Berlin

Diskret verpackt

Von nun an nur noch im Schutzumschlag: Gemeindezeitung »Jüdisches Berlin« Foto: Marco Limberg

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat ihren Entschluss, die Gemeindezeitung »Jüdisches Berlin« künftig nur noch in einem neutralen Schutzumschlag zu verschicken, gegen Kritik verteidigt. »Mit den Anschlägen von Paris und Kopenhagen hat die Gefährdung jüdischen Lebens in Europa nun eine neue Dimension erreicht, die zu einer großen Verunsicherung unter unseren Mitgliedern geführt hat«, sagte Gemeindesprecher Ilan Kiesling der Jüdischen Allgemeinen.

Zum Schutz vor antisemitischen Übergriffen und trotz erheblicher Mehrkosten habe sich der Vorstand der Gemeinde dazu entschieden, die Zeitung künftig in einem neutralen Umschlag zu versenden, so Kiesling weiter. Die Kosten der Aktion beliefen sich auf rund 12.000 Euro jährlich.

»Der Versand des ›Jüdischen Berlin‹ in einem neutralen Umschlag soll die Wahrscheinlichkeit von Anfeindungen gegen unsere mehr als 10.000 Gemeindemitglieder reduzieren«, teilte die Gemeinde mit. Es sei traurige Realität, dass jüdisches Leben in Deutschland seit Jahren zu einem Großteil hinter Panzerglas, Stacheldraht und Sicherheitsschleusen stattfinde.

Kritik Mehrere Gemeindemitglieder hatten an dem Entschluss der Jüdischen Gemeinde Kritik geäußert. Micha Guttmann etwa betonte, dass er es für falsch hält, dem stärker werdenden Antisemitismus mit Rückzug zu begegnen. »Ich will mich nicht verstecken. Wir sollten zeigen, wer wir sind«, sagte Guttmann, der Mitglied der Repräsentantenversammlung ist.

Mit gemischten Gefühlen sieht Mike Delberg die Aktion. »Jede Handlung zum Wohle der Sicherheit der Gemeindemitglieder begrüße ich von ganzem Herzen«, sagte der Anfang Februar neu in die Repräsentantenversammlung gewählte Student.

Ob aber aus der Aktion nun eine große Schlagzeile hätte gemacht werden müssen, wenn doch der Zweck der Umschläge »Sicherheit durch Anonymisierung« sein sollte, hält Delberg für fragwürdig. So oder so würden die neuen Umschläge unter Berlins Juden derzeit heftig diskutiert, berichtet Delberg.

Seit den zahlreichen israelfeindlichen Demonstrationen im Sommer 2014 haben die antisemitischen Straftaten in Berlin zugenommen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der festgestellten judenfeindlichen Straftaten auf 192. Allerdings ist die Dunkelziffer weit größer, da viele Opfer antisemitischer Gewalt auf eine Anzeige verzichten, weil sie davon ausgehen, dass die Täter ohnehin nicht gefasst werden.

Dialog zwischen den Religionen

»Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 2026« in Köln eröffnet

Mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an den katholischen Judaisten Christian Rutishauser beginnt die einstige »Woche der Brüderlichkeit«

 08.03.2026

Ehrung

Holocaust-Überlebender Leon Weintraub erhält Göttinger Friedenspreis

Auszeichnung für einen Hundertjährigen und für das Schulnetzwerk »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage«

 08.03.2026

Internationaler Frauentag

Sie machen die Gemeinden

Wie prägen Frauen die jüdische Community? Wir haben uns bei Vorsitzenden umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  08.03.2026

Porträt

Mit viel Gespür

Franklin Oberlaender ist Familientherapeut, liebt Bücher und das Genre »Film Noir«

von Alicia Rust  08.03.2026

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026