NS-Raubgut

Ein fragwürdiges Geschäft

Der frühere Münchner Gemeinderabbiner Cossmann Werner (1854–1918) hatte die Bibel zusammen mit Tausenden anderen Büchern zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Gemeinde geschenkt. Foto: Stadtarchiv München

Zum Handlanger eines mehr als fragwürdigen Geschäftes wollte sich das Münchner Auktionshaus Zisska & Lacher dann doch nicht machen. Die am vergangenen Donnerstag angesetzte Versteigerung einer wertvollen Rabbinerbibel aus dem 16. Jahrhundert wurde nach heftigen Protesten der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) in letzter Minute abgesagt.

Den Zeitpunkt der geplanten Versteigerung, die zwei Tage vor dem 81. Jahrestag der Pogromnacht stattfinden sollte, könnte man schon für sich genommen als Geschmacklosigkeit bezeichnen. Doch in diesem Fall ging es noch weiter. Denn der Weg der 500 Jahre alten Bibel führt direkt zu jenem Tag zurück, der den Beginn des Holocaust markierte.

stadtbibliothek Damals befand sich die Bibel im Besitz der IKG. Der frühere Münchner Gemeinderabbiner Cossmann Werner hatte sie zusammen mit Tausenden anderen Büchern schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Gemeinde geschenkt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie dann zum Raubgut der Nazis. Ein Teil der Bücher, die in der Münchner Stadtbibliothek gelandet waren, wurde in den 50er-Jahren an die IKG zurückgegeben.

Die von den Nationalsozialisten geraubten Bücher der Gemeinde sind in alle Winde zerstreut.

Heute existieren diese Bände jedoch nicht mehr. Die wertvollen Druckwerke verbrannten bei einem bis heute ungeklärten Anschlag auf das jüdische Altenheim in der Reichenbachstraße im Jahr 1970. Damals kamen sieben Menschen ums Leben.

Die von den Nationalsozialisten geraubten Bücher der Gemeinde sind in alle Winde zerstreut. Die Historikerin Sibylle von Tiedemann ist im Auftrag der IKG seit einem Jahr auf der Suche nach ihnen. Immerhin wurden bisher bereits 19 Bücher restituiert, in anderen Fällen laufen Verhandlungen.

Mit dem Eigentümer der Rabbinerbibel, die versteigert werden sollte, kam bisher noch kein Kontakt zustande. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch zeigte sich aber insofern zufrieden, dass die wertvolle Rabbinerbibel aus der Auktion genommen wurde.

Auszeichnung

Grand Hospital Award für Waldkliniken Eisenberg

Mit einer eigenen Synagoge und einem besonderen Behandlungskonzept für jüdische Patientinnen und Patienten wurden die Waldkliniken Eisenberg bekannt. Nun erhalten sie die höchste Krankenhaus-Auszeichnung

 05.11.2026

Dresden

Ein besonderer Schabbat

Köchin Sibel Cuniman Pinto serviert traditionelle sefardische Gerichte – und die Geschichten dazu

von Karin Vogelsberg  05.11.2026

Berlin

Neuer Gedenkstein für Margot Friedländer

Um die Erinnerung an das Vermächtnis Margot Friedländers wachzuhalten, ist am Donnerstag ein Gedenkstein mit ihrem Porträt auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee niedergelegt worden. Der Künstler ist ein 16-jähriger Schüler aus der Ukraine

 05.11.2026

Frankfurt

Transparentes Haus

Die Jüdische Akademie des Zentralrats will ihren Besuchern ein vielseitiges Angebot machen

von Ayala Goldmann  04.11.2026

Düsseldorf

Ein Abend voller Sorge und Hoffnung

Die Jüdische Gemeinde ehrt Wirtschaftsministerin Mona Neubaur mit der Josef-Neuberger-Medaille

von Stefan Laurin  04.11.2026

Tel Aviv

Premiere für Andrea Kiewel

Andrea Kiewel überrascht sich selbst und überwindet ihre Scheu vor dem Widerspruch – wegen Halloween

von Andrea Kiewel  04.11.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 4. November bis zum 12. November

 04.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Sachsen-Anhalt

Lotto fördert Dachsanierung der Synagoge in Gröbzig

Die jüdische Gemeinde in Gröbzig entstand im 17. Jahrhundert nur wenige Kilometer entfernt von der anhaltischen Residenzstadt Köthen. Die 1796 errichtete klassizistische Synagoge wird seit 1934 als Museum genutzt

 03.11.2026