirieren zu können, was in der Vergangenheit sehr schwierig war.

Eine Gala ist auch der Abschluss eines Sportjahres. Welches Fazit ziehen Sie für 2012?
Es ist ein Übergangsjahr, wir haben alle vier Jahre die Maccabiah in Israel und dazwischen die Europäischen Spiele, die im vergangenen Jahr in Wien stattfanden. Insoweit gab es 2012 keine Highlights. So haben wir dieses Jahr begonnen, die neue jüdische deutsche Nationalmannschaft für die Maccabiah zusammenzustellen. Bei den verschiedenen Lehrgängen in Sportschulen suchen wir dann die besten jüdischen Sportler. Die Makkabi-Deutschland-Gala soll gleichzeitig auch der Anfang und die Triebfeder für das Maccabiah-Jahr 2013 sein.

Welche sportlichen Ziele scheinen für die Maccabiah 2013 möglich?
Wir kommen von sehr erfolgreichen Spielen in Wien zurück, bei denen wir nach den Briten den zweiten Platz in der Nationenwertung belegten. Das ist eine schöne Vorgabe, aber in Israel werden wir auf größere Kaliber treffen. Mit 220 Aktiven wird die bislang größte deutsche Makkabi-Mannschaft nach Israel reisen. Bei über 70 Nationen und 8000 Sportlern wäre ein Platz unter den ersten zehn super.

Mit dem Präsidenten von Makkabi Deutschland sprach Heide Sobotka.

Dresden

Gedenken an Pogromnacht

Nora Goldenbogen appelliert, Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten mahnend wachzuhalten

 10.11.2019

Konstanz

Neue Synagoge eingeweiht

Zentralratsvizepräsident Lehrer: »Zeichen für jüdische Zukunft«

 10.11.2019

Porträt der Woche

»Ich bin der Letzte«

Max Schwab ist Gemeindeältester in Halle und erlebte die Pogromnacht 1938

von Tobias Kühn  10.11.2019

Saarbrücken

Gegen alle Widerstände

Jahrelang kämpfte die Gemeinde für ein angemessenes Schoa-Mahnmal

von Lisa Huth  10.11.2019

Berlin

Gedenken im Gemeindehaus

Bundespräsident Steinmeier und der Regierende Bürgermeister Müller erinnerten an die Opfer der Novemberpogrome

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  09.11.2019

Halle

Jüdische Gemeinde wünscht sich Ruhe

Vorsitzender Max Privorozki: »Können kein normales Gemeindeleben mehr führen«

 09.11.2019