Makkabiade

Die Mischung macht’s

Gerade lugt die Sonne wieder ein wenig durch die Hamburger Schmuddelwolken hindurch, als durch die geöffnete Tür das Quietschen von Turnschuhsohlen und das dumpfe Aufprallen eines Balls zu hören ist. In der unscheinbaren Backsteinhalle kämpfen zehn Männer auf dem Basketballfeld um Rebounds, Assists und Dunkings. Aber nur für Dennis Kalinowski und Dimitriy Milayev ist es die Vorbereitung auf die Makkabiade, die Mitte Mai in Duisburg stattfindet.

Es geht turbulent zu. Jeder Ball ist umkämpft, mitunter wird auch heftig diskutiert, ob ein Fuß nicht doch knapp im Aus stand oder beim letzten Angriff nicht eher der Arm anstatt des Balles erwischt wurde. In Duisburg werden die beiden Norddeutschen Dennis und Dimitriy im Mixed-Team der Kölner antreten, die ebenfalls keine komplette Mannschaft zusammenbekommen haben.

Bei Makkabi Hamburg hatte es vor einigen Jahren bereits eine Basketball-Abteilung gegeben, dann fehlten jedoch Spieler und Hallenzeiten, ein leidiges Thema für Makkabi. Besonders hinsichtlich der Mannschaftssportarten ist es in der Großstadt schwierig, an freie Zeiten in den Hallen zu kommen, auch wenn sich die Stadt kooperationsbereit zeigt.

Seit sechs Jahren ist Semyon Mikhaylov bei TuS Makkabi Hamburg aktiv, er versucht, ein möglichst breites Angebot aufzustellen. Es gibt Schwimmunterricht für Kinder, der gemeinsam mit der Schule organisiert wird, Badminton, Tischtennis, Fußball und die russisch-sowjetische Kampfsportart Sambo. Vor einem Jahr belebte Dimitriy Milayev die Basketballtradition wieder neu, lud Freunde und Bekannte ein, die er vom Unisport kannte, und schaltete sogar Anzeigen, um Mitspieler zu finden. Mit Erfolg, denn jetzt treffen sie sich wieder regelmäßig sonntags zum Training.

spiel Unter den Neulingen war auch Dennis Kalinowski, ein untersetzter flinker Spieler, der Milayev nach Duisburg begleiten wird. Er fängt den Ball bei einem gegnerischen Passversuch geschickt ab, lässt einen Gegenspieler aussteigen und steckt das orangene Leder unterm Korb zu Dimitriy durch, der ihn eigentlich nur noch versenken müsste, doch der Ball springt auf die Ringkante und von dort wieder zurück aufs Spielfeld. Noch klappt eben nicht alles bei den beiden Hamburger Athleten. Aber es ist ja auch noch ein bisschen Zeit, bevor es ernst wird.

Dimitriy ist eingefleischter Basketballfan, besonders die NBA hat es ihm angetan. Er verfolgt die amerikanische Liga im Internet, kennt alle Spieler und Ergebnisse. Sein Lieblingsspieler ist Isaiah Thomas von den Boston Celtics. »Der ist auch nur 1,75 groß, genau wie ich. Aber was der mit dem Ball machen kann, das ist schon toll.« Bis zu seinem Idol fehlen wohl noch ein paar Trainingsstunden, aber schließlich geht es bei der Makkabiade nicht nur um den sportlichen Erfolg.

Von der Makkabiade erfuhr er von Semyon Mikhaylov, anschließend sorgten die Organisatoren für den Kontakt zur Kölner Mannschaft. »Ich weiß nicht, wie gut die anderen Teams spielen, aber ich freue mich besonders auf die Leute aus anderen Städten«, erzählt Dimitriy. Verschiedene Menschen kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen, sei schließlich auch ein Ziel der Makkabiade. »Wenn wir dann noch ein paar Spiele gewinnen, ist es natürlich umso schöner.« Zuletzt gibt es nach dem Ende des Turniers auch noch eine Abschlussparty mit allen Teilnehmern. Vielleicht könne ja sogar eine sportliche Freundschaft mit anderen Teams entstehen, mit denen sich die Hamburger gelegentlich zu Freundschaftsspielen zusammentun könnten, hofft der 35-Jährige.

Chancen Insgesamt spielen sechs Teams um Körbe in Duisburg. Die Hamburger-Köln Kombi bekommt es zunächst mit den Mannschaften aus der Schweiz und Düsseldorf zu tun. Damit ein echtes Mixed Team daraus wird, komplettiert die 19-jährige Judith Steinhauer das Zweistädteteam. Auch altersmäßig ist es ein zusammengewürfelter Haufen, mit einem der jüngsten Spieler, der gerade einmal 16 ist, und Robert Eisfeld, der mit 53 Jahren der Älteste auf dem Platz sein wird.

Eisfeld freut sich auf das gemeinsame Spielen mit den Nordlichtern. »Rechne ich mir große Chancen bei dem Turnier aus? Mitnichten! Rechne ich mit viel Spaß? Auf jeden Fall! Unser Motto wird lauten: Dabei sein ist alles. Vielleicht geschieht ein Wunder, und wir gewinnen doch eines der Spiele. Wer weiß? Eine Überraschung wäre es.« Der Kölner freut sich aber nicht nur auf das Basketballspiel: »Für mich ist das Schönste an dem Turnier der Sport und die Menschen. Das Rahmenprogram ist auch nicht ohne. Ich muss zugeben, dass ich richtig auf die Pokernacht gespannt bin. Das wird sicherlich ein Mordsspaß!«

Der Hamburger Semyon Mikhaylov selbst wird auch nach Duisburg fahren, er tritt mit einer Stuttgarter Fußballmannschaft an. Auch hier kamen nicht ausreichend Spieler aus der Hansestadt zusammen. »Für manche ist es einfach eine Zeitfrage, viele sind Familienväter, bei den Mannschaften kommt auch noch die Finanzierung hinzu«, erzählt Mikhaylov. Denn schließlich koste es einiges, mit 13 Kickern anzureisen. Obwohl die Gemeinde den Verein auch finanziell unterstützt, seien die Hürden damit ein bisschen zu hoch, um noch mehr Sportler nach Duisburg zu schicken. Immerhin werden insgesamt elf Teilnehmer im Mai aus Hamburg anreisen, so viele wie nie zuvor.

Auf dem Spielfeld in der Hamburger Halle ist mittlerweile lautes Gelächter ausgebrochen, nachdem ein Spieler mit tanzartigen Trippelschritten versucht hatte, einen Ball vor dem Aus zu retten. Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz geht es in Hamburg wie in Duisburg doch am meisten um den gemeinsamen Spaß an der Sache.

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