Gescher

Die Brücken sind gebaut

Fragen und Antworten bei der WIZO in Herzlija Foto: Sabine Brandes

Auch wenn es abends spät wurde, standen sie morgens früh wieder pünktlich am Bus. »Denn es gab so viel zu sehen, zu hören und zu erleben, dass sich das niemand entgehen lassen wollte.« Worte eines der 30 Teilnehmer der »Gescher-Reise«, die jetzt acht Tage lang durch Israel tourten.

Gescher ist Hebräisch und bedeutet Brücke. Und es ist der Name eines Projekts, das junge jüdische Erwachsene aus ganz Deutschland mit auf eine Reise nach Israel plus Vor- und Nachbereitung nahm. Alle Teilnehmer engagieren sich bereits ehren- oder hauptamtlich in ihren Gemeinden. Unterstützt und gesponsert wird das Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland von der Genesis Philanthropy Group in New York.

Engagement »Gescher will das Bewusstsein wecken, sich für Israel zu engagieren, und schließlich das Engagement der Leute vertiefen, die bereits engagiert sind«, erläutert Marat Schlafstein, Referent für Jugend- und Gemeindearbeit des Zentralrats, der das Projekt betreut und die Reise begleitete. »Das ist der Höhepunkt« sei einer der zentralen Sätze der Reise gewesen, »und den habe ich gleich mehrfach gehört«. So vieles sei vermittelt worden, dass alle die Eindrücke jetzt erst einmal verarbeiten müssten – im ganz positiven Sinne. »Es war eine eindrucksvolle Bildungsreise auf höchstem Niveau«, fasst Schlafstein zusammen.

Es gab ein vollgepacktes Programm: vom Treffen mit dem Präsidenten der Jewish Agency, Natan Sharansky, über eine Gesprächsrunde mit Knessetsprecher Yuli Edelstein bis zum Austausch mit IDF-Sprecher Arye Sharuz Shalicar. ARD-Korrespondent Richard C. Schneider führte die Gruppe in die jüdischen Siedlungen im Westjordanland und nach Ost-Jerusalem, die Frauen von der WIZO in Herzlija präsentierten das Flaggschiff-Projekt von WIZO Deutschland, das Familienzentrum Beit Heuss.

Für das Engagement der Gruppe hat Schlafstein nur Lob: »Egal, wen wir getroffen haben, die Teilnehmer haben sofort Fragen gestellt, die immer zu einer lebhaften Diskussion angeregt haben.« Auch die Reiseleitung von Schmuel Kahn sei herausragend gewesen, »er hat es verstanden, Spaß und Wissen zu verbinden«.

überraschungen Sogar Zeit für Gänsehautmomente gab es. Wie etwa in der Jeschurun-Synagoge in Jerusalem, wo sich einige zum Slichot-Gottesdienst trafen. Benni Sobol, 20-jähriger Medizinstudent aus Heidelberg, erzählt: »Es waren Tausende von Leuten da – und wir mittendrin. Die Atmosphäre war einfach überwältigend. So etwas habe ich noch nie erlebt.« Auch die verschiedenen Perspektiven der Referenten haben ihn überzeugt. »Es gab einiges, das ich noch nicht gehört hatte. Und das, obwohl ich schon mehrfach mit verschiedenen Organisationen hier war.«

»Ich war wirklich positiv überrascht«, meint auch Mike Delberg, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. »Vorher hatte ich etwas Sorge, dass ich nur das zu hören bekomme, was ich schon weiß. Aber wir haben so vieles jenseits der Standard-Eindrücke erhalten, dass jeder, auch wer schon lange in der jüdischen Jugendarbeit tätig ist, dazulernen konnte.«

Es sei eine »phänomenale Reise« gewesen, findet Leonid Guretzky, Vorsitzender des Jüdischen Studentenverbandes Bayern. »Sie hat mir gezeigt, inwieweit ich Botschafter für Israel sein und was ich weitergeben kann.« Sein Ziel sei zudem die Vernetzung untereinander gewesen. »Das ist mehr als erreicht.«

erfahrungen Das meint auch Ilana Lendvai: »Die Verständigung untereinander war klasse. Und die Idee, die Beziehung zu Israel stärken zu müssen, ist definitiv angekommen.« Die 23-Jährige aus Frankfurt, die in Bonn studiert, will »die ganzen neuen Erfahrungen über Israel« jetzt unbedingt in ihrer Studentengruppe Hillel einbringen.

Auch Nataniel Satanowski aus Berlin nimmt »auf jeden Fall mit, dass ich immer etwas lernen kann – auch wenn ich eigentlich meine, schon viel zu wissen. Es motiviert mich, viel mehr Aufklärung über Israel in Deutschland zu betreiben.« Außerdem möchte er die Verbindung zwischen Juden in Deutschland und Israelis stärken, »für das gegenseitige Lernen und die Toleranz«.

Xenia Fuchs, Lehrerin aus Berlin, hat in vielen Belangen neue Einblicke erhalten. »Die Erzählungen der Menschen, die hier schon lange leben, haben mir so viel gegeben. Vieles ist völlig anders als das Bild, das man in Deutschland bekommt oder von ein paar Tagen Urlaub.« Sie möchte ihre Erfahrungen an die jungen Leute weitergeben, mit denen sie in der Gemeinde arbeitet.

kraft Israel sollte »nicht ausschließlich als Lebensversicherung« angesehen werden, meint Fuchs. Es sei »mehr als der Ort, an dem wir unser Judentum frei leben können. Wir müssen uns fragen: ›Was braucht Israel von uns?‹ Ich finde, wir sollten uns in Deutschland für mehr Verständnis einsetzen. Die Brücken sind auf jeden Fall gebaut.«

Auf die Frage einer Teilnehmerin beim WIZO-Gespräch, wie stark die nächste Generation sei, antwortete Anita Friedman, Vorsitzende der WIZO-Spendenabteilung: »Das liegt an euch! Es ist eine sehr bedeutende Aufgabe, Israel zu unterstützen. Findet die Kraft und ermutigt Leute um euch herum, es ebenfalls zu tun!«

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